Das „Wir-Gefühl“

Die Wiedervereinigung war ein Ereignis, das so gut wie von allen Seiten befürwortet, ja sogar gefeiert wurde. Wir gehören wieder zusammen, spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land sind wir wieder vollständig vereint, der Zusammenhalt war wieder da. Sollte man meinen.

Denn eine aktuelle Studie zeigt uns Tatsachen auf, die eine andere Sprache sprechen. Demnach fühlen sich aktuell gerade einmal 25 Prozent aller ostdeutschen Bürger der Bundesrepublik verbunden und damit auch als „richtige Bundesbürger“. Eine erschreckende Erkenntnis, die nach jahrzehntelangen ‚Integrationsbemühungen‘ überrascht.

Da ist auch die Äußerung des vom Verfasser durchaus geschätzten brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck nicht unbedingt förderlich für die Beziehungen zwischen Ost und West, wenn von einer „Anschlusshaltung“ die Rede ist. Vielleicht ist es aber gerade der Wunsch der ostdeutschen Bürger gewesen, einige vorbildlichen Elemente der ehemaligen DDR, wie z.B. die umfassende Kindertagesbetreuung oder die Ganztagsschulen, zu übernehmen. Vielleicht liegt hier wirklich die Frustration der Menschen in den neuen Bundesländern, sie fühlen sich fremd, können sich nicht mit ihrer eigenen Bundesrepublik identifizieren. Auch Innenminister Thomas de Maizière gab im Rahmen der gestrigen Feierlichkeiten zu, dass sie schon ein wenig mehr als nur das „Ampelmännchen oder den grünen Pfeil“ hätten übernehmen können.

Doch unbeirrt dessen feierten die Spitzenpolitiker gestern den 20. Jahrestag des Einigungsvertrags mit großer Freude und Begeisterung. Merkel, Schäuble, fast alle waren dabei. Da spielt es dann wohl auch keine Rolle mehr, wenn sich laut der Studie lediglich ein Viertel der ostdeutschen Menschen richtig mitfreuen können oder sich sogar elf Prozent der Westdeutschen bzw. neun Prozent der Ostdeutschen nach einem geteilten Deutschland zurücksehnen.

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