Ein Beitrag zur politischen Kultur?

“Magazin für politische Kultur” lautet der Untertitel der Zeitschrift Cicero. Die inzwischen gut etablierte Zeitschrift aus dem Ringier-Verlag, die von Ex-Welt-Redaktionsleiter Wolfram Weimer als Chefredakteur verantwortet wird, hat allerdings in ihrer neuesten Ausgabe eine Umfrage veröffentlicht, die politische denkende Geister amüsiert oder verstört. Hintergründiges und Tiefsinniges suchen die Leser jedenfalls in dem Stück über Deutschlands besten Ministerpräsidenten von Christiane Götz, als auch in der veröffentlichten dimap-Untersuchung vergeblich.
Dabei ist nicht das Ergebnis der Rangliste, die Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust anführt, per se zweifelhaft. Es ist die Methode, die bezweifeln lässt, ob sich Cicero mit der Veröffentlichung einen Dienst erwiesen hat. Blätter, die auf Auflage achten (müssen) mag man durchgehen lassen, dass sie die Schlagzeile über den Inhalt stellen. Doch der Cicero ist doch gerade zu dem Zweck angetreten, gegen den Strich zu bürsten und das Publikum mit Qualität zu versorgen, statt dem Run auf die Quote zu folgen. Seinen Leserinnen und Lesern nun diese schmale Kost zuzumuten, lässt befürchten, dass auch Herrn Ringier die Geduld mit seinem deutschen Prestigeprojekt auszugehen droht und er sich einen deutlichen Auflagenzuwachs erwartet.
Aus Sicht eines Verlegers mag dies noch legitim sein. Wie aber ein gestandener Chefredakteur, wie Herr Weimer, dem die Linie seines Mediums und dessen Glaubwürdigkeit wichtig sein müsste, eine derart dürftige Geschichte ins Blatt kommen lassen konnte, bleibt schleierhaft.
Welchen Sinn hat es, eine repräsentative Stichprobe für 80 Millionen Deutsche zu befragen, ob Sie mit der Leistung von 16 Ministerpräsidenten zufrieden sind, wenn Umfragen vor Landtagswahlen regelmässig zeigen, dass selbst die Bewertung der Arbeit des Regierungschefs im Land ihres Wohnsitzes von den Deutschen nur schwer geleistet werden kann? Wie soll das gelingen für alle fünfzehn anderen, wenn in den Medien, die ein Durchschnittsdeutscher nutzt, nur sporadisch über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus berichtet wird? Selbst die Auflagen von FAZ, Süddeutscher, Spiegel und Focus zusammen, die in Bezug auf kontinuierliche Berichterstattung aus den Ländern immerhin noch “überregional relevanten Qualitätsjournalismus” darstellen, erreichen nur einen Bruchteil der deutschen Wahlbevölkerung. BILD dagegen hat deutlich mehr Reichweite, aber die Seite “Aus den Bundesländern” selbst beim letzten Relaunch nicht ins Blatt genommen, sondern im Stehsatz belassen. Was also bringt eine solche Frage? Für Cicero lässt sich das klar beantworten: einen Verlust politischer Kultur! War es das wert, Herr Weimer?

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