Bundesfußballrepublik – Fußball als Identifikationsfaktor?

„Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Fußballteam!“ So oder so ähnlich müsste unsere Nationalhymne an diesen Tagen eigentlich klingen. Denn nicht zuletzt stellt sich die Frage, warum wir solidarisch unsere Fahne schwingen und so unser Land stolz ins schwarz-rot-gelbes Licht tauchen? Lieben wir unser Land so sehr oder ist es der bloße Kampf um den Cup? Warum haben wir denn gezittert, als das Deutsche Team den Weg ins Achtelfinale beim Spiel gegen Ghana versuchte? Wir haben gezittert, weil das prophezeite Sommermärchen 2010 sonst nicht statt fände, hätten die Deutschen gegen Ghana verloren. Wir haben also nicht für den Fußball gezittert, sondern für das Gefühl, dass uns der Fußball an diesen Tagen beschert: das Gefühl der Einheit! Der Zusammengehörigkeit!

Denn wir alle wissen: Sobald kein Deutscher Nationalspieler mehr seinen Fuß auf das afrikanische Spielfeld setzen darf und winkend aus dem Fenster des Flugzeugs den afrikanischen Kontinent verlässt, ist es ein für alle Mal aus. Das Sommermärchen 2010 platzt und noch viel wichtiger, mit ihr das deutsche Zugehörigkeitsgefühl. Das ist es, was uns Angst macht. Das ist es, wovor wir am meisten zittern. Dann ist alles vorbei: Die Fähnchen werden abgenommen, werden verstaut für die nächste EM und die nervigen Vuvuzelas sind dann auch vergessen. Hier und da in der Ferne hört man sie noch – das nervige Getöse! Nervig? Vielleicht. Aber irgendwie vermissen wir sie schon: Weißt du noch WM 2010, diese dämlichen Tröten? Aber, war das geil!

Gepriesen werden die Spieler, da sie uns dieses Gefühl der Einheit vermitteln. Gepriesen wird nicht der Sieg. Und jeder fragt sich im Nachhinein: Warum ist das für uns Deutsche so schwer, dieses Gefühl jeden Tag zu leben? Denn sobald der Fanatismus für Deutschland keinen Grund mehr hat, vergessen wir, wer wir wirklich sind: Ein Volk, dass sein Land liebt, ein Volk, dass nach Zugehörigkeit schreit, jenseits der historischen Ereignisse, die uns dieses Gefühl streitig machen. Und das Traurige ist, niemand will für dieses Gefühl außerhalb einer Fußball WM einstehen. Unsere Gesellschaft nicht, schon gar nicht die Politik.

Wir schwingen die Fahne für einen kurzen Moment, freuen uns über das Wesen Deutschland, aber in der Gesamtheit interessiert es uns nicht: „Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Fußballteam!“ Stattdessen freuen wir uns, wenn es etwas zu meckern gibt und die Opposition nach Veränderung schreit. Aber eine Veränderung ist es nie, bloß eine Weiterführung dessen, was bereits gesagt worden ist. Wenn uns Deutschen dieses Gefühl der Einheit schon nicht fremd ist, warum verleugnen wir es dann? Warum gibt es immer wieder Gründe, das eigene Land, in dem man geboren und aufgewachsen ist, zu verlassen? Warum wehren wir uns nicht gegen das Schlechte und warum versuchen wir stets das Gute darin zu sehen?  Wieso tolerieren wir viele Dinge, die um uns herum passieren, obwohl wir wissen, dass sie falsch sind? Wieso stehen wir nicht gemeinsam für das ein, was uns zusteht: das Gefühl der Zugehörigkeit? Denn es sind nicht die historischen Wurzel, die uns dieses Gefühl verwehren. Das sind wir selbst.

Wie wird man über uns sprechen? Deutsches Volk? – Ach ja, das sind doch die, die zu Tausenden den ausländischen Präsidentschaftskandidaten Obama verehrt haben –  Ich erinnere mich, das sind doch die, die sich über Fußball und den Grand Prix identifiziert haben – Nein, es gab gar kein deutsches Volk – die hießen Ossis und Wessis.

Politisch betrachtet, gibt es nur eine Persönlichkeit, die uns alle rettet: Der Bundespräsident. Denn er muss es ein – der Messias der Deutschen. Er muss die patriotische Stärke Deutschlands repräsentieren. Er muss das Gefühl der Zusammengehörigkeit den Deutschen zurückgeben. Ob es dem neuen Präsidenten gelingt, das Herz der Deutschen „schwarz-rot-gold“ schlagen zu lassen, ist eine berechtigte Frage und die Antwort kennen wir auch: Ohne die Unterstützung durch das Volk, ohne die Ehrerbietung durch das Volk – wohl kaum. Und das ist kein Appell an nazistische Verfechter. Es ist das Recht, das uns zusteht. Denn es ist notwendig, dass wir unsere landeseigenen Persönlichkeiten verehren und sie als Vorbilder betrachten – als Retter der Welt, als mögliche Nobelpreisträger. Wir sollten nicht etwas verleugnen, dass seit geraumer Zeit existiert: Uns selbst als vereintes Volk, das stolz die Fahne auch außerhalb einer Fußball WM schwingt.

Tags: , ,

Ein Kommentar hinterlassen


Premium Wordpress Plugin