Das ist der Gipfel

WEGGEHEN

Die Regierungschefs des Bundes und der Länder kommen in diesen Minuten im Kanzleramt zusammen, um über die Energiewende und die dafür notwendigen Voraussetzungen zu diskutieren. Politik ist ein besonderes Geschäft. Und die Energiewirtschaft ganz besonders. Es sind vor allem handfeste kommerzielle Interessen, die dort berührt sind. Und die mit (fast) allen Mitteln durchgesetzt und bewahrt werden sollen. “Machbarkeit” ist lange das Thema gewesen. Heute sind es die “Versorgungssicherheit” und “Akzeptanz”, die bemüht werden, um den Wandel der Energieversorgung in Deutschland zu beeinflussen. Im Klartext: die großen und finanzstarken Versorger sowie die Verbände, denen diese Konzerne angehören, versuchen ihre wirtschaftlichen Interessen zu sichern. Dabei treten sie sachlich auf, doch tatsächlich schüren sie enorme emotionale Ängste.
Ein besonders groteskes Beispiel war der Auftritt von ifo-Chef Hans-Werner Sinn in der ZDF-Sendung Maybritt Illner am Vorabend. Ein Ökonom hat die Chuzpe besessen, dem zuständigen Bundesminister ins Wort zu fallen und ihm Belehrungen zu erteilen, die sich auf nichts anderes gründeten als auf eine sehr willkürliche Berechnung von Kosten und Kapazitäten. Willkürlich deshalb, als insbesondere die Kostenvergleiche der Energieversorgung mit Strom aus Atomkraftwerken und aus anderen Energiequellen ohne jede Aussagekraft sind: Die tatsächlichen Kosten der Atomkraft kann auch ein Ökonom nur ansatzweise erfassen. Wer die Folgekosten durch Entsorgung und Unfälle miteinbezieht, wird schon heute anerkennen müssen, dass Atomkraft wirtschaftlicher Unsinn ist. Und damit sind nicht nur die Kosten für Super-Gaus wie in Fukushima gemeint, die sogar einen weltweiten Leitindex wie den Nikkei in die Knie drücken, sondern auch andere Kosten wie die milliardenschwere Sanierung des Zwischen-/Endlagers Asse.
Verantwortliche Politik muss jedoch – gerade im Interesse der Generationengerechtigkeit – langfristig denken. Und auch andere Faktoren als “nur” die Wirtschaft miteinbeziehen. Deswegen ist es nur konsequent, aber auch bezeichnend, wenn jüngere Politiker wie Ministerpräsident McAllister (Niedersachsen ist betroffen von Erzeugung und Lagerung), ohne Rücksicht auf bisherige Parteipositionen die Atomenergie in Deutschland zur aufgeben.
Sie haben eine verwundbare Stelle: Die Akzeptanz des Wählers. Und hier setzen ohne jede Skrupel die Lobbyisten der EVUs an. War es bisher das nicht mehr aufrecht zu erhaltende Argument, dass Atomkraft als “Brückentechnologie” gebraucht werde, ist es nun immer mehr die Angst vor “Nebenwirkungen” der erneuerbaren Energien. Die Windkraftanlagen selbst und ihre Beeinträchtigung der Landschaft sowie die Leitungen für die Versorgung des Südens durch Strom aus großen Offshore-Anlagen sollen plötzlich große Argumente für einen langsameren Ausstieg aus der Kernkraft sein. Wie bitte?
Dabei ist allein diese Betrachtung der “Energieefizienz” fragwürdig. Es geht nicht darum, die Abhängigkeit von einem Energieträger (egal ob Atom oder fossile Brennstoffe) durch einen anderen zu ersetzen. Genau das würde aber geschehen, wenn sich die Debatte weiter auf die Bereitstellung von Energie durch (große) zentrale Anbieter beschränkt. Genau das ist auch das Hauptziel der Energiekonzerne. Sie wollen verhindern, dass andere Lösungen überhaupt in Erwägung gezogen werden. Wie etwa die Lösung durch dezentrale Energieversorgung – und Einspeisung aus lokalen Quellen. Ob dies Solaranlagen auf Wohnhäusern, Brennstoffzellen oder Biogasanlagen (nichtindustrielle mit nachhaltiger Verwertung) oder andere Formen sind ist dabei zweitrangig. Möglich und sinnvoll ist zweitrangig. Möglich und machbar ist es allemal. Das wissen RWE und Co. Und kämpfen dagegen. Das ist der Gipfel!

Fette-Henne.info hat sich erlaubt, das Motiv des Solarpanel-Herstellers Solarworld leicht zu modifizieren.

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