Das Imperium schlägt zurück…

Der Auftakt des Jahres 2009 bringt durch den 2000sten Jahrestag einer berühmten römisch-germanischen Schlacht und den umfassend diskutierten Maßnahmen gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise eine interessante Assoziation hervor: Das Imperium schlägt zurück. Zwar ist bekannt, dass die Römer hernach nicht mehr dieselben waren – so wird es aber voraussichtlich auch mit unserem Finanz- und Wirtschaftssystem sein, wenn das Tal der Krise durchschritten ist. In Krisenzeiten rufen viele gerne nach dem vermeintlich starken Staat. Die im staatlichen Auftrag handelnden Personen ergreifen gerne diese Chance, sich selbst ins helfende Licht zu rücken – und das umfassend. Konjunkturprogramme, Einlagensicherung und Staatsbeteiligungen sind Stichworte in diesem Zusammenhang. Was aber in diesem Jahr dem Ganzen eine zusätzliche Brisanz verleihen könnte, ist die Tatsache, dass 2009 umfangreich gewählt wird. Da ist von allem etwas dabei: Bund, Länder, Kommunen, Europa, Staatsoberhaupt.

Wer dieser Tage das Primat der Politik in Frage stellt, dürfte wohl nicht ganz auf dem Laufenden sein. Doch wo lauern die Gefahren, wenn Politiker vermehrt zu Aufsichtsräten befördert werden – das war bei den Landesbanken in der Vergangenheit auch schon so – und Maßnahmen zur Umsetzung gelangen, die langfristig am Ende nur die Staatsquote und die Verschuldung hochtreiben? Die größte Gefahr dürfte darin liegen, dass im sakrosankten Namen des staatlich verordneten Wohlstandserhalts für alle die Freiheit des Einzelnen, egal ob Bürger oder Unternehmer, einen ordentlichen Hieb abbekommt. Vor 20 Jahren waren es noch die nach Freiheit lechzenden DDR-Bewohner, die dafür sorgten, dass ein System zu Fall kam. Interessanterweise sind es heute deren politische Nachfahren, die im Zuge der staatlichen Hilfsmaßnahmen als Mahner auftreten – wenn auch anders motiviert als die liberal und ordnungspolitisch Denkenden. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Deutschen Bundestag erhält gerade eine Menge öffentliche Aufmerksamkeit, weil er das Geldverbrennen der Bundesregierung z.B. in Sachen Commerzbank anprangert. Eine anderes Beispiel staatlicher Intervention ist vielen noch im Gedächtnis: die Holzmann-Pleite. Mit viel politischer Verve und unter Einsatz des höchsten Regierungsamtes wurden Rettungsschirme – auch eine Wortschöpfung in der Krise – aufgespannt. Ergebnis: keine zwei Jahre später war Holzmann trotz staatlichem Rettungsschirm pleite.

Was jetzt schon erkennbar ist beim Projekt „mehr Staat wagen“ wird deutlich: Unternehmen und Verbände müssen noch stärker das politische Handeln in ihre Aktivitäten und ihr strategischen Ziele einbauen als bisher. Die staatlich-politischen Aktionsfelder werden an Komplexität zunehmen und das erfordert zeitiges Beobachten und ggf. Gegensteuern. Politik wird – so ironisches es klingen mag – ein ebenso wichtiger Markt für Unternehmen wie die Märkte für Produkte und Dienstleistungen. Wer fortan weiterhin auf die ausschließlich ökonomischen Marketing-Instrumente setzt, wird es schwerer haben auch in Zukunft seine Interessen wirksam durchzusetzen. Anders als bei der Produktentwicklung und -vermarktung, die sich relativ präzise terminieren lassen, kann es in der politischen Kommunikation Jahre dauern, bis sich Netzwerkarbeit auszahlt. Im Vergleich zu den politischen Meinungsbildungsprozessen kann ein Pokerspiel geradezu als berechenbare Angelegenheit bezeichnet werden.

Tags: , , ,

Ein Kommentar hinterlassen


Premium Wordpress Plugin