BILD oder blöd?

Dieter Althaus ist zurück auf der politischen Bühne. Zwar nicht in Thüringen, wo er bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten auf ärztliches Anraten nicht nach seinem fatalen Unfall anwesend sein konnte. Aber in der BamS von gestern und in der heutigen Bild. Die Empfehlung seiner Ärzte hierzu ist uns nicht bekannt. Klar wird aber schon jetzt, dass Althaus damit den ersten wirklich mutigen Schritt getan hat. Denn ob ihm dieses Interview nutzt oder schadet, ist selbst unter Freunden umstritten: Sein Wahlkampfmanager distanzierte sich bereits von diesem Coup. Wahrscheinlich ist: Althaus blieb kaum eine andere Wahl.Dabei wird es weniger der Druck aus dem eigenen Lager gewesen sein, das endlich wieder Handlungsfähigkeit und Führunsgsqualitäten sehen wollte. Auch die Opposition in Thüringen wird ihn nicht zu diesem Schritt gezwungen haben, wenngleich sie nun die ersten waren, die die Instrumentalisierung der Rekonvaleszenz für den Wahlkampf kritisiert haben. Freilich dürfen sie sich nicht beklagen. Gerade der hoffnungslos abgeschlagene SPD-Herausforderer Christoph Matschie hat wiederholt den Unfall thematisiert und das Thema der Schuld in die politische Arena zu ziehen versucht, als Althaus tatsächlich völlig abgeschirmt war. Er darf sich also nicht beklagen, da er die Geister, die ihm nun zusetzen, selbst rief.Althaus, der ganz sicher die nun einsetzende Instrumentalisierungs-Debatte hat kommen sehen, ohne sich darauf zu freuen, hatte praktisch keine Wahl, weil er die “Spielregeln” des politischen Geschäftes kennt:

“(…) Althaus gibt der “Bild”-Zeitung exklusive Informationen. Dafür gibt “Bild” ihm die Berichterstattung, die er sich wünscht. (…)”

Das Zitat stammt aus Stefan Niggemeiers BILD-Blog, das seit Jahren die Berichterstattung von Deutschlands nicht nur auflagenstärkstersondern auch einflussreichster Zeitung kritisch begleitet. Die Zeile bedeuten im Umkehrschluss nichts anderes: Hätte Althaus die “Bitte” der BILD um ein Interview abgelehnt, wäre zu befürchten gewesen, dass sich das Blatt gegen ihn wendet. Dass jene in großen Lettern zu Wort kommen, die der Ansicht sind, dass sich ein strapaziöser Wahlkampf für einen Schädel-Hirn-Traumatisierten verbietet. Und solche Stimmen, wonach auch das fahrlässige Verschulden eines Todesfalls den Verbleib im verantwortungsvollen Amt des Ministerpräsidenten untragbar macht. Solche gibt es nicht nur auf der Linken. Althaus, so darf man annehmen, ist darüber informiert. Und hat sich entschieden, das Interview zu führen. Tragisch!

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1 Kommentar

  1. Zum selben Thema habe ich bei Michael Spreng kommentiert:

    Sie (Michael Spreng) sprechen davon, im Fall Althaus handele es sich um “(e)ine schlechte Inszenierung und eine kontraprodutive dazu”.

    Interessant wäre Ihre Meinung zur Frage, welchen Spielraum Althaus wirklich hatte. Sie, Herr Spreng, kennen doch gut das Handwerk im 15. Stock des ASH.
    Althaus ist ein tragischer Fall: Er hat gleich mehrfach die Kontrolle verloren: Zunächst auf der Piste (durch Fahrfehler oder Überheblichkeit) und dann durch die eigene Verletzlichkeit in der Rekonvaleszenz. Er ist vom Subjekt zum Objekt, vom Handelnden zum Getriebenen geworden: Einige Parteifreunde stellen ihn in Zweifel – und zwar lang vor seinen eigenen Äusserungen. Andere beknien ihn, unbedingt weiterzumachen, obwohl er – für alle sichtbar und glaubwürdig – schwer an der Bürde trägt. Und dann kommt Herr Diekmann und macht ein “Angebot”. Mario Puzo nannte es “an offer he couldn’t refuse”.

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