Master of Disaster ?

Seitdem in Deutschland aufgrund des Bologna Prozesses die Umstellung vom international anerkannten Magister/Diplom-Abschluss hin zum europaweit „gleichwertigen“ Bachelor/Master-System erfolgte, ist das Geschrei groß: Der Bachelor sei als Abschluss in der Arbeitswelt nicht anerkannt, zu wenig praxisorientiert, zu wenig spezifisch und außerdem inhaltlich überladen. Aber wenigstens hat jeder Abiturient die Möglichkeit in einen Bachelorstudiengang aufgenommen zu werden- dies gilt nicht für den Master. Rund 2/3 der Absolventen streben einen Masterstudiengang an (nicht zuletzt wegen der oben genannten Gründe), doch nur einem geringen Prozentsatz von ihnen wird dieser Wunsch auch gewährt.

Dafür sorgen die Hochschulen. Waren bei der Aufnahme zu einem Bachelorstudiengang noch die Abiturnote und vielleicht, in individuellen Fällen, ein persönliches Eignungsgespräch ausschlaggebend, haben die Hochschulen für den Master einen ganzen Katalog von Voraussetzungen vorzuweisen. Dieser reicht von der Abiturnote über Nachweise von Fremdsprachenkenntnissen (teilweise auf muttersprachlichem Niveau), mehrjährige Praxiserfahrung, Motivationsschreiben, Empfehlungsschreiben von Professoren, Auslandserfahrung und Praktika bis hin zur Bachelornote- ja auch diese zählt! Bei der Uni Münster sogar bis zu 40 von möglichen 100 Punkten im Punktesystem des Auswahlprozesses. Nein, die Note allein zählt offensichtlich nicht, wie Sabine Kunst, Präsidentin der Universität Potsdam im Spiegel Online erklärt. Sie persönlich ist übrigens nicht für einen „Master für alle“ sondern einen „Master für alle, die eine entsprechende Qualifikation vorweisen können“. Ja, die entsprechende Qualifikation sollte man vorweisen können, aber wer kann das bei diesen Anforderungen? Wenn alle Punkte, die oben aufgelistet wurden bereits die Grundvoraussetzung sind, was muss ein Student dann tun, um sich von seinen Mitstreitern abzuheben?

Da bleibt die Frage offen, ob diese Anforderungen nicht mit Art. 12 GG „Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen“ kollidiert  (vgl. Spiegel Online, 18.11.2010).

In diesem Zusammenhang entschied das Verwaltungsgericht in Münster am Dienstag den 16. November übrigens:

„In der ersten Verfahrensstufe könne nur auf die Qualität des ersten akademischen Abschlusses, auf den das Masterstudium aufbaue, abgestellt werden, nicht aber etwa auf Abiturnoten oder Motivationsschreiben. In der zweiten Stufe des Vergabeverfahrens bestimme das Landesrecht, dass hier ebenfalls die Qualität des ersten akademischen Abschlusses (insbesondere der Bachelor-Abschluss) den Ausschlag geben müsse.“  (Verwaltungsgericht Münster, Beschluss vom 15.11.2010 [Aktenzeichen: 9 L 529/10] )

Und erklärte damit derartige Auswahlverfahren für rechtswidrig.

Die Schuld trifft allerdings nicht allein die Hochschulen. Der Mangel an Masterstudienplätzen ist sogar politisch gewollt, wie der Tagesspiegel Ende Oktober dieses Jahres berichtet. In Deutschland gilt der Bachelor als Regelabschluss mit dem das Gros der Studenten die Universität verlässt- eine Quote für die Masterstudienplätze wurde dennoch nicht formuliert. Ausgegangen wurde jedoch von 1/3 der Absolventen, die einen Master anstreben- 1/3 der Studenten bleibt demzufolge auf der Strecke!

Immerhin bleibt dem Bachelorabsolventen, der keinen Masterstudienplatz bekommt und mit (meist unbezahlten) Praktika die Wartezeit überbrückt, der Antrag auf Hartz IV. Diverse Zuschüsse, wie beispielsweise das Kindergeld fallen nämlich in diesem Falle ebenso weg wie BaföG.

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