Diät ist nichts für die CSU

Es ist im Grunde nichts Außergewönliches, wenn in Bayern ein Bezirksvorsitz der CSU wechselt, das kommt selbst dort vor. Derjenige, von dem hier die Rede ist, sorgt dennoch überregional für Aufsehen: Erstmals übernimmt eine Frau den gewichtigen CSU-Bezirksverband Oberbayern – mit 98,2 % der Stimmen. Dieser Bezirk ist sozusagen das Kronjuwel der bayerischen CSU: 40.000 Mitglieder stark, eine Hausmacht also. Böse Zungen könnten nun behaupten, die Bundesministerin Aigner sei eine Quotenfrau. Immerhin hat die neue Strategie der CSU – 40 Prozent der Führungspersonen auf Landes- und Bezirksebene gehen an Frauen – mit der am vergangenen Wochenende in Traunreut beschlossenen Personalie weitere Schubkraft bekommen. Das spielt zum einen Ministerpräsident Seehofer in die Karten, der mit Aigner „sein Mädchen“ an herausragender (landes-)politischer Position hat. Zum anderen hilft es der CSU in Berlin, wenn eine Ministerin daheim politisch aufgewertet wird. Die entscheidende Frage aber wird sein, ob dieser oberbayerische Neustart auf das Kalkül Seehofers einzahlt und die CSU bei der Landtagswahl 2013 wieder in gewohnter Manier punkten kann. Aber auch in der CSU dürfte man mittlerweile verstanden haben, dass die komplexere politische Wirklichkeit in Zeiten infomationstechnologischer Durchdringung bis ins Mark mehr Antworten braucht als eine Frauenquote. Vielleicht ist aber Ministerin Aigner in der Tat die Richtige, solche Antworten auch tatsächlich zu finden. Ihre Stärken und ihr politisches Talent darf sie wahrscheinlich weniger bierzelt-polternd (was sie aufgrund ihrer Herkunft aus dem Landkreis Rosenheim sicherlich auch kann) ausspielen, als vielmehr auf eine Art und Weise, wo sie auch die mitnimmt, die die Lederhose mit Hilfe des Laptops kaufen. Es bleibt auf jeden Fall eine Gratwanderung, die sehr viel Gespür erfordert: Ist die Modernisierung des Bundeslandes mit der größten Bandbreite von Tradition bis Moderne tatsächlich schon so weit fortgeschritten wie uns die „veröffentlichte Meinung“ vermittelt oder scheuen sich die meisten Menschen doch eher vor den ungewissen Dingen, die da auf uns alle zukommen? Politische Angebote zu machen, die sich optimale Weise in der Mitte treffen, erfordert sicherlich mehr Fingerspitzengefühl, als alle Aigner-Vorgänger zusammen genommen je aufbringen konnten. Das macht die Personalie so bemerkenswert. “Nebenbei” hat ein weiterer CSU-Bundesminister die Bezirksweihen erhalten: Innenminister Friedrich wurde mit einem ähnlich guten Ergebnis (97,3 %) zum Bezirksvorsitzenden in Oberfranken gewähl und ist somit Nachfolger von KTG.

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