PR-Anzeigen-Affäre ein zweischneidiges Schwert für die SPD

Die SPD rudert in Person ihres Wirtschaftspolitischen Sprechers Rainer Wend zurück und erklärt den Fall der Verquickung von Anzeigengeschäft und redaktionellen Beiträgen durch eine Berliner PR-Agentur im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums für “erledigt”. Noch am Wochenende hatte Wend bei Bekanntwerden der pikanten Geschichte eine Gefahr für den Ruf der Politik gesehen, der nachgesagt werden könnte, sich wohlwollende Presse zu erkaufen. Bislang habe er deratiges nur aus der Wirtschaft, nie jedoch aus der Politik gekannt.
Wenngleich vieles an der PR-Affäre wirklich bedenklich ist, wie die Kommentatoren zu Recht anmerken, darf man annehmen, dass der plötzliche “erledigt”-Stempel der SPD auf Angst vor der eigenen Courage hindeuten könnte. Schließlich hat die SPD nicht nur Anzeigen schaltungen, sondern durch ihre Beteiligungsholding DDVG gleich Eigentunsrechte an Verlagen samt Redaktionen, mit denen sie direkt oder indirekt Kontrolle ausüben kann! Die strengen Maßstäbe Wends angelegt, könnte es für den SPD-Parteivorstand eigentlich nur heißen: Verkaufen, und zwar schnell.
Wie sonst sollte man erklären, dass zwar die mögliche Einflussnahme durch (externe) Anzeigenkunden auf die redaktionelle politische Berichterstattung bedenklich sei, nicht jedoch jene von (internen) Verlagsleitern oder Aufsichtsräten, die dem SPD-Parteivorstand direkt angehören?
Wend hat – vermutlich unbeabsichtigt – zu Recht darauf hingewiesen, dass die grundgesetzlich garantierte Pressefreiheit ein wichtiges Gut ist, welches in der Tat durch wirtschaftliche Abhängigkeit gefährdert werden kann. In eben diesem Sinne aber hat sich die einstmals möglicherweise gerechtfertigte Eigentümerschaft der SPD an Verlagen überlebt. Nicht die SPD ist heute durch die Presse gefährdet. Wohl aber umgekehrt kann angesichts der wirklich ansehnlichen Beteiligungen ein Schuh draus werden. Dem sollte die SPD entgegentreten und sich von ihren Verlagsbeteiligungen trennen. Rainer Wend hat Recht!

Tags: , , ,

1 Kommentar

  1. Nach einer These von Richard Edelman (Vorreiter in Sachen New PR und CEO von Edelman, einer der größten weltweiten PR-Agenturen.): Werbung allein ist nicht glaubwürdig oder überzeugend. Klassische Werbung alleine kann keine Märkte mehr bewegen. PR hingegen begründet die Basis für Glaubwürdigkeit. Werbung trägt diese lediglich weiter und erinnert immer wieder daran. Eigentlich – wenn wir mal ehrlich sind – grundsätzlich eine recht einleuchtende Argumentation – auch für die PR-Kampagne von Herrn Glos. Marken werden von PR zunächst gebildet und bekannt gemacht, Werbung pflegt diese Bekanntheit weiter. Das macht weder den einen noch den anderen Part überflüssig, sondern regt dazu, eben beide Disziplinen enger zusammenzuführen. soweit so gut. Anscheinend arbeitet die Agentur Flaskamp auch fleißig daran. Sie haben das Konzept, dass sich nach Edelman “conversational advertising” nennt, aber wohl ein bischen zu flach in die Praxis übersetzt, ohne Rücksicht auf ein paar grundlegende Regeln.

Ein Kommentar hinterlassen


Premium Wordpress Plugin