Gas – der vergessene Energieträger

Nun ist es raus: Auch die Koalition ist sich sicher, dass nukleare Energie nicht weiter als Brückentechnologie, die das Zeitalter der erneuerbaren Technologien einläuten wird, betrachtet werden kann. Sie ist zu gefährlich und zu riskant, um den stetig steigenden Energiekonsum  - zumindest in Deutschland – auch in Zukunft befriedigen zu können.

Jetzt stellt sich die deutsche Industrie die Frage, welche Technologien bzw. Energien unseren Hunger nach Energie stillen können, ohne dass die Produktion darunter leidet. Zumindest solange bis der Übergang zu erneuerbaren Energien ausgebaut wird. Und während die Industrie überlegt, kennt die Börse schon längst die Antwort: Es ist der fossile Energieträger Gas – die saubere und wenig Emissionen ausstoßende Energiequelle – die die Wirtschaft vor dem Energiekollaps bewahren wird.

 

Leider hat die Bundesregierung zu lange das Thema Erdgas außen vor gelassen: In Ihrem Energiekonzept 2050 wird das Thema Gas mit keinem Wort erwähnt. Ziemlich blauäugig wurde das Risiko eines Energieausfalls – wie ihn nun die Opposition durch das Abschalten der AKWs in der Bundesrepublik verlangt  - verdrängt. Denn es ist ganz offensichtlich, dass der Übergang zu den erneuerbaren Energien nur überbrückt, jedoch nicht vollständig mit einem Knopfdruck umgestellt werden kann.

Hinweggesehen hat die Politik auch, als führende Energieförderungsunternehmen wie Wintershall bereits Jahre vor dem Unglück in Fukushima das Comeback des fossilen Energieträgers propagierten und ihre Gelder in neue Erdgasförderungen investierten. Wintershall betrachtete schon damals Erdgas als  grüne Energie

Doch der Teufel steckt meist im Detail: Da in Deutschland die Förderkapazitäten bald erschöpft sein werden, muss das Gas importiert werden und der Handel mit Gas ist längst ein außenpolitisches und geostrategisches Unterfangen: Wer mit Erdgas beliefert werden will, muss mit Gaslieferländern bilaterale Abkommen abschließen und diese Ländern sind meist instabil oder setzen Energie als Waffen zur Durchsetzung politischer Machtinteressen ein.

 

Die  EU  hat Erdgas als Überbrückungsenergie nicht aus dem strategischen Blick verloren, ganz im Gegenteil: Sie wagt sich teure Pipeline-Projekte anzustoßen, die womöglich an ihrer Umsetzung scheitern könnten. So auch das noch immer umstrittene und belächelte europäische Projekt Nabucco.

Obwohl sich EU-Energiekommissar Günther Oettinger sicher ist, dass das Nabucco-Pipeline-Projekt die Hoffnung für die sichere Energieversorgung Europas sein wird, glauben Kritiker, dass der Abschluss des Projekts letztendlich an der Außenpolitik scheitern wird. Das Gas für die Pipeline Nabucco soll aus Ländern geliefert werden, die sich noch immer unter russischem Einfluss befinden – wie Aserbaidschan und Turkmenistan (wobei die Zusage Turkmenistans noch abzuwarten bleibt). Aber auch Ländern wie dem Irak, die politisch hoch instabil sind. Diese Länder handeln nicht nach WTO-Wettbewerbsregeln und sehen ist nicht als ihre Pflicht an völkerrechtliche Verträge zu akzeptieren. Daher könnten die Versorgungskrisen viel größere sein, als es von der EU leichtfertig ausgeblendet wird. Dem Iran verschließt sich die EU noch, und auch Ägypten hat sie eine Absage erteilt. Dass diese Länder aber nicht mehr als Energielieferanten in Frage kommen, kann man so nicht behaupten.

Nabucco wird solange ein umstrittenes Projekt bleiben bis die EU endlich eine europäische Energieaußenpolitik verfolgt (diese obliegt nur den einzelnen Mitgliedstaaten) und ihre Nachbarschaftspolitik mit führenden Ländern wie der Türkei – das als Energiedrehscheibe gilt – strategisch überdenkt.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt jedoch: Sollte das Nabucco-Projekt durchgesetzt werden, könnte das einen diplomatischen und wirtschaftlichen Erfolg für die EU und einige der Länder der strategischen Ellipse bedeuten.

 

Neben dem konventionellen Gas existieren aber auch das sogenannte Schiefergas und die verflüssigte Form LNG. Wobei die Versorgung mit Schiefergas letztendlich an der Art der Förderung scheitern könnte, die umweltschädlich ist. Und auch LNG ist Zukunftsmusik: Die Infrastruktur für LNG ist noch nicht ausgereift und erfordert wie jede neue Erfindung kostspielige Investitionen.

 

Ob Erdgas die wahre grüne Überbrückungsenergie sein wir, bleibt abzuwarten, doch eines ist längst klar: Die Marktentwicklung gibt der Politik längst die Richtung für klimafreundliche Energienutzung vor. Die Politik muss nur noch die richtigen Weichen stellen.

 

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