Abwrackprämie macht aus der Apotheke einen Discounter

Okay, viele haben es schon vorher gewusst: Die sog. Abwrackprämie alias Umweltprämie war/ist ein Instrument, um Wählerstimmen zu mobilisieren. In einer Wirtschaftskrise allein darauf zu warten, dass sie möglichst schnell vorbei geht, ist kein wirkliches Heilmittel. Die heiße Nadel anzusetzen hat allerdings auch wieder einmal mehr Probleme verursacht als gelöst. Wenn es stimmt, dass es ca. 50.000 Fälle des Missbrauchs/Betrugs gibt, also die Autos gar kein Altmetall geworden sind, sondern munter in anderen Teilen der Welt weiter vor sich in stinken, dann ist das ein ganz schön dicker Hund. Steuergelder werden mit der Gießkanne ausgeschüttet und fördern kriminelle Handlungen – das kann und darf nicht im Interesse der Bürger und damit Wähler sein.
Ein Problem kann die Prämie nie und nimmer lösen: Die Überkapazitäten in der Automobilindustrie abzubauen. Wenn jährlich etwa 50 Mio. Autos produziert werden und nur für 40 Mio. Käufer bereit stehen, drängt sich förmlich die Frage auf, was mit den übrigen 10 Mio. passiert. Und, was machen eigentlich die Händler, wenn die Umweltprämie nicht mehr scharenweise die Käufer in die schönen Schauräume treibt? Richtig: lange Gesichter. Die Rabattschlacht dort hat das Geld vom Staat im Grunde nur noch befeuert. Nachlässe waren bis vor ein paar Jahren noch geradezu verpönt. „Für mein Auto zahle ich ordentliches Geld“, hieß die Devise. Von wegen eine solide Karosse hinterher geworfen zu bekommen! Premium, das war früher, heute heißt das Zauberwort „Discount“. Wen trifft es noch bitter? Auch richtig: die Schrauber – ebenfalls mit weniger Lobby ausgestattet als VW, Opel und Porsche – gucken jetzt schon in die Röhre, weil es kaum noch kaputte, aber grundsätzlich fahrtüchtige mittelalte Autos zu reparieren gibt.
Wenn es stimmt, dass bei Einführung des Verschrottungs-Goodys nicht einmal der Fahrzeugbrief im Original vorliegen musste, ist es doch kein Wunder, dass die Prämie mitgenommen und das Auto in der gleichen Verfassung vom Schrottplatz gefahren ist, wie es dort angeliefert wurde – wenn es den Boden dort überhaupt berührt hat. Bei der Überprüfung von Schrotthöfen sieht die Realität nämlich nicht so aus, dass permanent Kontrollen durchgeführt werden. Ein Bauer muss seinen Tieren heutzutage alle Ohren mit Marken zutackern, damit ja kein Bulle „abhanden“ kommt und Autos lösen sich mir nichts, dir nichts in Luft auf, unfassbar! Ein weiterer Lapsus, den man bereits in der Theorie hätte erfassen müssen, ist die Sperrfrist bei der Zulassung. Einige „Händler“ nutzen die Prämie als persönliche Rabattstaffel – aus Steuern finanziert. Das ist so, als füttere man Hühner mit Brot, weil es subventioniert billiger ist als Getreide.
Diese Punkte lassen die wohlgemeinte Idee, der (Auto)Konjunktur ein wenig auf die Sprünge zu helfen, in einem durchaus wolkenverhangenen Licht erscheinen. Es ist gut, dass darüber auch diskutiert wird und die Bundesregierung bereits ihre Bereitschaft daraus zu lernen signalisiert hat. Warum es z.B. keine Umweltprämie für Fahrräder gibt, hat bisher noch keiner erklärt. Das CO2-Einsparpotenzial hier wäre um ein Vielfaches höher. Ach so, darum geht es gar nicht…

Tags: , , , , , ,

Ein Kommentar hinterlassen


Premium Wordpress Plugin