Hartz-IV: Statt 5 Euro lieber eine Portion Moral

Mit der Hartz-IV Reform ist es wie mit einer Auktion – der meistbietende Käufer gewinnt.  Ursula von der Leyen hat leider zu wenig geboten oder besser gesagt den Empfängern von Hartz-IV zu wenig angeboten. Mit dem beschlossenen Minimalbetrag von 5 Euro will sich keiner so richtig zufrieden geben. Merkwürdig ist nur, dass sich die Empfänger selbst kaum zu Wort melden – in erster Linie sind es die Opposition, die Sozialverbände und mehr oder weniger sogar die Medien, die Frau Von der Leyens Beschluss über die knapp bemessenen 5 Euro öffentlich kritisieren. Fünf Euro, so die Gegner der geplanten Reform, seien unangemessen um „menschenwürdig leben zu können“.

Es ist ein gefundenes Fressen für die politische Opposition. Es kann wieder gestritten und Ressentiments können geschürt werden – quasi ein Wahlkampf vor dem Wahlkampf – in der Hoffnung Wählerstimmen zu gewinnen. Denn mit den Parolen von Sigmar Gabriel („Es geht nicht um Alkohol und Zigaretten, wie die Kanzlerin versucht klarzumachen, sondern darum, dass eine Mutter Geld haben muss, um ihrer Tochter oder ihrem Sohn mal ein zweites paar Schuhe zu kaufen”) von Klaus Ernst („Eine Regelsatzerhöhung von fünf Euro ist mit dem Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum unvereinbar“) oder Frau Künast („Die Würde des Menschen ist mehr als fünf Euro wert. Die Klientel bedienen und der sozialen Gerechtigkeit ins Gesicht schlagen, das ist heute Schwarz-Gelb“) haben die politischen Meinungsgegner mehr zu bieten und erreichen diejenige am schnellsten, die am Tropf von Hartz-IV hängen, deren Anzahl mittlerweile bei 6,7 Millionen liegt. Paradoxerweise wird oft vergessen, dass die Initiatorin der umstrittenen Hartz-IV Reform die rot-grüne Koalition gewesen ist.

Doch 5 Euro hin, 5 Euro her. Was diese Menschen brauchen ist definitiv kein Geld, noch viel weniger brauchen die Menschen eine undifferenzierte Debatte. Was diese Menschen brauchen ist ein wenig mehr Verantwortungsbewusstsein – und dieses steckt in jedem von uns. Egal in welcher Situation wir uns befinden, uns kann geholfen werden, wenn wir es nur wollen. Denn nicht jeder versinkt in seinem Elend, vor dem Fernseher sitzend und auf die nächste Hartz-IV Überweisung wartend. Da gibt es die allein erziehende Mutter, die ihr Abitur nachgeholt und ein Praktikum angefangen hat, weil sie sich für ihre Kinder verantwortlich fühlt. Da gibt es den Migranten aus Osteuropa, der trotz eines sehr guten Hochschulabschlusses sich nicht zu schade dafür ist, als Taxifahrer zu arbeiten, weil er weiß, dass er seine Familie ernähren muss. Dann ist da noch die ausgebildete junge Frau, die sich als Kinderbetreuerin selbstständig gemacht hat, weil sie nur so Beruf und Familie und finanzielle Unabhängigkeit am besten vereinbaren konnte.

Ja, es gibt sie tatsächlich – Menschen, die sich selbst um ihr Wohlergehen kümmern und sich helfen lassen, wenn es ein Mal zu kompliziert wird. Die aber trotz allem immer wieder nach vorne blicken. Und das ist es, was die Menschen brauchen – sie müssen Herr der eigenen Lage sein. Jeder muss sich selbst verpflichtet fühlen sich helfen zu lassen.

Eine 16- oder 18-jährige Tochter kann sich einen Nebenjob suchen. Studenten haben gleich mehrere. Ein 30-jähriger gesunder Mann mit zwei Kindern kann sich um einen Job bemühen, der unter seiner Würde ist. Das machen viele Absolventen und Berufsanfänger auch. Eine 40-jährige gesunde Frau ist ebenfalls fähig eine Anstellung zu finden, um sich ihre Träume von einer Ägyptenreise erfüllen zu können. Denn wie heißt es so schön: Von nichts, kommt nichts.

Vielleicht sollte sich die Politik lieber darüber Gedanken machen, wie sie die Menschen zu mehr Verantwortungsbewusstsein zwingt als sie mit finanziellen Geschenken – und seien es nur fünf Euro – der Verantwortung zu entziehen. Denn jeder Einzelnen ist selbst dafür veantwortlich “menschenwürdig leben zu können”. Diese Verantwortung kann man für jeden nicht übernehmen!

Bei erhöhtem Verantwortungsbewusstsein müsste sich Frau von der Leyen keine Gedanken darüber machen, wer in Zukunft die Nachhilfe von Leistungsempfängerkindern übernehmen soll oder wie Kinder von Hartz-IV Empfängern mehr am sozialen und kulturellen Leben teilnehmen können. Auch Herr Gabriel müsste sich keine Gedanken darüber machen, ob der Sohn oder die Tochter ein zweites Paar Schuhe bekommt.

Denn seien wir Mal ehrlich: Es geht den Empfängern von Hartz IV doch eigentlich sehr gut – von 190 Euro im Monat (monatliche Rente in Russland) müssen sie zum Beispiel nicht leben und eine warmes Dach über dem Kopf haben sie auch. Na gut, dann gibt es zum Frühstück eben billige Cornflakes von Aldi. Aber auch die werden gern von Erwerbstätigen gekauft!

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