Die alte CDU im Abwehrkampf gegen ihre Vorsitzende

Es ist bemerkenswert: Angela Merkel wird aus der eigenen Koalition bekämpft! Und Nutznießer ist die SPD – aber es ist nicht ihr Werk! Und es wäre auch nichts Besonderes, wenn eine traditionsbewusste Volkspartei sich im Vorfeld einer entscheidenden Wahl von ihrem bisherigen Koalitionspartner löst und dabei den Ton verschärft. Wirklich aufhorchen lässt zur Zeit eher der unerhört ruchlose Umgang, den die Kanzlerin zur Zeit aus dem größten Teil der Koalition zu spüren bekommt: aus der Union – und besonders aus der alten CDU. Die hatte es schon 2005 nicht hinnehmen wollen, dass Angela Merkel einen Durchmarsch hinlegt, und mit offener und noch mehr verdeckter Kritik am eigenen Wahlkampf die Flanke erst geöffnet, in die Schröder und Müntefering dann unbarmherzig stoßen konnten. Ähnliches wiederholt sich in diesen Tagen!

Die SPD könnte den Ton verschärfen, wie sie wollte – solange sich Angela Merkel im Ansehen der Bevölkerung keine Blöße gibt, würde alles wenig nützen. Der Kanzler-Bonus wirkt erstmals seit vielen Jahren wieder zugunsten der Union. Noch, und sie tut alles, um Angela Merkel dieses Plus zu zerstören.

Und alles deutet darauf hin, dass es die “alte CDU” ist, die sich noch einmal sammelt, um ihren sicheren Gang in die Geschichte doch noch aufzuhalten.

Dabei zieht sie alle Register. Argumentiert scheinbar objektiv und selbstlos: Angela Merkel sei “nicht heimisch” in der CDU. Zu deutsch: Sie gehört nicht zu uns!

Uns” bezeichnet in diesem Fall die alte, männliche und – bis auf wenige Ausnahmen – katholische CDU.

Es ist bezeihnend, dass die Angriffe nicht offen vorgetragen sondern über Bande gespielt werden. Immer wieder. Und stets mit den selben Argumenten, die auch die FAS heute wieder anführt, ohne dass sie dadurch an Überzeugungskraft gewinnen.

Dabei überrascht, wie sehr die CDU als monolithischer Block dargestellt wird, dessen Kern Merkel in verhängnisvoller Weise vernachlässige. Helmut Kohl habe dagegen immer “in der Mitte der Partei” gestanden!?!

Welch groteske Verzerrung der Realitäten: wenn es eine Geneinsamkeit zwischen Merkel und Kohl gibt, ist es ihre Bereitschaft, die Partei auch inhaltlich für eigene politische Überzeugungen zu verändern. Natürlich war Kohl im Zentrum der CDU, doch erst, nachdem er die CDU mit der Hilfe vom Heiner Geißler zu einer modernen Programmpartei geformt und immer wieder neuen Strömungen geöffnet hat!

Anders als Angela Merkel hatte Kohl dabei bis auf Rainer Barzel wenig innerparteiliche Gegner von Format. Diese stellten sich ihm erst später im Person von Späth, Süssmuth und Albrecht in den Weg. Und auch damals hat Kohl der West-Partei CDU die Richtung in das vereinte Deutschland gewiesen. In das vereinigte

Deutschland, welches Angela Merkel den Weg in die Politik geöffnet, das Land verändert hat und in dem viele von Merkels Gegnern bis heute nicht wirklich angekommen sind! Es ist ein Land, dass mit Pakten nichts mehr anzufangen weiß – egal ob sie in Warschau oder über den Anden geformt wurden!

Tags: , , ,

1 Kommentar

  1. Merkel-Kritiker, die ihre ostdeutsche Abstammung und evangelische Konfession als Ausweis dafür anführen, dass sie die CDU nicht ausreichend repäsentieren würde, verharren in einer alten westdeutschen Denke.

    Wer von diesen Auguren verkörpert die Deutsche Einheit besser als sie? Wer ist überhaupt unter den Top-Persönlichkeiten, die es in Spitzengruppe der 10 wichtigsten Politiker im Politbarometer schaffen?
    Vielleicht können sie deshalb an keinem Mikrophon vorbeigehen …

Ein Kommentar hinterlassen


Premium Wordpress Plugin