Es geschah am hellichten Tag

Der Titel dieses Posts verwirrt? Anders als im Krimi mit Heinz Rühmann und Gerd Fröbe geht es nicht um Mord. Höchstens um Selbstmord. Die Union ist auf dem besten Weg, Selbstmord zu begehen. Wenn man das Risiko, den Wahlsieg bei der Bundestagswahl am 27. September noch zu verspielen, so bezeichnen will. Ich will! Und auch dieser Selbstmord geschieht am hellichten Tag. Will sagen: was jetzt passiert, kennen wir von 2005.
Wieder sind es CDU Ministerpräsidenten, die Angela Merkels Wahlkampfstrategie kritisieren. Nur mit umgekehrten Vorzeichen! Damals war die Vorsitzende zu marktliberal, bzw. ihr Kandidat für das Finanzressort, Professor Paul Kirchhof. Seine Steuerpläne verschreckten nicht nur die SPD, worauf das Wahlvolk vorbereitet war, sondern auch die Herren Wulff, Koch und Rüttgers, die sich beeilten, den eigenen Kandidaten (offiziell natürlich nur diesen Teil seines Programms) in Frage zu stellen – und damit die SPD-Polemik gegen “den Professor aus Heidelberg” erst zu ermöglichen. Der Rest ist bekannt.

Weniger bekannt sind die Motive von damals: dass es weniger um das soziale Gewissen der Union ging, sondern eher um die Sorge, ein überzeugender Wahlsieg Angela Merkels mache diese für jene Kritiker – die besagten Ministerpräsidenten – auf lange Zeit uneinholbar. Unantastbar gar, was natürlich die persönlichen Karrierepläne der Herrenriege hätte beeinträchtigen können.
Und heute? Wieder ist die Sorge groß, Frau Merkel könne, indem sie zwar nicht ihre Überzeugungen von Leipzig geopfert, wohl aber ihre Lektion von 2005 gelernt hat und im Wahlkampf nun keine Angriffsfläche mehr bietet, ihrem Ziel, eine Gestaltungsmehrheit mit der FDP zu erlangen, bedrohlich nahe gekommen sein.
Was sie dann eben doch nicht nur beliebt, sondern historisch erfolgreich gemacht haben würde: als sich die CDU zuletzt in einer Großen Koalition befunden hatte, fand sie sich nach den anschließenden Bundestagswahlen auf der Oppositionsbank wieder! Angela Merkel wäre also die erste Kanzlerin, die die CDU erfolgreich aus der Opposition, durch eine Große Koalition und in eine erneute Regierungsverantwortung geführt haben würde. Ob die Herren diese Leistung anerkennen wollen? Dann sollten sie schweigen!

Von meinem iPhone gesendet Bitte Tippfehlrr zu entschuldihen :-)

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2 comments

  1. Die Merkel-Gegner werden eher “im Dunkel” von Berliner Hintergrundzirkeln als am “hellichten Tag” gegen sie stänkern, und damit dreht sich die Stimmung in den Medien. Der Zug fährt wieder in Richtung schwarz-rote Koalition und die SPD wird mit ihrer Kampagnenfähigkeit noch an die 30%-Marke herankommen.

  2. Paul Kirchhof hatte 2005 nicht unbedingt eine wahlentscheidende, wohl aber eine stark beeinflussende Rolle – zu ungunsten der Union. Allerdings sind die erfolgreichen Attacken der SPD gegen Kirchhof vor allem deswegen gelungen, weil die Union ihn miserabel in die Kampagne eingebunden hatte und er offenbar in keiner Weise auf die Spielregeln eines Wahlkampfes vorbereitet war – das war das Versäumnis des Wahlkampforganisators und der Spitzenkandidatin: Volker Kauder und Angela Merkel (das war nicht der Fehler der Ministerpräsidenten). Die Fehler in der Kampagnenführung waren eklatant. Aber sie wurden sie aufgearbeitet, denn Merkel wurde dann Kanzlerin und Kauder Fraktionschef.

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