Der Fluch der Macht

Die „Dienstwagenaffäre“ von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt macht eines deutlich: Ämter verstellen den Inhabern mit der Zeit den Blick für ein allgemein gültiges moralische Gespür. Eine Staatsaffäre ist dieser Vorfall sicher nicht. Auch werden die damit verursachten Kosten (Sprit, Fahrer, Abnutzung des Fahrzeugs etc.) die Bundesrepublik nicht signifikant weiter ins Minus treiben. Dass die politische Klasse nachhaltigen Schaden nimmt, wäre auch zu hoch gegriffen. Wenngleich es ein weiteres Mosaiksteinchen in Richtung allgemeiner Politik(er)verdrossenheit ist, frei nach dem Motto „die da oben machen, was sie wollen“. Umso wichtiger ist es, dass die Umstände, die zu dem Diebstahl geführt haben, politisch lückenlos geklärt werden. Kernfrage: Warum nimmt die Ministerin einen Dienstwagen mit in den Urlaub, wenn Sie selbst damit gar nicht anreist – sondern den bequemen Flieger nimmt?
Es ist eine Sache, sich nach Recht und Gesetz zu verhalten. Eine andere ist aber die Frage nach dem Ausschöpfen der rechtlichen Möglichkeiten bis zum letzten Quentchen. Das ist offenbar hier geschehen. Ottonormalmensch fragt sich zu Recht, wie das zusammen geht: Wegen ein, zwei Terminen den Aufwand betreiben und eine große Mercedes-Limousine quer durch Europa zu chauffieren. Der von der Ministerin errechnete Verbrauch von 7,7 Litern auf 100km ist zwar eine Lappalie, macht aber die Erklärungsnot umso deutlicher.
Ein Punkt stimmt im Zusammenhang mit dem Ereignis jedoch wirklich nachdenklich: Die BILD-Zeitung – bzw. ein investigativer Journalist – fragte in Denia die Bürgermeisterin nach einem Termin mit der Ministerin. Die Antwort kam promt: Einen solchen gab es nicht. Wenn dem so ist, könnte man die unschmackhafte Vermutung anstellen, dass schnell ein paar Termine „organisiert“ wurden, um den Diebstahl des Autos zu verschleiern, bzw. zu legitimieren. Hier werden die nächsten Tage und Wochen für Klärung sorgen müssen.
Eines wird bedauerlicherweise überdeutlich: Wenn Menschen lange Zeit eine hohe und verantwortliche Position öffentliche Position bekleidet (Ulla Schmidt ist mit acht Jahren im Amt dienstältestes Kabinettsmitglied von Kanzlerin Merkel), dem gehen vielleicht schon einmal eher die privilegierten Pferde durch. Ein jüngstes Beispiel aus der Wirtschaft ist ja auch noch sehr warm. Hier vom Fluch der Macht zu sprechen, erscheint nicht weit hergeholt. Frühere Weise haben das besser auf den Punkt gebracht: Wer hoch fliegt, kann tief fallen.

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1 Kommentar

  1. Vielen Dank “erforderlich” für den Hinweis – Schade nur, dass er aus der Anonymität heraus kam… War aber eher eine Wiederholung als eine Tautologie ;-)

    US

    “Sicherlich, eine Staatsaffäre ist dieser Vorfall sicherlich nicht.”

    Sicherlich war das sicherlich eine sicherlich nicht beabsichtigte Tautologie, gell?

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