„Le candidat, c´est moi!

Eigene Interpretation des Autors

Lange hat sich der Präsident gescheut, doch jetzt hat Nicolas Sarkozy seine erneute Kandidatur für das höchste Amt der Grande Nation öffentlich bekannt gegeben. Und auch wenn die Vorzeichen alles andere als „trés beau“ aussehen, so zeigt sich Sarkozy kampfbereit und siegessicher. Seine Wahlkampf-Trickkiste scheint prall gefüllt.

Sarkozys späte Kandidatur, knapp 2 Monate vor der Präsidentenwahl am 22. April, lässt auf den ersten Blick Unentschlossenheit oder gar Angst vor einer vernichtenden Niederlage vermuten. In der Tat hat Sarkozy seit mehr als 4(!) Jahren Umfragewerte von unter 50% und liegt derzeit rund 14% hinter seinem härtesten Konkurrenten Franҫois Hollande zurück. Bei genauerem Hinsehen lässt sich allerdings ein geschicktes taktisches Verhalten erkennen. Durch sein Verharren im dunklen Kaninchen-Bau konnte er die Euphorie-Welle, auf der Hollande nach seinem medienwirksamen Vorwahlsieg surfte, auslaufen lassen. Wäre er in Panik aus seiner Präsidentschaftsfestung gesprungen und hätte seine Kandidatur verkündet, hätte ihn die besagte Welle wohl weit von seinem Ziel weggerissen.

So konnte Hollande seinen Sieg auskosten, ohne dabei Sarkozy weiteren Schaden zuzufügen. Und als der Sozialist Ende Januar sein Wahlprogramm in die Welt hinaustrug, konzentrierten sich die vereinigte Journalie und etliche konservative sowie stramm-rechte Politiker darauf, Punkt für Punkt auseinanderzunehmen. Reichensteuer? – Merde! Sarkozy hingegen war völlig aus der Schusslinie, bot er doch schlicht keine Angriffsfläche (abgesehen von den ohnehin desolaten Wirtschaftsbilanzen).

Doch jetzt hat er seine Deckung verlassen und möchte mit einer Blitzkampagne die Herzen der Landsleute erobern. Begleitet wird der Startschuss seines Wahlkampfs von den Fanfaren etlicher Konkurrenten um das Präsidentenamt. So verzichten die Kandidaten der Zentristen und der Christlichen Partei, zugunsten Sarkozys, auf den weiteren Wahlkampf, da er ohnehin die gleichen Werte vertritt.

Thematisch setzt Sarkozy hingegen auf biedere Bauernfänger. Ein gehörige Portion Nationalismus, gewürzt mit dem Versprechen, die Stimme des Volkes in Referenden zu befragen. Er begründet seine Kandidatur mit seinem Verantwortungsgefühl. Welcher Kapitän, verlässt sein Schiff im schlimmsten Sturm? Im Gegenteil: Sarkozy möchte, dass Frankreich wieder ein Schutzschild für die Franzosen wird.

Fraglich ist jedoch, wie der letzte Joker in seine Wahlkampf-Strategien passt. Angela Merkel, selbsternannte Schutzpatronin Sarkozys, kann auf die nationalistischen Floskeln Sarkozys sicher gut verzichten. Und Volksbefragungen können bekanntlich gerne mal nach hinten losgehen, besonders im Hinblick auf europäische Politik.

Bleibt abzuwarten, ob Sarkozys breitgestreuten taktischen Manöver und die permanenten Attacken gegen Hollande letztendlich für eine zweite Amtszeit reichen. Denn eigene Inhalte sind bis jetzt schwer zu erkennen.

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