Falsche Freundschaft

Steinbrück und Fäßler

Foto + ©Copyright: Astrid Ott

Nach den monatelangen Unruhen um ihren Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ist die SPD bemüht, Professionalität zu demonstrieren. Sie weiss: Jede gezeigte Unruhe, gar Kritik würde den entstandenen Schaden potenzieren. Insofern waren die Reaktionen auf die Veröffentlichungen zum dubiosen Hintergrund des vollmundig gestartenen peerblog vor allem eines: Schadensbegrenzung durch vorgespielte Routine. Wie schlecht es dennoch um den Zustand der SPD-Kampagne steht, verraten Nebensätze wie dieser: “Manchmal kann man sich gegen Freunde nicht wehren.” Was von vielen als Stoßseufzer des SPD-Vorsitzenden in Richtung des peerblog-Urhebers Karl-Heinz Steinkühler verstanden wurde, offenbart aber vor allem eines: tiefe Risse und Vertrauenskrisen innerhalb des engeren Wahlkampfteams der Sozialdemokraten.

Schon beim Fiasko um den umstrittenen und hochbezahlten Auftritt des inzwischen zum Kanzlerkandidaten avancierten ehemaligen Polit-Pensionärs mit eigener “Schwänzer-Akte” bei den Stadtwerken Bochum wurden Kommunikationspannen offenbar. Sie wurden darauf zurückgeführt, dass dem Kanzlerkandidaten seinerzeit kein eigener Sprecher und kein Büro zur Verfügung stand. Damals wurden mit Michael Donnermeyer und Heiko Geue zwei erfahrene Manager der zweiten Reihe ins Boot geholt.

Gabriel ist sauer auf Steinbrück

Angesichts dieser Professionalität, die das auch sonst nicht unerfahrene Team im Willy Brandt Haus verstärkten, war es mehr als merkwürdig, dass niemandem die unübersehbaren konzeptionellen und strukturellen Schwächen des peerblog aufgefallen waren: intransparente Finanzierung, übertrieben vollmundige Selbstbeweihräucherung mit Anleihen bei US-Präsident Obama und dem Arabischen Frühling und technische Schwächen. Wie kann das sein, fragten sich informierte Beobachter im politischen Berlin?
Der Grund sind eben jene politischen Freunde, gegen die Gabriel sich nicht schützen kann. Allerdings ist damit nur indirekt der ehemalige Focus-Redakteuer Steinkühler gemeint. Gabriels Säufzer richtet sich auch gegen Steinbrück selbst: Der Kandidat und sein Medienberater Hans-Roland Fäßler machen nach Meinung des Willy Brandt Hauses nach wie vor zu viele Dinge alleine und unabgestimmt.

Fäßler soll peerblog abgenickt haben

Fäßler ist ein langjähriger Vertrauter des peerblog-Hintermanns Steinkühler. Gut informierte Kreise, die Steinkühler und Fäßler aus Düsseldorf kennen, sind sich sicher, dass nicht Steinbrück, oder zumindest nicht Steinbrück alleine die “Konzeption” von peerblog abgenommen habe: Hans-Roland Fäßler sei es gewesen, der die Aktion “abgesegnet” habe. Jedenfalls sei das Team um Michael Donnermeyer in Berlin überhaupt nicht involviert gewesen. Das würde erklären, weshalb es zwischendurch widersprüchliche Informationen über die Kenntnis der Geldgeber des Blogs aus Berlin und seitens Steinbrücks aus London gegeben habe: Donnermeyer wusste keine Details.

Donnermeyer kannte keine Details

Wenn es tatsächlich Fäßler war, der das peerblog hat durchgehen lassen, hätte er damit Steinbrück und der SPD einen Bärendienst erwiesen. SPD-Chef Sigmar Gabriel rechnet es sich als persönliches Verdienst an, dass nach der Bochum- und der Kanzlergehalts-Panne wieder Ruhe eingekehrt sei. Am Abend der Niedersachsen-Wahl sah man entsprechend auch einen sehr bescheidenen und leisen Steinbrück, der erst nach Gabriel ans Mikrofon trat, um einige wenige Sätze zu sprechen.
Seither hatte die SPD Aufwind und gehofft, politisch in die Aktion zu gelangen, um eine verunsicherte Koalition durch die Manege zu treiben.
Die falschen Freunde haben das nun erst einmal zunichte gemacht.
Foto und ©Copyright: Astrid Ott

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