Reputation- und Krisenmanagement in der Politik 2.0

Jörg Tauss ist zurückgetreten. Von allen Ämtern und aus Rücksicht auf seine Partei. Zwar beteuert Tauss nach wie vor seine Unschuld, doch schon jetzt gibt es nur noch wenige, die an ein Comeback des Politikers glauben. “Was würden Sie Jörg Tauss raten, fragt Klaus Eck im PR-Blogger, und sieht ihn in der Reputationsfalle. Selbst bei erwiesener Unschuld, so Eck und viele Kommentatoren, werde Tauss es schwer haben, seine alte Stellung als einflussreicher Netz-Politiker zurückzuerlangen. Doch es ist mehr als nur die Reputationsfalle, die Tauss übersehen hat.
Gerade wenn er tatsächlich nur dienstlich mit dem skandalösen Datenmaterial operiert haben sollte, wäre es vor allem ein klägliches Versagen von Krisenmanagement, für das nur er – Tauss selbst – verantwortlich zu machen ist. Denn zu einem Krisenmanagement gehört das Bewusstsein der jederzeit möglichen Krise als politisches Risiko. Die dienstliche Beschäftigung mit Kinderporno-Material, setzt doch zwingend voraus, sich gegen den naheliegenden Vorwurf des Mißbrauchs proaktiv zu schützen. Ein Plan B müsste sich für diesen Fall doch in jeder obersten Schublade seiner vielen Schreibtische in Berlin, Karlsruhe und allen Privatwohnungen finden und jederzeit anwenden lassen. Souveräne und zeitnahe öffentliche Kommunikation wäre auf der Basis nicht nur möglich, sondern geradezu ein MUSS. Bei Tauss: Fehlanzeige!
Die in Zeiten von Web 2.0 verhängnisvoll lange Funkstille hat erheblich zum Reputations- und Machtverlust von Tauss beigetragen. Zwar kann sich niemand sicher sein, nicht irgendwann mit rufschädigenden Vorwürfen überzogen zu werden. Aber vorbereiten sollte sich jeder Verantwortungsträger doch allemal! Wer das in so grober Fahrlässigkeit unterlässt, wie es bei Tauss der Fall zu sein scheint, der nicht einmal Fraktionsführung oder einen Notar mit der Information betraute, die ihn im Notfall entlasten könnte, diskreditiert sich selbst am meisten. Insofern kann der Rat an den unschuldigen Tauss nur lauten: Suchen sie sich ein unverfängliches Hobby und geniessen Sie die im Bundestag erworbenen Ruhestandsbezüge!
Gut beraten war Tauss also in keinem Fall. Auch seine Begründung zum Besitz des verbotenen Materials mutet bestenfalls naiv an. Sie ist sogar unglaubwürdig, wie der Netzschreiberling mit folgender Analogie zutreffend bemerkte: Es würde bedeuten, dass sich Politiker mit Themengebiet “Biologische Kampfstoffe” ein eigenes Labor für die Herstellung von Anthrax zulegen müssten, um zu verstehen, welche politischen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr notwendig sind. Zitat Netzschreiberling: Blödsinn!

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