Der Tag von Potsdam

Jörg Schönbohm hat sich unbestreitbare Verdienste um die CDU, besonders ihren märkischen Ableger erworben. Aus einem heillos zerstrittenen Haufen hat er eine angesehene Regierungspartei gemacht. Bereits die Umstände anlässlich seines Rückzugs vom Amt des Landesvorsitzenden im Januar haben allerdings Zweifel aufkommen lassen, ob er diese Leistung tatsächlich als “vollbracht” auf seinem politischen Haben-Konto verbuchen darf. Nun hat Schönbohm Bundeskanzlerin Angela Merkel für Ihre öffentliche Kritik am Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Oettinger gerügt. Damit dürfte er sehr wahrscheinlich seinen eigenen Abschied aus der brandenburgischen Landespolitik erheblich beschleunigt haben.

Schönbohm, dem viele auch außerhalb Brandenburgs vorhalten, zu wenig politisch zu denken, kann augenscheinlich nur schwer verbergen, dass er der Kanzlerin eine Mitverantwortung nachträgt für seine Abwahl aus dem CDU-Präsidium auf dem CDU-Parteitag in Dresden im Novemer 2006 und den damit verbundenen Abschied von der bundespolitischen Bühne. Wie sonst ließe sich seine Erwartung rechtfertigen, die Bundeskanzlerin hätte aus Parteiräson auf eine Klarstellung ihrer Haltung zu der umstrittenen Rede Oettingers verzichten sollen. Er, der immerhin stellvertretender Ministerpräsident seines Landes ist und damit ebenfalls hohe Anforderungen an seine Integrität erfüllen muss, hält es offensichtlich für möglich, dass die wichtigste Politikerin Deutschlands ohne eine solche eben nicht nur auf den innenpolitischen Empfängerkreis gerichtete Klarstellung ihrer persönlichen und amtlichen Haltung hätte auskommen können. Oettingers Einlassungen nach der Freiburger Rede, die nicht nur von Linken, sondern auch aus dem bürgerlichen Lager als “unmöglich” eingeschätzt wurden, so der einzig plausible Umkehrschluss, müssen nach Ansicht Schönbohms also ausreichend gewesen sein.
Man kann sich leicht vorstellen, wie die brandenburgischen Sozialdemokraten im Wettstreit mit der PDS diese Haltung Schönbohms anprangern werden. Und wie viele in der märkischen Union diese Gelegenheit nutzen werden, Schönbohm endgültig fallen zu lassen. Das wäre ein auch für Schönbohm unwürdiges Ende eines vorübergehenden Ausflugs in die Politik, die ihm jedoch nie wirklich zuhause gewesen ist.

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