Internet-Wahlkampf der besonderen Art

Aktuell gibt es die Debatte um die von Markus Beckedahl auf seinem Blog netzpolitik.org angestossene Aktion, CDU-Plakate zu re-mixen. Also zu verfremden. Interessant, wie die Auseinandersetzung verläuft. Die CDU hat es nach Lage der Dinge der Fotografin Laurence Chaperon überlassen, unter Hinweis auf ihr Urheberecht die Löschung der Bilder zu verlangen.
Gegenstand der von Beckedahl als “legitimen” Wahlkampfbeitrag bezeichneten Aktion ist, wie könnte es bei Netzpolitik.org auch anders sein, Innenminister Wolfgang Schäuble. Zwar wäre auch Bundesministerin von der Leyen in Frage gekommen, die mit der Debatte um Internetsperren zuletzt für Furore unter Usern auch aus dem bürgerlichen Lager gesorgt hat, doch Wolfgang Schäuble hat mit den Themen Vorratsdatenspeicherung und Bundestrojaner quasi das ius primae noctis und die Gnade der Erstgeburt von Beckedahl zugestanden bekommen.
Aus Sicht des interessierten, aber unbeteiligten Beobachters eine sehr interessante Auseinandersetzung. Sowohl was die Konstellation angeht (netzpolitik vs. Chaperon anstatt vs. CDU), als auch was die Abläufe angeht. Markus Beckedahl pocht auf Rechtsgüter wie Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst (Satire), die auch Chaperon für sich in Anspruch nimmt.
In jedem Fall ist es angenehm, wie der “Konflikt” im Ton verläuft! Markus Beckedahl verhält sich gewohnt verbindlich und ruft sogar Verbalradikalisten zur Ordnung, die sich an der Fotografin ausnehmen. Aber auch Chaperon (oder die CDU?) haben die Klugheit, nicht sofort mit dem Rechtsakt zuzuschlagen. Vielleicht, weil sie ahnen, dass ihre Position strittig bleiben und vor Gericht unterliegen könnte. Vielleicht aber auch nur, weil es sich um einen zivilisierten Disput handelt, in dem zwei Seiten erfreulich sachlich miteinander umgehen. Let’s wait and see!

Tags: , , , , ,

Ein Kommentar hinterlassen


Premium Wordpress Plugin