Ein Skandal der Medien

Plötzlich machen sich Journalisten zu Anwälten für Christian Wulff. Die Justiz verlöre jedes Maß. Ihren eigenen Beitrag am Zustandekommen dieser Tragödie übersehen sie.

Plötzlich machen sich Journalisten zu Anwälten für Christian Wulff. Die Justiz verlöre jedes Maß. Ihren eigenen Beitrag am Zustandekommen dieser Tragödie übersehen sie.

Es ist traurig. Immer mehr Journalisten beklagen nun in großen Worten den Kleinmut und die Oberflächlichkeit der Justiz. Dieses Zitat des Journalisten Christoph Seils ist nur eines in einer Reihe von Beiträgen, die nun die Justiz kritisieren:

»Sie haben Wulff mit der Einleitung des Ermittlungsverfahrens im vergangenen Jahr vorverurteilt. Denn auch sie wussten um die Konsequenzen, die Wulff ziehen würde. Um so sorgfältiger hätten sie im Vorfeld ihr Tun abwägen müssen und es zeigt sich einmal mehr, dass nur in der Theorie alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.«

Ganz sicher hat auch die Justiz Fehler gemacht. Doch vorverurteilt worden ist Wulff nicht von der Justiz, sondern von der selbsternannten vierten Gewalt in diesem Land: den Medien. Sie, namentlich die BILD und der Spiegel haben ein Klima erzeugt, in dem die Justiz gar nicht anders konnte, als Ermittlungen aufzunehmen.
Die Schlagzeile hätte ich sehen wollen, wenn die Staatsanwaltschaft, ausgerechnet aus dem damals noch von Wulffs Freund David McAllister regierten Hannover, KEINE Ermittlungen gegen Christian Wulff eingeleitet hätte!

Nein, lieber Christoph Seils, lieber Hans Leyendecker, lieber Heribert Prantl und alle anderen Krokodilstränen-Spender: Dieser Skandal ist kein Justiz-Skandal. Es ist ein Skandal der Medien!

Niemand ist gleicher als gleich, schreibt der Reporter Leyendecker und rechtfertigt damit, dass Ermittlungen gegen Wulff aufgenommen werden mussten. Mag sein. In jedem Fall hat Christian Wulff seinen Teil der Verantwortung übernommen, als er damals nicht weiter im Amt um seine Ehre kämpfte, sondern zurücktrat. Wulff wusste um den Schaden, der entstehen würde, wenn die Justiz gegen ein amtierendes Staatsoberhaupt ermittelt.

Doch auch die Leydeckers, Prantls und Konsorten hätten wissen müssen, welcher Schaden entsteht, wenn Vorwürfe aufgebauscht werden, wieder aufgekocht oder schlicht erfunden, wie etwa die Meldung, wonach Groenewold seinerzeit auf Sylt den Hotelier zur Herausgabe kompromittierender Quittungen genötigt habe.

Es würde einer Qualitätszeitung wie der Süddeutschen gut zu Gesicht stehen, dem Umstand nachzugehen, wie die BILD-Zeitung überhaupt auf den Vorwurf der Vertuschung kam. Leider ist dies den Münchner “Ermittlern” bis heute nicht eingefallen.

Nichts von alledem mindert die Verantwortung, die Christian Wulff zu tragen hat für seine Fehler in der Affäre. Allen voran der Anruf auf der Mailbox des BILD-Cheredakteurs Diekmann, oder die Unklare Kommunikation der wahren Umstände seines Hauskredits von der Familie Gerkes.

Ob deswegen aber ein Mensch, selbst wenn er ein hohes politisches Amt innehat, dermaßen gejagt werden muss, darf bezweifelt werden. Tatsächlich habe ich nicht zu den Befürwortern der Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsident gehört. Doch er wurde ein guter Bundespräsident. Anerkennung und Respekt hat Christian Wulff dafür verdient, keine Krokodilstränen!

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