Die grüne Union

Es gibt zu wenig Grün in der CDU

Was Gerhard Schröder im Mai 2005 die Landtagswahl-Niederlage seiner SPD, war am 27. März dieses Jahres die Zeitenwende in Baden-Württemberg für Angela Merkel. Zwar ist sie nicht soweit gegangen wie damals Schröder, der den Bundestag auflösen ließ. Doch seither rumort es mächtig in der CDU. Prinzipienlosigkeit und Führungsschwäche wird Angela Merkel nun vorgeworfen. Es sei ein schwerer strategischer Fehler, die Union zu einer Kopie der Grünen zu machen, heisst es mit Bezug auf das direkt nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima ausgerufene Moratorium der Laufzeitverlängerung. Die Wähler würden dann eher das Original wählen. Und die Wahlerfolge von Stuttgart und Mainz scheinen dies nahe zu legen. Doch viel spricht dafür, dass dieser Schein trügt.
Die Stärke der Grünen ist nicht das Resultat einer Patentanmeldung auf Ökothemen. Richtig ist, dass die Grünen die Themen der Nachhaltigkeit konsequent seit ihrer Gründung im Programm haben. Und das zahlt sich aus.
Aber es zahlt sich vor allem deswegen aus, weil keine andere Partei auch nur annähernd konsequent auf die Sorgen und Nöte der Menschen hinsichtlich des Schutzes natürlicher Lebensgrundlagen eingeht.
Die sind jedoch für immer mehr Menschen wichtiger als alles andere. Warum das so ist? Weil die Folgen des menschlichen Raubbaus an der Natur immer deutlicher hervortreten. Immer mehr Menschen bekommen beispielsweise am eigenen Leib durch eine Zunahme von Allergien und von Erkenntnissen über ihre von Menschen gemachten Ursachen zu spüren. Oder sie erkennen an Beispielen wie dem Reaktorunglück von Japan, dass die Versicherungen, westliche Technik sei so modern, dass sie Risiken kontrollierbar mache, nichts als Schönfärbereien sind. Deswegen wollen die Menschen politische Konsequenzen sehen.
Nachhaltigkeit – und dafür steht die politische Farbe Grün vor allem – ist den Menschen in Deutschland immer wichtiger geworden. Sie nehmen dafür sogar in Kauf, dass die Politik von Männern und Frauen gemacht wird, die früher vielfach und heute noch manchmal linke Biografien mitgebracht haben. Jutta Dittfurth war den Deutschen in den Achtzigern noch zu radikal. Renate Künast hat heute alle Chancen, nach Winfried Kretschmann die zweite grüne Regierungschefin zu werden. Weil sie konsequent nachhaltige Themen vertritt.
Das Problem der CDU ist nicht, dass sie Positionen vertritt, die bei den Grünen besser aufgehoben sind.

Es gibt zu wenig Grün in der CDU

Das Gegenteil ist der Fall: es gibt zu wenig Grün in der Union! In den 1970er Jahren war der Widerstand gegen Kernkraft und der Umweltschutz ganz erheblich auch konservativ geprägt. Herbert Gruhl war ein Mitbegründer der Grünen und er war CDU Bundestagsabgeordneter gewesen. Er konnte sich mit seinen Vorstellungen nicht durchsetzen. Er verließ die CDU, genau so wie der Fernsehmoderator und Journalist Franz Alt.
“Ökonomische Vernunft” war damals wie auch heute das Hauptargument der Gegner nachhaltiger Politik in der CDU. Dabei zeigt gerade das Unglück von Fukushima mit seinen verheerenden Folgen für die japanische Wirtschaft, aber auch der Skandal um die atomaren Restmülls im niedersächsischen Bergwerk “Asse”, wie unverantwortlich teuer die Folgekosten und wie unwirtschaftlich die Atomenergie tatsächlich ist.
Angela Merkel und mehr noch Umweltminister Norbert Röttgen haben das im Vorfeld der umstrittenen Laufzeitverlängerung für die deutschen AKWs geahnt und den Tanker CDU zu wenden versucht. Sie konnten sich gegen den “Wirtschaftsflügel” der Union nicht durchsetzen. Hätten Sie mehr Mut gehabt, wäre die CDU heute schon grüner und glaubwürdiger. Und Baden-Württemberg möglicherweise noch Schwarz.

 

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