Die Generation der Amtsmüden

Als wenn Bundekanzlerin Angela Merkel nicht schon genug Probleme hätte, erklärt jetzt auch noch ihr Vorzeige-Politiker für eine schwarz-grüne Regierung auf Landesebene seinen Rücktritt – Ole von Beust. Damit reiht er sich in die Riege der ‚amtsmüden‘ CDU-Politiker nahtlos ein. Nach der ‚Abschiebung‘ Günther Oettingers nach Brüssel, dem mit seinen 52 Jahren nochmal gerne in die Wirtschaft wechselnden Noch-Ministerpräsidenten Roland Koch, dem fast schon beleidigten Abgang des Bundespräsidenten a.D. Horst Köhler, dem nach dem Skiunfall politisch nicht mehr regenerierten Dieter Althaus, sowie dem gescheiterten Ministerpräsidenten a.D. Jürgen Rüttgers gehen Frau Merkel allmählich die ‚starken Männer‘ aus. Wobei sie die Ernennung des Bundespräsidenten Christian Wulff ein wenig gelassener gesehen haben müsste, galt er doch bis zur Wahl, obwohl er nach eigenen Angaben nie nach großer Macht strebe, als potentieller Kanzlerkandidat und damit als parteiinterner Konkurrent für Frau Merkel.

Es scheint eine Generation der müden Amtsträger zu sein, die sich von dem historisch heißen Sommer anstecken lassen und durch eine Flut der Kapitulationen selbst für einen historischen Sommer in der Politiklandschaft gesorgt haben.

Schon im Januar 2010 hatte Linken-Chef Oskar Lafontaine seinen Rücktritt vom Parteivorsitz erklärt, 2009 hatte er schon sein Amt als Fraktionschef niedergelegt. Grund war hierbei seine Krebserkrankung, die ihm sehr zu schaffen machte. Aber auch schon vor der Erkrankung wirkte er ausgelaugt, eben amtsmüde.

Doch nicht nur in der Politik kann man eine solche Entwicklung erkennen. Auch der Präsident des Deutschen Fußballbunds Theo Zwanziger gab kürzlich bekannt, nicht erneut für das Amt kandidieren zu wollen. Grund für diese Entscheidung sei die „tiefe Sehnsucht nach Privatem“ – Eine Überraschung.

Die Sehnsucht sah man Herrn Zwanziger vor der WM nicht wirklich an. Vielleicht meint er ja auch die unbefriedigte Sehnsucht nach Erfolg, der ihm in den letzten Jahren und jetzt auch mit dem Ausscheiden bei der WM 2010 immer nur haarscharf vor der Nase weggeschnappt wurde und seiner Meinung nach auch in naher Zukunft nicht erreicht werden kann!? Oder ist es die Kritik der vergangenen Monate bezüglich der Vertragsverlängerungen, die ihn allmählich aufweckte und die wirklich schönen Dinge des Lebens aufzeigte? Die Frage, warum Joachim Löw gerade zwei Tage nach Zwanzigers Aussage nun doch fest entschlossen weiter machen will, überlässt der Verfasser mal den Verschwörungstheoretikern dieser Welt.

Vielleicht meint er auch das „Private“, wie es Ole von Beust immer pflegte – Ein charmanter Mann, der bei den Hamburgern eigentlich immer sehr beliebt war. Er hatte Spaß an seinem Amt, ließ sich allerdings nicht nehmen, regelmäßig auf seiner Lieblingsinsel Sylt den Urlaub zu verbringen. Eigentlich der ideale Ausgleich, den Herr Zwanziger vielleicht immer herbeigesehnt hatte um sein hohes Amt weiter ausführen zu können. Doch auch Herr von Beust verkündete nun seinen Rücktritt. Aller Wahrscheinlichkeit nach galt hier als Ursache die monatelange Kritik an seiner Schulreform, die vergangenen Sonntag auch offiziell von den Hamburger Bürgern per Volksentscheid abgelehnt wurde. Auch wenn er geradezu poetisch verlauten ließ, dass die Zeit nun gekommen war – ob er will oder nicht.

Vielleicht hat sich auch Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, von der allgemein vorherrschenden Amtsmüdigkeit anstecken lassen und erklärte ‚in weiser Voraussicht‘, gerade einmal zwei Tage nach der Verkündung der Kandidatur für den Vorsitz der DFL, nun doch nicht antreten zu wollen. Als offiziellen Grund gab er aber vor allem familiäre Gründe an und nicht etwa die Angst der FC Bayern-Funktionäre, er könne im neuen Amt Club-Interna ausplaudern.

Und überhaupt läuft es nicht rund für Angela Merkel, um es mal vorsichtig auszudrücken. Es könnten schon die nächsten Rücktritte auf sie herabhageln. Denn auch das große Projekt der Gesundheitsreform ist jetzt schon auf dem besten Wege sich zu einem Riesen-Desaster zu entwickeln. Zumal Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sich selbst den größten Druck machte, indem er sein politisches Schicksal von der Präsentation einer guten und damit auch gerechten und unbürokratischen Gesundheitsreform abhängig machte. Doch er wehrt sich noch dagegen, will er seiner noch so jungen politischen Karriere nicht jetzt schon einen ‚Schandfleck‘ verpassen. Dies wäre zwar kein Rücktritt mit einer Amtsmüdigkeit als Begründung, dennoch nicht wirklich förderlich für die Arbeit der Kanzlerin. Oder vielleicht doch ein Herr Westerwelle, von dem man anhand seiner Aussagen und Medienpräsenz der letzten Monate vermuten könnte, er sei Innenminister oder Arbeitsminister und nicht Bundesminister des Auswärtigen. Und eine zentrale Forderung der FDP vor der Bundestagswahl 2009, die Steuern zu senken, erscheint in naher Zukunft auch erst einmal als nicht umsetzbar – ganz im Gegenteil.

Die Frage des Zusammenspiels zwischen Amtsmüdigkeit und Zwang bleibt wohl immer eine der  zentralen Fragen, wenn es sich um die Niederlegung eines hohen Amtes handelt.

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1 Kommentar

  1. Horst Schlämmer

    Bloß gut, dass Jogi nicht auch in den Sack gehauen hat! Jetzt ist eigentlich wieder alles i.O. In Anlehnung an Beuys läßt sich sagen: Ein Land, das solche Fußballer, Boxer, Tennisstars und Rennfahren hat, kann auf Politiker ruhig verzichten…

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