Schwarzer Mut und grüne Langmut

Zwei Personalien vom Wochenende: Monika Grütters lässt sich von der Berliner CDU in die Pflicht nehmen. Das ist mutig! Und Cem Özdemir wollte sich von den GRÜNEN in die Pflicht nehmen lassen, die dieses Angebot – die Kandidatur für den Deutschen Bundestag – mehrheitlich abgelehnt haben. Özdemir hat “tief verletzt” reagiert, aber seine Kandidatur für den Grünen Bundesvorsitz nicht hingeschmissen. Das ist bemerkenswerte Langmut!

Beide, Grütters und Özdemir, hätten gute Gründe gehabt, jeweils anders zu entscheiden. Da ist zunächst einmal die Berliner CDU. Seit dem Ende der Ära Diepgen/Landowski ist sie mit ihren Führungsleuten nicht besonders zimperlich umgegangen. Sowohl Wolfgang Schäuble, Christoph Stölzl, Peter Kurth und Joachim Zeller können ein Lied davon singen, wie rücksichtslos ein Kartell von Kreisvorsitzenden, die jeder für sich allenfalls mittelmässig politisch begabt sind, Konkurrenten um die Meinungsführerschaft in der Union und im bürgerlichen Lager ausgebremst haben. Dabei kamen die skrupelosesten Angriffe nicht selten aus den feinsten Bezirken, zu denen im Westen sowohl Reinickendorf, Charlottenburg oder auch Zehlendorf gehören. Dennoch hat sich Monika Grütters dem Wunsch des neuen Fraktionsvorsitzenden Henkel nicht verweigert. Natürlich tat sie dies auch im eigenen Interesse: Die Liste zur Aufstellung für den Beutschen Bundestag muss auch in Berlin erst noch verabschiedet werden und ihre Mitwirkung an der Neuaufstellung ist mit Listenplatz eins – dem sicheren Wiedereinzug in den Bundestag honoriert worden. Gleichwohl ist der Schritt Grütters’ mutig! Ihr Interview im Tagesspiegel am Sonntag zeigt allerdings, dass sie genau weiß, wohin die Reise gehen muss: Eine Relativierung des Einflusses von Funktionären zugunsten der Stärkung von Mitgliederrechten!

Dass es jedoch reapolitisch ein zweischneidiges Schwert ist, wenn Mitgliederrechte wahrgenommen werden, bekommt in diesen Tagen Cem Özdemir zu spüren. Die Führungsriege der GRÜNEN-Realos hat sich für ihn ausgesprochen als Tandem-Partner von Fundi-Frontfrau Claudia Roth in der GRÜNEN Parteiführung. Allein schon um der bayerischen Grünen ebenbürtig gegenübertreten zu können, hat Özdemir ein Bundestagsmandat angestrebt. Das ist verständlich. Unverständlich ist es, dass die GRÜNEN im Ländle Özdemir nur halbherzig unterstützt hatten gegen zwei amtierende MdBs für Platz antreten lassen. Die Basis hat davon gar nichts gehalten und Özdemir durchfallen lassen. Insgesamt ist dies vor allem für Bütikofer und Kuhn ein peinlicher Faux-Pas. Sie, die beide zu den Top-Realos gehören, haben es offensichtlich nicht nur versäumt, für Özdemir zu mobilisieren: In der zweiten Abstimmung um Listenplatz 8 wurden sogar zehn Stimmen weniger abgegeben als zuvor. Allerdings immer noch deutlich mehr als die auf Platz sieben der Landesliste gewählte Gesundheitspolitikerin Biggi Bender, die mit nur 78 Stimmen gewonnen wurde. Für Özdemir begann die Katastrophe damit, dass sich auf Platz vier der Mannheimer Gerhard Schick überraschend gegen Bonde durchgesetzt hatte. Dieser verzichtete auf eine Gegenkandidatur gegen den Linken Nachtweih und sicherte sich so die wohl entscheidenden Stimme, um auf Platz acht gegen Özdemir zu gewinnen. Taktik ist also auch den GRÜNEN nicht fremd! Abzuwarten bleibt, wie sich dies auf die Entscheidung für den GRÜNEN Vorsitz auswirken wird. Noch hat Özdemir nicht hingeschmissen und damit bemerkenswerte Langmut im Verhältnis zu seiner Partei bewiesen!

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