Ein ganz einfacher Dreisatz

Dass ich gerne schreibe und die Ergebnisse von Beobachtungen oder Recherchen danach gerne teile, ist meinen Lesern bekannt. Die meisten wissen auch, dass ich an verschiedenen Stellen publiziere – zu den Themen, die mich persönlich bewegen. Dieser Beitrag ist der erste, der nicht nur auf allen drei Blogs stehen könnte, sondern tatsächlich auch hier, hier und hier zeitgleich erschienen ist. Anlass war dieser Beitrag in der ZEIT über die neue Volkskrankheit Burn-Out“.
Wahrscheinlich eher ungewollt thematisieren die Autoren Kolja Rudzio und Wolfgang Uchatus einen Kernpunkt der westlichen Zivilisation: sie beschreiben die Symptome und Folgen eines Lebensstils, der den Dreiklang aus
- persönlichem Erfolg und Erfüllung,
- ausgewogenem Stress-Management mit äquivalenten Entspannungsphasen
- sowie einer vollwertigen und vitalstoffreichen Ernährung
außer Acht gelassen hat!
Bezeichnend, dass ihr Beitrag im Wirtschaftsteil der Zeitung erscheint und diesen „Dreisatz“ gar nicht erwähnt. Es geht vordergründig nur um die (hässlichen Seiten der) „Arbeitsgesellschaft“. Doch selbst diese Schilderung der krank machenden Jobwelt klingt zuweilen reichlich weltfremd. Sicher, die drei im Beitrag erwähnten Protagonisten sind allesamt beruflich „erfolgreich“ mit guten Jobs im gehobenen Management in Banken und Wirtschaftsunternehmen. Doch ob sie tatsächlich – wie behauptet – „längst ausgesorgt“ haben, „weil es ihnen bei der Arbeit längst nicht mehr ums Geld geht„, darf doch sehr bezweifelt werden.
Es ist bei jemandem, der seine Frau im Skiurlaub alleine auf der Piste zurücklässt, um im Hotelzimmer einen neuen Kundenvertrag zu verhandeln, und der unter „Tinnitus, Hörsturz, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit, Burn-Out, Depression“ leidet, ganz sicher der falsche Job. Den er nicht aufgeben mag, weil er eben nicht tun kann, was immer er will, wann immer er will. So umschreiben John P. Strelecky und Tim Brownson den Zustand des ausgesorgt Habens in ihrem Buch How to be Rich and Happy. Und dieser Begriff von „Reichtum“, whatever, whenever ist per se subjektiv und oft frei von materiellen Wertvorstellungen. Das Problem der „Arbeitsgesellschaft“ ist vielmehr, dass sie ihren Mitgliedern einen pervertierten und grob verallgemeinerten Erfolgsbegriff anerzogen oder – beginnend bereits in Kindheit und Schulzeit – übergestülpt hat. Individuelle Erfüllung und persönliche Zufriedenheit sind durch materiellen Reichtum und Statussymbole („Mein Haus, mein Auto, meine Yacht“) ersetzt worden. Anne, die Ex-Werbefachfrau aus Streleckys Café am Rande der Welt berichtet genau davon: wie Verlangen erzeugt und materielle Bedürfnisse mit werblichen Mitteln überhaupt erst geschaffen werden.
Ursachenforschung
Völlig zutreffend beschreibt Ulrich Bahnsen in der selben Ausgabe der ZEIT in seinem Beitrag Urlaubsreif oder krank? wie chronischer Streß zu Burn-Out-Syndrom führt, zu „massiver körperlicher und psychischer Erschöpfung“. Wie sich Streß auf Zellebene auswirkt, haben ich bereits in einem früheren beitrag beschrieben. Ansonsten behandelt die ZEIT den Burn-Out in dieser Ausgabe im wesentlichen als eine „seelische Erkrankung“, die sich seit Anfang der 1990er Jahre auf heute eine Million Fälle pro Jahr verdoppelt haben.
Das Thema hat in dieser Ausgabe zwei ganze Seiten erhalten. Ein erheblicher Teil davon dreht sich um die aufwändige Therapie in Spezialkliniken und um die betriebswirtschaftlichen Aspekte von Erkrankungen der „Kostenstelle Mensch“ Doch nirgendwo findet sich der kleinste Hinweis auf den unverzichtbaren Beitrag einer gesunden und vitalstoffreichen Ernährung in der Prävention. Dass Vitalstoffe von Medizinern sogar in der Therapie „seelischer Erkrankungen“ eingesetzt werden, habe ich gar nicht erwartet in dem Artikel zu finden. Aber wie sinnvoll, notwendig und kostengünstig der präventive Einsatz einer vitalstoffreichen Ernährung zur Burn-Out-Prophylaxe ist, hätte eine gute Recherche eigentlich entdecken müssen. Besonders in Zeiten der demografischen Überlastung und konjunkturellen Schwäche der Sozialsysteme. Fehlanzeige. Kein Wort dazu.
Evidenzbasierte Medizin
Dass „Vitamine“ wichtig sind, sagt der Name und weiß jedes Kind. Nur dass die notwendigen Vitalstoffe (es sind längst nicht nur Vitamine, die den Körper gesund erhalten und vor Burn-Out und anderen Erkrankungen schützen können) aber heute in viel zu geringem Maß in der Nahrung enthalten sind (Erzeung und lange Transportwege), mit der Zubereitung verloren gehen (Convenience), und im Körper nicht mehr verfügbar sind (erhöhter Verbrauch durch Streß und Umwelteinflüsse), lernt kaum noch ein Mediziner im Studium.
„Esoterischer Unfug ohne wissenschaftliche Beweise“, lautet ein noch harmloser Kommentar. Die „evidenzbasierte Medizin“ ist der neue Götze, dem mit reißerischen Aufmachern über „Illusionen“ in traditionellen Heilmethoden selbst „seriöse“ Medien wie derSPIEGEL aufsitzen. Und die damit Meinung machen. Politik und Medien bilden ein selbstreferentielles System, das sich (und die „Öffentlichkeit“) gegenseitig beeinflusst, Themen setzt, Prioritäten formuliert und so Wirkung erzielt. Dass Medien (und Politik) dabei wirtschaftlichen Interessen folgen, die selten Objektiv sind, wird vom Publikum kaum beachtet. Doch wenn Politik und Medien im Verbund laut „Haltet den Dieb!“ rufen, wie es jetzt mit der Aktion von Spiegel und dem SPD-Politiker Lauterbach, die den Nutzen von Homöopathie in Frage gestellt haben, weil eine Wirkung wissenschaftlich nicht bewiesen werden könne, ist alles klar: Hersteller alternativer Medizinprodukte handeln vor allem aus zynischer Geldgier und verkaufen Dinge, die niemand braucht.
Herr Lauterbach hat bezeichnender Weise seinen Wahlkreis in der Stadt, in dem einer der weltweit bekanntesten Chemie- und Pharma- Konzerne seinen Sitz hat.
Wie unabhängig ist die Wissenschaft?
Diese Konzerne verfolgen ihre Interessen mit fast unerbittlicher Konsequenz. Sie beschäftigen riesige Stäbe mit vielen Mitarbeitern, die täglich nichts anderes tun, als politische Abläufe und Akteure zu beobachten. Und die sich nicht zu fein sind, ihre Batallione in Marsch zu setzen, wo ihre Interessen berührt sind. Und dass ihre Interessen berührt werden, wenn einfache, relativ kostengünstige Alternativen wie Vitalstoffe ihren wie einen „abgesteckten Claim“ bewerteten Markt von Kranken gefährden, ist offensichtlich.
Alles steht und fällt damit, dass eine Wirkung für alternative und natürliche Therapeutika oder Prävention nicht „beweisbar“ ist – und bleibt. Darüber entscheidet die „Wissenschaft“, eine quasi unangreifbare und unabhängige Instanz. Doch wie unabhängig diese Wissenschaft tatsächlich ist, wird deutlich, wenn der überragende Anteil von „Drittmitteln“ ins Blickfeld kommt. Ohne diese Milliardenbeträge aus der Industrie wäre Forschung in Deutschland heute undenkbar. Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft etwa ist eines der mächtigsten Organe, mit dem sich die deutsche Wirtschaft Einfluss über Karrieren von jungen und aufstrebenden Wissenschaftlern sichert. Kaum ein Lehrstuhl einer deutschen Uni (erst recht kein medizinischer) kommt heute ohne Mittel des Stifterverbandes aus, wenn es um neue Projekte geht. Dass die so in latenter Anhängigkeit gehaltenen Wissenschaftler dann Projekte oder Forschungsarbeiten von Kollegen positiv beurteilen, die die industriellen Interessen bedrohen, wird niemand erwarten. Bestenfalls weigern sie sich, eine Arbeit mit neuen Erkenntnissen z.B. in der Mikronährstoff-Forschung zu besprechen und zu rezensieren. Im schlimmsten Fall kommt es zu negativen Stellungnahmen. Positive Peer-Reviews aber, die Voraussetzung für „wissenschaftliche Evidenz“, kommen jedenfalls nicht zustande, weil niemand mit eigenen Ambitionen in der industrieorientierten Forschung an diesem Akt akademischer Selbstzensur mitwirkt. Die italienische Mafia nennt dieses Verhalten Omerta: Schweigen aus Rücksicht auf die eigene Existenz!
Da solche Mechanismen bereits seit Jahrzehnten installiert sind (seit den frühen 1940er Jahren ist der Industrie bewusst, dass sich auf solche natürlichen Produkten keine Patente anmelden lassen, womit sie sich davon verabschiedete nachdem sie zunächst sehr wohl die Erforschung und Wirkung von Vitalstoffen zur Kenntnis genommen hatte), gibt es heute eine herrschende schulmedizinischen Meinung, die von einer Generation von Wissenschaftlern geprägt wurde, die selbst schon in dem selben industriefreundlichen Geist ausgebildet wurden. Entsprechend leicht fällt es da der Industrie, neue Erkenntnisse zu diskreditieren: was Hänschen lernt, vergisst Hans nicht mehr – Vitalstoffe nutzen nichts!
Hilflose Politk
Die Politik ist an dieser Stelle fast hilflos. Muss sie sich doch in ihren Entscheidungen auf „Expertenrat“ stützen. Dieser fällt einhellig aus: die Probleme im Gesundheitswesen seien vor allem eine Folge des wissenschaftlichen Fortschritts. Spitzenmedizin werde einfach immer teurer. Da könne man nichts machen.
Warum stellt kein Politiker die einzig logische Frage: was ist das für ein „Fortschritt“, bei dem die Kosten immer weiter steigen, anstatt zu niedrigeren Kosten für Gesundheit zu führen? Wie lange wollen wir diesen Weg noch gehen und uns auf „Wachstumsbranchen“ verlassen, die davon zehren dass die Menschen immer häufiger – und früher – Demenz entwickeln? Oder Diabetes? Oder Burn-Out?
Ich habe das Thema kürzlich mit einem verantwortlichen Mitglied der Bundesregierung besprochen. „Wir können doch den Menschen nicht vorschreiben, dass sie Vitalstoffe essen“, lautete seine fast hilflose Entschuldigung. Das müssen sie auch nicht. Es reicht, wenn die Bundesregierung einstweilen ihren Einfluss auf regierungsamtliche Stellen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung nutzt. Dort werden viele Stellungnahmen verfasst, die anschliessend als „Beleg“ dafür gelten, dass in Deutschland alles in Ordnung und ein Vitalstoff wie Vitamin E oder A potenziell gefährlich ist. Es würde reichen, das BfR um eine offizielle Stellungnahme zu bitten, weshalb vergleichbare Referenzwerte in den USA soviel höher – und gefährlicher – sind, obwohl gleichzeitig bei einem sehr viel verbraucherfreundlichem Rechtssystem keine Mega-Schadensersatzklagen von „Vitaminopfern“ gegen „die Vitalstoff-Industrie“ bekannt sind?!
Wer ist verantwortlich?
„Es ist etwas faul im Staate Dänemark“ heisst es in Shakespeares Hamlet. Das ist dramatisch. Und subjektiv. Nicht die Umstände sind dafür verantwortlich, wie es uns geht. Wir sind verantwortlich dafür, in welchen Umständen wir uns befinden. Das bedeutet: wir können es ändern: einen Job, der uns kaputt macht, können wir aufgeben. Eine Lebensweise, die uns stresst, können wir ändern. Nahrung, die uns krank macht, müssen wir nicht essen. Wissenschaftliche Ergebnisse, die evident sind, weil sie „auf der Hand liegen“, können wir anerkennen. Und einer Politik, die wegschaut können wir die Augen öffnen. Einfach indem wir unsere Big Five for Life leben, können wir einen Unterschied machen und Vorbild sein. Egal ob Mediziner, Politiker oder Bürger!

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