Frage des Glaubens

Et voilà: nach Schokolade, Armbanduhren und immer verlässlichen Kreditinstituten haben uns die Eidgenossen noch was ganz tolles beschert: ein gutes Beispiel. Endlich können wir laut sagen: WIR sind hier zuhause, wir haben UNSERE MAßSTÄBE. Endlich kann man ganz offen seinen Phobien freie Bahn geben. Endlich ein Zeichen, dass wir den vorschreitenden Islamismus in die Schranken weisen können. Wer würde sich schon um Dialog und Kennen lernen des offensichtlich einfach  Unbekannten kümmern. Ein Bau, ein Minarett ist doch ganz klar ein Machtsymbol, und wer herrscht hier, wir oder sie?!

Das schweizerische  Votum ist enttäuschend, nicht nur als Ausdruck von Angst und Un- und Missverständnis. Das Leben von Muslimen im christlich geprägten Europa (auch eine Mainstream-Behauptung, als ob es nie was anderes gegeben hätte…), Integration, Religionsfreiheit etc. sind  wichtige Themen. Es gibt aber auch ein anderes Problem. Noch mal nix mit Ende der Geschichte. Wir haben uns schon gedacht – die Demokratie befestigt, das (Sub?)Optimum erreicht, es wird immer schön sein. Und plötzlich so ein Patzer, ausgerechnet in der Schweiz. Die Frage ist nämlich: wie viel Macht kann man in die Hände des Volkes legen? Wird sich der Traum der Direktdemokratie je erfüllen? Vox populi, vox dei, was aber wenn das Volk sich eher wie ein berauschter Einviertelgott ausspricht? Da landen wir bei der gut bekannten Dichotomie: Eliten vs. Massen. Was tun, wenn der Volksentscheid mit den intellektuellen Vorstellungen doch nicht übereinstimmt? Was tun wenn der Volksentscheid nationalistisch, populistisch, feindlich, chauvinistisch ist? Kann man sich Direktdemokratie überhaupt leisten? Sind die Postulate nach mehr Demokratie tatsächlich so gut überlegt? Sind wir überhaupt dafür bereit, als Populus, so viel Verantwortung zu übernehmen? Im Endeffekt geht es nicht nur um eine elitäre Vision, sondern um  die Grundlagen eines politischen Systems. Aber da hilft vielleicht tatsächlich nur der Glaube…

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1 Kommentar

  1. Frage des Glaubens? Frage der Bildung!

    Islamophobie ist kein politisches Verbrechen, aber es ist auch keine ohne lange Therapie heilbare Krankheit. Im Grunde ist es einfach dumm und zeigt mehr Unwissenheit und Vorurteile.

    Informierte Entscheidungen brauchen solide Grundlagen – weshalb Plebiszite ohne bessere Bildung keinen Sinn machen, was auch und gerade die Schweiz vorexerziert, was auch die Iren gezeigt haben, bei deren *beiden* Lissabon-Entscheidungen viel Desinformation und Angst mitgespielt haben, mehr als eine solide Wissensbasis jedenfalls.

    Wer will dass das Volk (oder eine regionale Teilmenge davon) informierte Entscheidungen selbst treffen kann, muss sich nicht nur für Transparenz (Zugang zu Entscheidungsgrundlagen) einsetzen, wie die Piraten das zurecht tun, sondern auch und vor allem für Bildung und Medienkompetenz (Schulung im Umgang mit Informationen, discrimen veri ac falsi).

    Als Grüner Europapolitiker kann ich mich noch an Zeiten erinnern wo die Warnung vor der “Grünen Gefahr” (vor allem von den einst “Europäische Arbeiterpartei EAP”, dann “Patrioten für Deutschland” heissenden BüSos) noch meiner Partei galt – heute sammeln sich unter “Grüne Gefahr” xenophobe Islamphobiker. Da fehlt Aufklärung und eine solide Bildungsgrundlage.

    Als Vorsitzender des Landeselternrats LER in Baden-Württemberg freue ich mich hierzu auf Zusammenarbeit mit allen Interessierten und ihren Input und ihre Aktionen und Einsätze für gute Bildung von Anfang an.

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