Die Hiobsbotschaften aus der Solarindustrie reißen nicht ab: Letzte Woche meldet das Berliner Vorzeige-Solarunternehmen Solon (Adlershof) Insolvenz an. Heute zieht das Erlanger Unternehmen Solar Millennium offiziell nach. Nach “Wir entwickeln die Zukunft” (Slogan von Solar Millennium) sieht das nicht aus. In den USA haben erst vor kurzem mehere Hersteller einen Insolvenzantrag stellen müssen (u.a. SES, Solyndra, Evergreen Solar und Spectrawatt). Auch die deutschen Unternehmen Conergy, Q-Cells und Phoenix Solar schwächeln. Was ist da los? Continue reading →
Wirtschaft
7
Dez 11
Klimahokuspokus
Seit Tagen schon verhandeln die großen und kleinen Klimaretter der Welt im südafrikanischen Durban über die Fortführung des im Jahr 2012 auslaufenden Kyotoprotokolls. Neue Regeln müssen her und zwar schnell. Schließlich war in Cancún im vergangenen Jahr viel vereinbart worden und nun fehlt der völkerrechtliche Rahmen, der die Vereinbarungen quasi in Stein meißelt und die großen und kleinen Klimaverpester wirtschaftlich bluten lässt. Vereinbart wurde ein GREEN CLIMATE FUND, der den ärmeren Ländern der Welt bei der Anpassung an den Klimawandel dienlich sein und bereits 2012 seine Arbeit aufnehmen soll. Bis 2020 sollen 100 Milliarden (!!!) Dollar jährlich in den Fonds fließen und die ärmeren Länder vor Klimakatastrophen schützen. Die Vereinbarung von Cancún sieht auch die Reduzierung der Erderwärmung um 2 Grad sowie die Begrenzung der Treibhausgasemissionen um 25 bis 40 Prozent bis 2020 gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter vor. So weit, so gut. Aber, wie war das noch Mal, warum gibt es diese, meist erfolglosen, Klimagipfel, was wollen wir eigentlich retten? Das Klima? Will das Klima überhaupt gerettet werden?
24
Nov 11
Eine Lanze für den Förderalismus
Föderalismus ist ein alter Hut der Alliierten. Die Kleinstaaterei führt nur zu Streit. Es braucht einen großen Bruder, der seine machtvolle Keule schwingt, um Probleme vom Tisch zu fegen. So zerreißt ein Kommentar auf Spiegel-Online den deutschen Staatsaufbau in der Luft und bedient sich dabei zahlreicher Bilder. Landesfürsten sind nur interessengeleitete Zwerge, die koordiniertes Handeln nicht zulassen. Continue reading →
10
Nov 11
Alte Erfindungen für neue Herausforderungen
Vielerorts wird Angela Merkel dieser Tage als opportunistisch oder gar wankelmütig bezeichnet. Wie kann es sein, dass eine CDU-Kanzlerin offen für den Mindestlohn eintritt oder mit Hilfe einer Schulform die Hauptschule bundesweit abschaffen möchte? Unfassbar, finden das weite Teile ihrer eigenen Partei. Und auch der liberale Koalitionspartner zeigt sich denkbar geschockt. Ist doch der Mindestlohn ein längst erfundenes „linkes“ Thema, das zum festen Wahlkampfrepertoire der Sozialdemokraten zählt und zudem Dorn im eigenen Auge ist. Continue reading →
3
Nov 11
Es braucht eine Kehrtwende

Bundespräsident Christian Wulff (hier im Gespräch mit Kindern) mahnt eine Kehrtwende bei der Bemessung dessen an, was Glück und Erfolg ist.
“qualitatives Wachstum [zu schaffen], wo man Lebensqualität, wo man Glück, wo man Zufriedenheit anders bewertet als nur in Wachstumsraten, wie das herkömmlich traditionell der Fall ist.”
Ich bin ziemlich sicher, dass Thomas Derale sich gefreut hätte, diese Sätze zu lesen.
Das vollständige Interview mit Bundespräsident Christian Wulff lesen Sie hier. Foto: (C) Copyright Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
2
Nov 11
Eine überraschende Botschaft

Fette-Henne-Gastautor Bernhard Ziegler ist Vorsitzender des Interessenverbandes Kommunaler Krankenhäuser e.V. (www.ivkk.de)
Die Autoren der Studie irren grob, wenn sie einen Zusammenhang zwischen der Lage einer Klinik und ihrer Wirtschaftlichkeit sehen. Wenn überhaupt sind es Kliniken in ländlichen Regionen, die unter professioneller Leitung wirtschaftlich erfolgreich sind, anstatt – wie in der Studie unterstellt - grundsätzlich defizitär. Hingegen kommt es in Ballungsräumen wie z.B. dem Rhein-Main-Gebiet unabhängig von der Trägerschaft dann leicht zu unwirtschaftlichen Strukturen, wenn Angebote nicht aufeinander abgestimmt mehrfach angeboten werden. Dieses Problem wird nicht durch einen Wechsel der Trägerschaft gelöst, sondern nur durch bedarfsgerechte und regional abgestimmte Planung.
Dass die Studie Strukturen beschreibt, in denen Profitabilität als Indikator für Privatisierungschancen gesehen wird, ist mehr als kurzsichtig, wenn man bedenkt, dass die wirtschaftliche Attraktivität des deutschen Gesundheitswesens für private Investoren vor allem aus der öffentlich garantierten Krankenversicherungspflicht und dem daraus resultierenden Solidarsystem resultiert. Risiken (Defizite) öffentlich abzusichern und Profite zu privatisieren ist eine Botschaft, die aus dem Haus der HSH-Nordbank überraschend klingt.
Strukturpolitisch weist die HWWI-Studie zudem in eine bedenkliche Richtung, wenn sie sinkenden Versorgungsbedarf signalisiert. Katastrophenfälle wie Pandemien oder terroristische Angriffe sind in diesen Szenarien völlig unterrepräsentiert. Stationäre Gesundheitsversorgung ist und bleibt jedoch eine Aufgabe der Daseinsvorsorge, die auch solche Situationen mit berücksichtigen muss.
Bernhard Ziegler ist der Vorsitzende des Interessenverbandes kommunaler Krankenhäuser in Deutschland e.V.
18
Okt 11
Der gezielte Griff ins Lenkrad
Die wohl schwerste Aufgabe der Politik ist es, angemessen und rechtzeitig auf aktuelle Bedürfnisse zu reagieren. Bringt eine Abwrackprämie den erhofften Erfolg? Wann werden die öffentlichen Ausgaben zurückgefahren? Um diese Fragen zu beantworten, muss die Politik die wirtschaftliche Lage schnell und präzise einschätzen können. Die dazu verwendeten Messinstrumente sind bekannt und hängen schon seit längerer Zeit am Werkzeuggürtel der Regierungen der Bundesrepublik:
16
Aug 11
Von Bond zu Bonds oder zu Hause bei den Bonds
Wer kennt ihn nicht, den legendären Satz: “Mein Name ist Bond, James Bond.” Dieser Tage ist mit Blick auf Europa nur noch von den (Euro)Bonds die Rede – James hat nicht geheiratet, falls das jemand denken sollte. Gemeint sind vielmehr jene europäischen Staatsanleihen, mit Hilfe derer die kriselnden Euroländer vor der erdrückenden Zinslast und den Spekulanten gerettet werden sollen. Zurzeit (Dienstagabend, 16.8.) besprechen sich die deutsche Kanzlerin und der französische Präsident in Paris zu diesem Thema. Continue reading →
14
Jul 11
Leadership’s Greatest Secret
Es gibt ein kleines Buch mit dem ungewöhnlichen Titel “The Big Five for Life“. Dieses Buch ist in der Politik noch nicht sehr bekannt. Was möglicherweise daran liegt, dass es aufgrund seines fiktionalen Aufbaus als “nette Geschichte ohne praktischen Gebrauchswert” missverstanden werden kann. Dabei hätte es für den Vorstand des Vereins “Werkstatt Deutschland e.V.” und das Kuratorium für die Verleihung des “Quadriga”-Preises eine wichtige Leitschnur bieten und viel Ärger vermeiden können, den sie sich mit der Nominierung des russischen Ministerpräsidenten Putin als Preisträger für “Leadership” eingehandelt haben. Genau darum nämlich geht es bei den Big Five for Life: “Leadership’s greatest Secret” lautet der Untertitel des Buches von John Strelecky im englischen Original.
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30
Jun 11
Die Scheindebatte um den Fachkräftemangel
Der beständige wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland hat bis jetzt gute Arbeit geleistet. Die Zahl der Arbeitslosen sank in den letzten Monaten konstant und ist unter die symbolische Marke von drei Millionen gerutscht. Manch einer mag da schon von einer sich abzeichnenden Vollbeschäftigung sprechen. Reflexartig wird aber gleichzeitig eine Debatte um ein anscheinend akutes Problem entfacht: Fachkräftemangel. Qualifizierte Bewerber seien in Zukunft Mangelware. Dem deutschen Arbeitsmarkt würden national die Arbeitnehmer in vielen Bereichen ausgehen. Continue reading →
26
Jun 11
Hilf(e)losigkeit beim Ausmaß des Schreckens
“Wenn du die Wahrheit suchst, sei offen für das Unerwartete, denn es ist schwer zu finden und verwirrend, wenn du es findest.” Dieser Ausspruch von Heraklit, dem vorsokratischen Philosophen aus dem ionischen Ephesos (5. Jahrhundert vor Christus), trifft durchaus auf die heutige Situation mit dem Euro und Griechenland und, und, und… zu. Das verwirrende an der Debatte um Hilfen/Rettungschirme, Schuldenschnitte/Umschuldungsmaßnahmen und dergleichen mehr ist, dass es offenbar keiner so richtig weiß. Aber dass insgesamt viel nicht gesagt wird, was die Debatte transparenter und somit nachvollziehbarer für uns alle (wir Steuerzahler), machen könnte, liegt ebenfalls auf der Hand. Von der Schwierigkeit, sich hier eine fundierte Meinung zu bilden spricht auch der Blogger-Kollege Spreng:
“Ich habe keine Meinung, weil ich nicht weiß, auf welcher Grundlage ich sie mir bilden, wem und welchen Argumenten ich vertrauen kann.”
23
Jun 11
Imageschaden
Politik ist nicht frei von Verlogenheit. Jeder realistisch denkende Mensch kann dem zustimmen und ruft sich dabei die gängige Wahlkampffolklore in lebhafte Erinnerung: Vor der Wahl wird einiges versprochen, nach der Wahl jedoch oft wenig davon eingelöst. Manche Politiker können dadurch ausgelöste Enttäuschungen in der Wählerschaft durch persönliches Charisma und gute Erklärungen auffangen, vielleicht etwas Glaubwürdigkeit wieder herstellen, oder sogar noch die ein oder andere Wahl gewinnen. Trotzdem leidet hierunter im Großen und Ganzen das Bild der Politik in breiten Bevölkerungsschichten. Deswegen ist es nicht überraschend, dass dieser Beruf nicht als edelste aller Professionen wahrgenommen wird.
Dem Bürger als Ottonormalo erscheinen die Machenschaften der Volksvertreter in der Hauptstadt als nicht nachvollziehbar. Oft sehen die Entscheidungswege verworren aus und der Lobbyist als diffuser, sprich nicht wirklich zu fassender Zuflüsterer des Politikers erscheint omnipräsent
. Deswegen wünschen sich viele einen Vertreter mit klarer Kante, der aus dem politischen Anzugsdschungel hervorsticht, noch wahre gesellschaftliche Werte vertritt sowie gleichzeitig längst verloren gegangene Glanz und Gloria zurückbringt. Die Christdemokraten glaubten ihren Heilsbringer in Dr. Karl Theodor von und zu Guttenberg gefunden zu haben. Sein Credo:„Verantwortung verpflichtet“. Das kam sowohl bei Nicht-Akademikern als auch bei Bildungsbürgern gut an. Doch nachdem sich der prestigeträchtige Doktortitel des Freiherren als grobschlächtiges Plagiat herausgestellt hatte und selbst die beste Salamitaktik à la Felix Krull nicht dabei half, im Amt zu bleiben, musste er den Rückzug antreten und wird jetzt aus verpflichtendem Verantwortungsbewusstsein ins Ausland gehen.
Viel zu diesen Entwicklungen beigetragen hat die kollektive Plagiatsdokumentation GuttenPlagWiki. Unzählige Internetbenutzer durchforsteten die Doktorarbeit Guttenbergs nach geklauten Stellen und halfen so dabei Licht ins Dunkel zu bringen. Diese akribische Arbeit wurde jetzt mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Spezial ausgezeichnet. Die vernetzte Zusammenarbeit hat sich als so schlagfertig herausgestellt, dass jetzt weitere prominente akademische Betrugsfälle aufgedeckt wurden. So hat zum Beispiel die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber, Veronica Saß („VroniPlag Wiki“), ihres Zeichens Rechtsanwältin, auch kräftig plagiiert. Ihr Dokotortitel wurde von der Universität Konstanz aberkannt. So weit, so profan.
Viel interessanter hingegen ist der Fall der Silvana Koch-Mehrin, FDP-Politikerin und Mitglied des Europäischen Parlaments. Sie lässt die Aberkennung ihres Doktortitels durch die Universität Heidelberg nicht auf sich sitzen, giftet in einer Pressemitteilung zurück, dass „es auch zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört […] eine vorgelegte Arbeit ordentlich zu prüfen.“ All dies legt zwei Schlussfolgerungen nahe:
Die erste ist eine wissenschaftliche: Die Betreuer von Doktoranden müssen heutzutage ihren Schützlingen noch genauer auf die Finger schauen und dürfen sich auch nicht mehr hinter dem scheinheiligen Argument der fehlenden Technik zur Nachprüfung von Plagiaten verstecken.
Die politische Schlussfolgerung ist hingegen, dass Menschen, die sich im Leben durch Betrug Titel und Ämter ergattert haben, für diese Tat auch bezahlen sollten. Insofern ist Koch-Mehrin einen Schritt in die richtige Richtung gegangen, ihre Ämter als Leiterin der FDP-Delegation im Europäischen Parlament, als Parlamentsvizepräsidentin und als FDP-Präsidiumsmitglied niederzulegen. Gleichzeitig geht sie aber wieder drei Schritte zurück, indem sie ihr Mandat als Abgeordnete des Europäischen Parlaments beibehält. Ein PR-Desaster entfacht sie zudem noch, sich als Vollmitglied in den Ausschuss des EU-Parlaments für Industrie, Forschung und Energie wählen zu lassen. Als ob die FDP grade nicht genug Probleme hätte. ..
All dies lässt die Politik in einem sehr schlechten Licht dastehen. Wieder einmal wird sich jeder Stammtisch bestätigt sehen, dass Berufspolitiker, wenn es hart auf hart kommt, alle Moral über Bord werfen. Ihre zu rettende Karriere, geprägt von den drei Sälen (Kreiß-, Hör-, Plenarsaal), gibt die Marschrichtung vor. Denn etwas anderes als das Politiker-Dasein kommt nicht in Frage.
Verhindern lassen sich solche desaströsen Ereignisse unter anderem durch drei Dinge: Zum einen kann das Internet mit seinen akiven Benutzern als vernetztes Kollektivbewusstsein viel dazu beitragen, solche schwarzen Schafe aufzudecken. Zum anderen muss den Politikern und Parteimitgliedern klar sein, dass sie sich keinen Gefallen tun, harte Konsequenzen zu vermeiden. Dadurch wird der Schaden nur noch größer. Zu guter Letzt können auch die Lieferanten im Politikbetrieb (sprich Lobbyisten) selbst aus diesen Fällen lernen. Transparenz ist en vogue. Nur wer sich in den heutigen Zeiten offen präsentiert, kann Vertrauen gewinnen.

















