Wissenschaft


10
Feb 12

Cui bono?

Die Stimmen sogenannter Klimaskeptiker werden immer lauter und dieses Mal, so scheint es,  werden sie erhört. Die deutschen Printmedien berichten nun auch über das Thema anthropologischer Klimawandel und die damit verbundene Skepsis.  Aber auch amerikanische Blätter wie das Wall Street Journal lassen renommierte Wissenschaftler zu Wort kommen und warnen vor überstürzter Panikmache.  Hat sie nun also begonnen, die langersehnte objektive Klimadebatte?

Continue reading →


15
Dez 11

TV-Tipp der führenden Pharmaunternehmen

Unbescholten melde ich mich zu einer politischen Veranstaltung an, von denen es in Berlin wahrhaft nicht wenige gibt. Ich konnte nicht ahnen, dass diese hier etwas ganz besonderes werden wird. Spannung, Action und Kameras, alles dabei. Dazu kommen wir aber später: Continue reading →


10
Nov 11

Alte Erfindungen für neue Herausforderungen

Vielerorts wird Angela Merkel dieser Tage als opportunistisch oder gar wankelmütig bezeichnet. Wie kann es sein, dass eine CDU-Kanzlerin offen für den Mindestlohn eintritt oder mit Hilfe einer Schulform die Hauptschule bundesweit abschaffen möchte? Unfassbar, finden das weite Teile ihrer eigenen Partei. Und auch der liberale Koalitionspartner zeigt sich denkbar geschockt. Ist doch der Mindestlohn ein längst erfundenes „linkes“ Thema, das zum festen Wahlkampfrepertoire der Sozialdemokraten zählt und zudem Dorn im eigenen Auge ist. Continue reading →


18
Okt 11

Der gezielte Griff ins Lenkrad

Die wohl schwerste Aufgabe der Politik ist es, angemessen und rechtzeitig auf aktuelle Bedürfnisse zu reagieren. Bringt eine Abwrackprämie den erhofften Erfolg? Wann werden die öffentlichen Ausgaben zurückgefahren? Um diese Fragen zu beantworten, muss die Politik die wirtschaftliche Lage schnell und präzise einschätzen können. Die dazu verwendeten Messinstrumente sind bekannt und hängen schon seit längerer Zeit am Werkzeuggürtel der Regierungen der Bundesrepublik:

Continue reading →


23
Jun 11

Imageschaden

Politik ist nicht frei von Verlogenheit. Jeder realistisch denkende Mensch kann dem zustimmen und ruft sich dabei die gängige Wahlkampffolklore in lebhafte Erinnerung: Vor der Wahl wird einiges versprochen, nach der Wahl jedoch oft wenig davon eingelöst. Manche Politiker können dadurch ausgelöste Enttäuschungen in der Wählerschaft durch persönliches Charisma und gute Erklärungen auffangen, vielleicht etwas Glaubwürdigkeit wieder herstellen, oder sogar noch die ein oder andere Wahl gewinnen. Trotzdem leidet hierunter im Großen und Ganzen das Bild der Politik in breiten Bevölkerungsschichten. Deswegen ist es nicht überraschend, dass dieser Beruf nicht als edelste aller Professionen wahrgenommen wird.

Dem Bürger als Ottonormalo erscheinen die Machenschaften der Volksvertreter in der Hauptstadt als nicht  nachvollziehbar. Oft sehen die Entscheidungswege verworren aus und der Lobbyist als diffuser, sprich nicht wirklich zu fassender Zuflüsterer des Politikers erscheint omnipräsentGrafik der Seiten in Guttenbergs Doktorarbeit, die laut d Guttenplag-Wiki Plagiate enthalten. Deswegen wünschen sich viele einen Vertreter mit klarer Kante, der aus dem politischen Anzugsdschungel hervorsticht, noch wahre gesellschaftliche Werte vertritt sowie gleichzeitig längst verloren gegangene Glanz und Gloria zurückbringt. Die Christdemokraten glaubten ihren Heilsbringer in  Dr. Karl Theodor von und zu Guttenberg gefunden zu haben. Sein  Credo:„Verantwortung verpflichtet“. Das kam sowohl bei Nicht-Akademikern als auch bei Bildungsbürgern gut an. Doch nachdem sich der prestigeträchtige Doktortitel des Freiherren als grobschlächtiges Plagiat herausgestellt hatte und selbst die beste Salamitaktik à la Felix Krull nicht dabei half, im Amt zu bleiben, musste er den Rückzug antreten und wird jetzt aus verpflichtendem Verantwortungsbewusstsein ins Ausland gehen.

Viel zu diesen Entwicklungen beigetragen hat die kollektive Plagiatsdokumentation GuttenPlagWiki. Unzählige Internetbenutzer durchforsteten die Doktorarbeit Guttenbergs nach geklauten Stellen und halfen so dabei Licht ins Dunkel zu bringen. Diese akribische Arbeit wurde jetzt mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Spezial ausgezeichnet. Die vernetzte Zusammenarbeit hat sich als so schlagfertig herausgestellt, dass jetzt weitere prominente akademische Betrugsfälle aufgedeckt wurden. So hat zum Beispiel die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber, Veronica Saß („VroniPlag Wiki“), ihres Zeichens Rechtsanwältin, auch kräftig plagiiert. Ihr Dokotortitel wurde von der Universität Konstanz aberkannt. So weit, so profan.

Viel interessanter hingegen ist  der Fall der  Silvana Koch-Mehrin, FDP-Politikerin und Mitglied des Europäischen Parlaments. Sie lässt die Aberkennung ihres Doktortitels durch die Universität Heidelberg nicht auf sich sitzen, giftet in einer Pressemitteilung zurück, dass „es auch zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört […] eine vorgelegte Arbeit ordentlich zu prüfen.“ All dies legt zwei Schlussfolgerungen nahe:

Die erste ist eine wissenschaftliche: Die Betreuer von Doktoranden müssen heutzutage ihren Schützlingen noch genauer auf die Finger schauen und dürfen sich auch nicht mehr hinter dem scheinheiligen Argument der fehlenden Technik zur Nachprüfung von Plagiaten verstecken.

Die politische Schlussfolgerung ist hingegen, dass Menschen, die sich im Leben durch Betrug Titel und Ämter ergattert haben, für diese Tat auch bezahlen sollten. Insofern ist Koch-Mehrin einen Schritt in die richtige Richtung gegangen, ihre Ämter als Leiterin der FDP-Delegation im Europäischen Parlament, als Parlamentsvizepräsidentin und als FDP-Präsidiumsmitglied niederzulegen. Gleichzeitig geht sie aber wieder drei Schritte zurück, indem sie ihr Mandat als Abgeordnete des Europäischen Parlaments beibehält. Ein PR-Desaster entfacht sie zudem noch, sich als Vollmitglied in den Ausschuss des EU-Parlaments für Industrie, Forschung und Energie wählen zu lassen. Als ob die FDP grade nicht genug Probleme hätte. ..

All dies lässt die Politik in einem sehr schlechten Licht dastehen. Wieder einmal wird sich jeder Stammtisch bestätigt sehen, dass Berufspolitiker, wenn es hart auf hart kommt, alle Moral über Bord werfen. Ihre zu rettende Karriere, geprägt  von den drei Sälen (Kreiß-, Hör-, Plenarsaal), gibt die Marschrichtung vor. Denn etwas anderes als das Politiker-Dasein kommt nicht in Frage.

Verhindern lassen sich solche desaströsen Ereignisse unter anderem durch drei Dinge: Zum einen kann das Internet mit seinen akiven Benutzern als vernetztes Kollektivbewusstsein viel dazu beitragen, solche schwarzen Schafe aufzudecken. Zum anderen muss den Politikern und Parteimitgliedern klar sein, dass sie sich keinen Gefallen tun, harte Konsequenzen zu vermeiden. Dadurch wird der Schaden nur noch größer.  Zu guter Letzt können auch die Lieferanten im Politikbetrieb (sprich Lobbyisten) selbst  aus diesen Fällen lernen. Transparenz ist en vogue. Nur wer sich in den heutigen Zeiten offen präsentiert, kann Vertrauen gewinnen.


1
Apr 11

Nick Vujicic zur PID Debatte in Deutschland

Am 7. April debattiert der Deutsche Bundestag in erster Lesung das Embryonenschutzgesetz. Nach einer Selbstanzeige eines Arztes und einem
Höchstrichterlichen Urteil muss dieses Gesetz für die Frage der Zulässigkeit von Präimplantationsdiagnostik (PID) novelliert werden. In offener Abstimmung ohne Fraktionszwang muss das Hohe Haus entscheiden, ob Embryonen nach der in-Vitro-Fertilisation auf schwere genetische Schäden untersucht und gegebenenfalls getötet werden dürfen.
Nick Vujicic ist 1982 ohne Arme und Beine geboren worden. Wenn er auch nicht durch künstliche Befruchtung, sondern natürlich gezeugt wurde, ist er doch ein berufener Zeuge für die Frage, ob der Mensch – zumal in Deutschland – über die Frage von Lebenswürdigkeit entscheiden darf.

eingebunden mit Embedded Video

Leider handelt es sich um eine Aufnahme mit Amateurkamera in schlechter Qualität. Dennoch sind die Aussagen von Nick Vujicic wichtig und sollen hier publiziert werden.
Ich wünsche mir, dass alle Bundestagsabgeordneten dieses Video vor der Debatte ansehen! Leitet es gerne an eure Abgeordneten weiter. Wer in eurem Wahlkreis gewählt wurde und wie ihr die Abgeordneten erreicht, erfahrt ihr unter www.bundestag.de


28
Feb 11

Der Kreisel dreht sich

Ich bin gefragt worden, wo denn mein Sinneswandel im Fall Guttenberg herkomme. Vom Verteidiger zum Ankläger.
Interessante Sichtweise ist das. Sie lässt ganz und gar ausser Acht, worum es geht: Es geht um Rechtsstaatlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Klar ist: Guttenberg wurde instrumentalisiert und vorverurteilt. Das Verfahren zur Klärung der Frage Eigenständigkeit und Korrektheit der Dissertation war noch nicht richtig angelaufen, da begannen Medien und politische Gegner bereits, das Thema zu behandeln als sei Gefahr im Verzug. Das war natürlich eine instrumentalisierte Empörung. Insoweit hat Bundeskanzlerin Merkel recht, wenn sie darauf hinweist, dass Guttenberg in der Bundesregierung ein Amt ausfüllt, für das es keines Doktorgrades bedarf. Und insoweit bin ich nach wie vor der Auffassung war es mehr als fragwürdig, öffentlichen Druck zu jenem Zeitpunkt aufzubauen. Abgesehen davon, dass auch Karl-Theodor zu Guttenberg wie jeder Beschuldigte einen Anspruch darauf hat, bis zu einer Verurteilung oder dem Befund einer Prüfungskommission als unschuldig zu gelten. Weder Medien noch politische Gegner konnten den Schuldspruch vorwegnehmen. Auch nicht die Kritiker aus der Wissenschaft, denn alles waren Indizien, über die eine Kommission zu befinden hat. Und zwar unbefangen! Das war in der Sache Guttenberg schon sehr früh nicht mehr möglich. Und genau das stört mich: Wenn Menschen aufgrund von Stimmungen und Anschuldigungen vorverurteilt werden, egal ob sie Karl-Theodor zu Guttenberg oder Lieschen Müller heissen! Guttenberg und die Uni Bayreuth waren Getriebene, ohne dass es Grund zu dieser öffentlichen Eile gab. Was jetzt rauskam, hätte auch zwei Wochen später rauskommen können oder zwei Monate.
Doch mindert das in keiner Weise die letztlich von Guttenberg eingestandenen Verfehlungen, die er durch unkluges Taktieren und fragwürdiges Bestreiten der Vorwürfe nur noch schlimmer gemacht hat. Continue reading →


24
Feb 11

Zu seinem Schutz

Die Uni Bayreuth will und wird im Fall zu Guttenberg auch den Täuschungsvorwurf prüfen. Das wird jedoch eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Erst danach ist klar, ob zu Karl-Theodor zu Guttenberg weiter Minister bleiben wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Deutschland ein vorsätzlicher Täuschungsversuch mit einem Ministeramt kompatibel ist. Ob ein Minister tragbar ist, der unter dem Druck von Mehrfachbelastungen fahrlässig Fehler begeht, muss die Kanzlerin entscheiden. In jedem Fall würde ich dafür plädieren, dass ein solcher Minister die Gefahr von Überforderung unter Mehrfachbelastung selbst mindert und Aufgaben abgibt. Zu seinem eigenen Schutz!


20
Feb 11

Disputatio Guttenbergensis

Ist Karl Theodor zu Guttenberg nur deshalb noch Minister, weil – wie die Welt schreibt – der deutschen Politik die guten Männer ausgehen und Bundeskanzlerin Merkel ihn stützen musste? Oder ist er nur deshalb noch Minister, weil drei Viertel aller Deutschen eine Entlassung für unangemessen halten? Beobachtet man die deutschen Medien, könnte man diesen Eindruck gewinnen. Und damit nicht genug: geht es nach den Medien, ist Guttenberg schon überführt. Und zwar, weil seine Dissertation fremde Textpassagen enthalte, ohne dass sie gekennzeichnet seien. Deswegen, so legen SPIEGEL, Süddeutsche und andere Medien nahe, führe zu Guttenberg den Doktortitel zu unrecht.
Aber ist das so? Ist die Doktorarbeit deswegen wertlos, selbst wenn einige oder auch zahlreiche Passagen nicht aus der Feder des Doktoranden stammen sollten? Worum geht es bei einer Dissertation? Was macht die Arbeit promotionswürdig? Continue reading →


Premium Wordpress Plugin