Fürsten, hört die Signale!

Die Union hat die Schaufeln ausgepackt. Mit vollem Elan machen sich Führungskräfte aus der ersten und zweiten Reihe an die Arbeit. Sie wollen einen Schutzwall errichten, der den erhofften Erfolg am 27. September sicherstellen soll. “Stammwähler pflegen!“, heißt es allenthalben in oftmals ruppigem Umgangston an die Adresse der Vorsitzenden und Bundeskanzlerin. Nur wenige der eifrigen Schaufler sind sich bewusst, dass sie dabei sind, sich selbst und ihrer Partei eine Grube zu graben!

Dabei hilft es wenig, wenn die meisten derer, die sich daran beteiligen, subjektiv durchaus im besten Willen handeln. Egal ob fahrlässig durch leichtgertiges Gerede, oder gar vorsätzlich mit dem Ziel, die eigene Position für die Zeit danach zu sichern: die Union ist auf dem besten Wege, am 27.09. das allen Wählern bekannte Prinzip “keine Experimente” (in der schwersten Krise seit 1945) bedeutungslos werden zu lassen! Sie wendet dabei die selben Instrumente an, die bereits 2005 dazu geführt haben, dass Gerhard Schröder und Franz Müntefering in beispielloser Weise den renommierten Steuerrechtler Paul Kirchhof als kaltblütigen, sozial ungerechten Wirtschaftsliberalen darstellen konnten: Die Unionsfürsten säen selbst Zweifel, wo sie Sicherheit verstärken müssten.

Dabei ändern sich auch innerparteilich die Frontlionien: Gehörte Jürgen Rüttgers 2005 zu jenen, die Kirchhof und damit Merkel im Frage stellten, ist er nun gemeinsam mit der Kanzlerin das Feindbild für jene, die die “Sozialdemokratisierung der Union” beklagen. Umgekehrt war Günter H. Oettinger 2005 auf Seiten Merkels, beklagt nun jedoch – nicht ohne einen Schuss Genugtuung für die erhaltene “Kopfwäsche” in der Filbinger-Affäre – die Vernachlässigung der konservativen Stammwählerschaft. Hauptsache es klingt logisch und bringt Schlagzeilen.

Die Kritiker übersehen, was Matthias Jung, Chef der Forschungsgruppe Wahlen, zusammenfasst: “Ihre [gemeint ist Angela Merkel, d.Verf.] Beliebtheit auch bei potenziellen SPD-Wählern kann wahlentscheidend sein!” Niemand kann also ein Interesse haben, die Kanzlerin durch Mäkeleien zu schwächen. Allenfalls vom bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer weiß man, dass es ihm nicht nur in Bayern, sondern auch bundesweit nützen würde, sich auf Kosten der Rivalin an der CDU-Spitze zu profilieren. Doch ob dies im Sinne der CSU ist oder der Union insgesamt, erscheint fraglich. Fürsten, hört die Signale!

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