“Mein Reich ist nicht von dieser Welt”

Nun hat sich mit dem Augsburger Bischof Walter Mixa ein Mitglied der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in den Streit um die Pläne von Familienministerin von der Leyen eingeschaltet und diese als “einseitig und schädlich” für Kinder kritisiert. Es ist bemerkenswert, dass dies just zu dem Zeitpunkt geschah, in dem sich die Bundeskanzlerin zum ersten Mal persönlich zu den Plänen geäußert und sie unterstützt hat.

Ein solcher öffentlicher Widerspruch eines hohen Repräsentanten der Römischen Kirche ist ein Politikum, für das es in der Geschichte der Bundesrepublik nur wenige Beispiele gegeben hat. Die wenigen Konfrontationen stammen fast sämtlich aus der Kontroverse um den staatlich sanktionierten Schwangerschaftsabbruch nach § 218 StGB und hatten bei aller Besonderheit immerhin einen nachvollziehbaren Kern durch die Berufung auf das Tötungsverbot der Bibel.

Eine ähnliche Rechtfertigung ist im Fall des Augsburger Bischofs allerdings kaum zu erkennen, da er die Vorschläge der Familienministerin in zentralen Punkten grob mißversteht. Mehr noch: Bischof Mixa hat die Bundesministerin sogar persönlich scharf angegriffen, wie einer Meldung der bischöflichen Pressestelle zu entnehmen ist. Wörtlich warf er Frau von der Leyen vor, Frauen zu “Gebährmaschinen” zu degradieren. Es darf bezweifelt werden, ob Bischof Mixa der Kirche, der er dient, oder gar der Sache, um die es geht, damit einen Dienst erwiesen hat.

Es macht wenig Sinn, sich differenziert mit der Position Mixas auseinanderzusetzen. Zu stark hat sich diese von einer objektiven Betrachtung der Realitäten entfernt, wenn er etwa wirtschaftliche Zwänge und Notsituationen, die neben dem Wunsch auf berufliche und persönliche Selbstbestimmung als zweitwichtigster Grund zu einer Erwerbstätigkeit von Frauen führen, auf eine verfehlte Familienpolitik zurückführen will.

Allerdings darf man gespannt sein, wie sich das Kollegium der Bischofkonferenz und ihr Vorsitzender Kardinal Lehmann in den kommenden Tagen verhalten. Ein diplomatisches Schweigen dürfte zu wenig sein.

Mit dem Zitat aus Joh 18,36 in der Überschrift soll übrigens nicht ausgedrückt werden, dass sich Christen nicht in politische Debatten einmischen dürfen. Ganz im Gegenteil. Allerdings ist es wünschenswert, dass sich Amtsträger zuvor ihrer besonderen Verantwortung besinnen.

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