Gipfel der Elektromobilität – eine kleine Nachlese

Nun hat er stattgefunden, der lange angekündigte und hochkarätig besetzte Elektromobilitätsgipfel in Berlin. Die Wogen der Euphorie haben sich etwas gelegt. Die Meldungen zu diesem Thema insgesamt sind allerdings auch ein wenig von der Sturmflut Griechenland überschwappt worden. Was hatte es auf sich? Die Crème de la Crème aus Politik und Wirtschaft beschworen in der opulenten Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom die Bedeutung innovativer Technologien für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Das Land dürfe seine Technologieführerschaft nicht verlieren, so die Bundeskanzlerin. Der Moderator zitierte einen französischen Werbe-Spot, wo ein junger Mann sagt, „Opa fuhr Benziner, Papa Diesel und ich fahre elektrisch“. Hier war gemeint, dass der Nachbar im Westen schon mächtig am Elektromobil werkelt.

Die nationale Auftaktveranstaltung in die Elektromobilität bei uns wurde von der gerade erst zwei Monate existierenden GGEMO, die gemeinsame Geschäftsstelle Elektromobiliät der federführenden Ministerien BMVBS und BMWi auf die Beine gestellt. Rund 400 Teilnehmer lauschten den ministrablen Rednern, wie die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland aussehen könnte aber auch ansatzweise schon aussieht. Die Elektrifizierung der deutschen Kfz-Flotte bedarf großer Anstrengungen und irgendwo muss man anfangen. Das Ziel derzeit ist, in zehn Jahren eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben – das ist der 45. Teil dessen, was momentan an zugelassenen Autos in Deutschland unterwegs ist. Rechnet man hier eindimensional hoch, würde es also 450 Jahre dauern, bis die bundesdeutsche Kfz-Flotte unter Strom steht. Da war die Bahn eindeutig schneller! Die Herausforderungen sind also gewaltig und in diesem Spiel steht noch nicht wirklich fest, wer Freund und wer Feind des Strom-Autos ist. Die Automobilindustrie lebt grundsätzlich noch ganz gut von der Verbrennung, die Mineralölwirtschaft sowieso, auch wenn hin und wieder mal eine versinkende Ölplattform am Image nagt. Umweltverbände, die eigentlich das Thema begrüßen sollten, stehen dem Hype um die Elektromobilität derzeit eher skeptisch gegenüber, weil Atomstrom nicht zum Brötchenholen dienen darf. Dem aber zu verbieten durch das Ladekabel zu fließen, wird schwierig bis unmöglich, wenn der Saft aus dem allgemeinen Netz kommt. Der ADAC, immerhin die größte europäische Autofahrerlobby war gar nicht offiziell eingeladen zum Gipfel. Denen ist so ein Elektroauto zu teuer und noch viel zu unpraktisch (schwere Batterie, geringe Reichweite, keine Ladeinfrastruktur u.s.w.). Die Autohersteller sind sich untereinander nicht wirklich grün, wer mit wem und welcher Technik. US-Hersteller wie Opel (GM) und Ford fühlen sich nicht genug repräsentiert durch den VDA (Verband der Deutschen Automobilindustrie). Dessen Vorsitzender, der Ex-Bundesminister Wissmann, vertrete nur die deutschen Herstellerinteressen, so ihre Kritik. Es ist also ein ziemlich mühsames Unterholz, dessen Begehbarmachung sich die Kanzlerin mit ihren Knappen da vorgenommen hat.

Sieben Arbeitsgruppen sollen nun einmal anfangen zu arbeiten. Ex-SAP-Chef Kagermann sitzt dem ganzen vor. Ihm stehen vier weitere Vorsitzende (StS`e Bomba und Homann, IG-Metaller Huber und VDA-Präsident Wissmann) zur Seite. Es sind die Themenfelder Rahmenbedingungen, Antriebstechnologie, Normung, Ladeinfrastruktur, Qualifizierung, Materialien und Batterien, die es zu beackern gilt. Das Chassis ist gebaut, jetzt fehlt nur noch das Innenleben. Es sieht aber ganz danach aus, dass die Beantwortung der Technologiefrage eine Art Grassroots-Bewegung erfordert. Einige wenige Global Player, die ggf. das Elektroauto als „Green-Wash“ betrachten, werden den erforderlichen Kraftakt nicht stemmen können. Hier geht es nämlich um ein ganz neues Technologie-System, das Energie, Mobilität und Kommunikation so intelligent miteinander verknüpft, damit die menschlichen Grundbedürfnisse hinreichend und vor allem verantwortungsvoll sowie dauerhaft befriedigt werden.

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