Obama und Ypsilanti – welch ein Unterschied!

Was unterscheidet Andrea Ypsilanti und Barack Obama? Die Antwort auf diese absurde Frage kann nur einen Wortlaut haben: “Alles!” – Falsch, wird der politisch korrekte Beobachter antworten! Beide haben einen Migrationshintergrund und sind als krasse Außenseiter in eine politische Führungsposition gelangt. Es stimmt: Auch wenn die Ebenen ihres Wirkens unterschiedlicher nicht sein könnten – beide waren die Projektionsfläche für viele, die sich mit ihnen den Beginn einer neuen Ära erhofften. Hier die Ex-Stewardess in einem kleinen, sich selbst suchenden Bundesland, dort die Weltmacht USA und ein junger Senator, die jeweils klare “Konservative Feindbilder” auslöschen sollten. Es lohnt sich somit, den Blick auf das zu richten, was jenseits des politischen Programms und der geopolitischen Unterschiede Obama zur historischen und Ypsilanti zur Witzfigur fur ihr Land und ihre Partei werden ließ! Es ist das jeweilige Politikverständnis der Protagonisten – und als solches in der Tat geeignet für eine Lektion im Grundkurs in politischer Kommunikation!Es ist nicht die Wahlkampf- und Kampagnenmaschine Obamas, üppig ausgestattet mit zig Millionen, die den Unterschied machte. Es ist auch nicht das Vorhandensein gewissenloser Frondeure, wie es der SPD- Bundestagsabgeordnete und verhinderte hessische Wirtschafsminister Hermann Scheer heute im “TAGESSPIEGEL” glauben machen will. Wer dies denkt, macht es sich einfach und entbindet Frau Ypsilanti von der Verantwortung, die sie und nur sie tragen muß!Selbst wenn es so wäre, das Ypsilantis Positionen richtig und der von ihr angestrebte Politikwechsel objektiv notwendig wäre (Konkunktiv! Es geht hier nicht um die Programmatik!!), Ypsilanti würde dadurch nicht zur Frau Obama der Hessen-SPD. Ein ganz anderer Vergleich würde sich aufdrängen: der Vergleich zu Al Gore, dem politisch gescheiterten Ex- Vize von Obamas Vorgänger Bill Clinton. Dessen Chef wurde 1992 US- Präsident mit dem an Bush-Vater gerichteten Slogan “It’s The Economy, Stupid”, weil dieser sich auf Außenpolitik und Kriegführung im Irak konzentriert und dabei die Bedürfnisse der einfachen US-Bürger ignoriert hatte. Nicht überliefert ist der Rat, den Clinton sowohl 2000 Gore als auch heute Ypsilanti zurufen würde, wenn sie ihn nach den Gründen für Ihr Scheitern befragten. Er würde wohl lauten: “It’s Communications, Stupid!” Es ist in der Tat der Umgang mit den Menschen, der breiten Öffentlichkeit wie dem eigenen Umfeld, was den Unterschied macht.Hier zeigt sich, dass Obama (wie damals Clinton) es versteht, mit Menschen eine Beziehung aufzubauen, ihre Sprache zu sprechen, aber auch zuzuhören. Von Frau Ypsilanti ist dergleichen nicht bekannt. Ebenso wenig, dass sie Fähig ist, die eigenen Überzeugungen glaubhaft zu vermitteln, was nur gelingen kann, wenn man die Menschen da abholt, wo sie stehen, sie ernst nimmt und nicht primär an eigene Ansprüche oder Ambitionen denkt. Letzteres ist nicht deswegen ein Problem für Ypsilanti, weil sie so denkt, sondern weil die Menschen von ihr annehmen, dass sie so denkt. Ein kleiner, aber feiner Unterschied!Wie seinerzeit bei Gore mag es auch heute bei Ypsilanti und ihrem Berater Scheer so sein, dass ihre Analyse der wirtschafts- und klimapolitischen Notwendigkeiten richtig sind. Manches spricht dafür. Dennoch ist es unverantwortlich, sich in eine arrogante “Wer’s nicht kapiert, ist blöd”-Haltung zu begeben und die Leute zu missionieren. Türen zur Veränderung öffnen sich immer nur von innen! Das impliziert ohne Wenn und Aber, dass jene im Besitz der Wahrheit die Geduld und das Verantwortungsbewusstsein aufbringen müssen, sich selbst zurück und die Menschen draussen wie im eigenen Umfeld mitzunehmen, abzuholen und einzubinden. Insofern sind Al Gore, Andrea Ypsilanti und Hermann Scheer nicht Opfer von “Frondeuren”, sondern ihres eigenen Egos geworden.Wer Obamas Rede nach seiner Wahl aufmerksam liest, wird den Unterschied erkennen, den es braucht, um Menschen zu erreichen, Herzen zu öffnen und Vertrauen aufzubauen. Doch deutlich wird auch, dass Obama die Herausforderung erkannt hat: Vertrauen ist wichtig, noch wichtiger ist jedoch, die Aufbruchstimmung in eine konstruktive Mitwirkung umzuwandeln, die Erwartungen im selben Maße an sich selbst richtet, wie an andere. Auch Präsident Obama muß sich da treu bleiben. Fuhrung ist vor allem Kommunikation – und die braucht Glaubwurdigkeit. Auch und gerade in Hessen!!

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1 Kommentar

  1. Jean-Marc Burow

    Die Arroganz der Ex-Ministerpräsidentin-Anwärterin ist vollkommen richtig beschrieben. Nun halte ich aber die Schlussfolgerung etwas defizitärer hinsichtlich des Umgangs mit den Menschen bzw. der Kommunikation. Etwas platt ausgedrückt hat Obama`s Wahlkampf inhaltlich nie stattgefunden. Bis heute frage ich mich was sein Programm ist. Außer dem wunderschönen Wort “Change” gibt es nun nicht viel darüber zu sagen, anscheinend.
    Somit komme ich zu Ypsilanti, die dummerweise neben strategischen Fehlern (z.B. vorab das generelle Ausschließen der Linken-Koalition) auch noch kommunikative Fehler – wie im Artikel beschrieben – gemacht hat.
    Für mich ist eine inhaltlich festlegende Kommunikation von politischen Themen immer schwieriger zu gestalten, aufgrund der Problematik eines einheitlich geschlossenen Auftritts (Profilierungskämpfe innerhalb der Partei), als eine inhaltlose Kampagne like Obama. Kommunikativ perfekt, da inhaltlich keine Aussagekraft und damit auch nicht angreifbar.

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