Gruß aus Südtirol

Um es vorweg zu sagen: Es geht in diesem Post nicht um die Schönheiten Südtirols, wo ich in den letzten zehn Tagen herrlichen Schnee und deutsch-italienische Gastfreundschaft genossen habe. Den wesentlich interessanteren Gruß aus Südtirol entbietet im Tagesspiegel vom 5.4. der Bozener Entwicklungspsychologe Wassilos Fthenakis, der sich mit einem bemerkenswerten Hinweis in die immer noch wogende Debatte um frühkindliche Erziehung in Deutschland einbringt: Entscheidend ist nicht, wer die Kinder unter drei Jahren betreut. Eltern wie pädagisches Personal in Krippen haben gleichermaßen in Deutschland seit 25 Jahren zu wenig auf die Qualität geachtet.
Der international zu den führenden wissenschaftlichen Experten zählende Ftenakis stellt sich dem Tagesspiegel zufolge einerseits klar auf die Seite der Familienministerin und konstatiert:

Rund jede dritte Familie in Deutschland kann nach seinen Erkenntnissen „dem Bildungsanspruch und der Lernneugier ihrer Kinder nicht gerecht werden“

Dennoch sei dies kein Freibrief für staatlichen Dirigismus. Die notwendigen und aus anderen Ländern wie etwa England übertragbaren Konzepte dürften

nicht primär aus der institutionellen Perspektive entworfen werden, sondern müsse von der Perspektive der Familie ausgehen und dann die Anforderungen an die anderen Bildungsorte – Krippen, Tagesmütter und so weiter – formulieren. Und es müsse sie verpflichten, aufs engste mit der Familie zu kooperieren – „damit endlich diese ungerechtfertigten Vorbehalte und ideologischen Gräben, die das Land beherrschen, verschwinden“.

Es bleibt zu hoffen, das Fthenakis Gehör findet und sich die unterschiedlichen familienpolitischen Lager verbinden. Sonst wird es kaum gelingen, den notwendigen Schwenk für eine angemessene Investition in die einzige wirkliche Ressource zu bewerkstelligen, die unser Land besitzt: die Intelligenz und Kreativität unserer Kinder!

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