Gas oder kein Gas – das ist hier die Frage… … und wenn ja, welches?

Einige Experten und Wissenschaftler bezweifeln, dass der Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022 und der Umstieg auf erneuerbare Energien problemlos und ohne Engpässe verlaufen wird. Und damit das nicht passiert, fordern sie, dass dem fossilen Brennstoff Erdgas mehr Beachtung geschenkt wird. Denn im Energieeffizienzplan der Bundesregierung wird Erdgas mit keinem Wort erwähnt und das empört nicht nur die Unternehmen und Netzbetreiber, sondern auch führende Politiker wie Günther Oettinger, der derzeit krampfhaft versucht das EU-Projekt Nabucco, dass bereits 2015 an den Start gehen sollte und mit einem Volumen von  31 Mrd. m3 die EU mit Erdgas versorgen sollte, voranzutreiben. Das Projekt droht mittlerweile zu scheitern, da die Frage der Bezugsquellen für die Pipeline Nabucco noch unklar ist. Es hat politische Hintergründe, doch um die wollen sich weder die EU noch Herr Westerwelle wirklich kümmern. Die EU-Russland-Beziehung ist eingefroren und auf Deutschland sind die Russen auch nicht gut zu sprechen, EHEC hat Ihnen die Suppe  buchstäblich versalzen. Und doch fordern führende Unternehmer wie der CEO des niederländischen, Gas exportierenden Unternehmens GasTerra Gertjan Lankhorst, dass die EU die Beziehungen zu Russland ausbauen soll, statt sie zu verbauen. Russland ist und bleibt der größte Erdgaslieferant und auch der Wächter über die Transportnetze in strategischen Zielen wie Zentralasien und Kaukasus.  Ohne Zustimmung Russlands fließt kein Gas durch die Pipelines. Warum Gas?  Gas ist die umweltfreundlichere Variante zu Kohle und Öl – soweit so gut. Als Brückentechnologie ist Erdgas nahezu perfekt, es ist a) sicher, b) bezahlbar und c) umweltfreundlich. Oder etwa nicht? Was den Import von Gas betrifft, so können wir die Punkte a) und b) ausschließen. Der Import von Gas ist weder sicher, noch bezahlbar. Denn auch Länder wie China (und nun auch Japan) wollen aus der Atomkraft aussteigen und sich das Gas zunutze machen. Das steigert die Nachfrage und erhöht den Preis. Darüber hinaus ist Erdgas endlich und so greift man momentan in den USA zu unkonventionellen Methoden der Erdgasförderung. Aber was die Förderung vom sogenannten Shale Gas, zu Deutsch Schiefergas, betrifft, so lassen sich die Punkte a) und c) ausschließen. Die Förderung des Schiefergases ist nicht unumstritten, denn sie sei, so führende internationale Experten wie Michael T. Klare, umweltschädigend und benötige sehr gute, fortschrittliche Technologien, in die keiner investieren will. Befürworter von Shale Gas wie Frank Umbach sehen jedoch sehr viel Potenzial in der Förderung von unkonventionellem Erdgas. Denn nur so könnte die EU ihre Dependenz von Erdgasimporten reduzieren und eine günstige und umweltfreundliche Energiequelle zur Nutzung bereit stellen. In Europa, aber auch in Deutschland, ist das Thema Schiefergas noch nicht angekommen. Eine politische oder öffentliche Diskussion noch nicht vorhanden. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Diskussion zu gegebenem Zeitpunkt entwickelt. Jean-François Cirelli, Präsident von Eurogas und Präsident des französischen Unternehmens GDF-Suez ist davon überzeugt, dass die Förderung des unkonventionellen Gases für Europa nicht so wichtig sein werde wie für Länder wie die USA. Er glaubt, die EU sollte sich stärker auf die Projekte wie Nabucco und South Stream konzentrieren. Das sei ertragreicher für die zukünftige Energieversorgung der EU. Und vor allem sicherer.

So oder so, die Regierungen in der EU und insbesondere in Deutschland werden sich schon bald mit diesen Themen intensiv auseinander setzten müssen, vielleicht noch intensiver als mit dem Thema Atomausstieg. Denn Ausstieg schön und gut, aber was sind die Alternativen? Wer auf diese Frage mit „erneuerbare Energien“ antwortet, der hat zum gegebenen Zeitpunkt unrecht: Solange die Erneuerbaren nicht richtig gefördert (wie auch, sie sind nicht gut erforscht) und für Unternehmen wirtschaftlich rentabel werden, sieht es für die Zukunft der Erneuerbaren düster aus. Und bis dahin muss Bruder Erdgas herhalten. Welches das sein wird, bleibt ebenso abzuwarten. Hoffentlich müssen wir nur nicht allzu lange warten, denn sonst könnte man viele ungenutzte Chancen verpassen. Denn schon jetzt zeigt sich, dass andere Länder, die noch zu den schlimmsten Umweltverschmutzern zählten bereits viel fortschrittlicher in Sachen Umweltschutz durch saubere Energien sind, als wir es je sein werden.

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