Rheinisch-Westfälische Methode

Monitor, ein seit Klaus Bednarz` Zeiten nicht ganz unumstittenes Magazin der ARD. Der Beitrag gestern “Die Lüge vom teuren Ökostrom” ließ dennoch aufhorchen. Angeblich, so die Energiekonzerne, treibe der regenerativ erzeugte Strom – insbesondere aus Photovoltaik (PV) – die Preise hoch und damit die Verbraucher auf die Palme. Am Ende weiss es kein Verbraucher so genau. Dächer mit Solaranlagen, der eine oder andere Zeitungsbericht über die Branche, boomende Modulhersteller in Fernost – all das sind beobachtbare Vorgänge, die je nach Blickrichtung für oder gegen den Erfolg einer alternativen Energiegewinnung sprechen können. Diese Unsicherheit der Endverbraucher machen sich die Energieriesen offensichtlich gerne zunutze. Und auf welche Weise gießen die liquiden Erzeuger gerne Öl ins Feuer der Unwissenheit? Richtig, sie holen sich “Expertise” von unabhängiger, dritter Seite ein. Im von Monitor gestern beschriebenen Fall, vom RWI, dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. Und wie heißt es da so schön auf deren Web-Seite:

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) versteht sich als modernes Zentrum für wissenschaftliche Forschung und evidenzbasierte Politikberatung.

Im vorliegenden Montor-Beitrag bezieht sich das Institut jedoch auf eine Studie, als dessen Auftraggeber sich das “Institute for Energy Research” in Washington, D.C. entpuppt. Eine Einrichtung, die z.B. in ihrem Blog fast ausschließlich Ölthemen bearbeitet und Beiträge gegen Elektromobilität publiziert. Also ausgewiesene Experten sind, wenn es um das Thema Solarenergie geht.

Hier geht es zum Monitor-Beitrag vom 21.10.2010

“Die Lüge vom teuren Ökostrom”

Man kommt zu dem “Ergebnis”, dass die Solarbranche mit 64 Mrd. Euro nicht nur maßgeblich die Fördermittel verschlingt, sondern auch die Strompreise für die Verbraucher in die Höhe treibe. Der gebeutelte Verbraucher läßt sich natürlich gerne von so einfachen Erklärungen verleiten. Hintergrund ist aber offenbar eher, dass die Energiekonzerne, die nach wie vor mit herkömmlichen Energieträgern das meiste Geld verdienen, einen Markt und eine Branche in der Öffentlichkeit diskreditieren, damit sie noch lange Herr der Monopole bleiben. Denn die Menge an durch PV produzierten Strom nimmt stetig zu. Das wiederum wirkt sich auf die Geschäfte der Großversorger aus, hat doch der Sonnenstrom Vorrang im Netz (s. EEG).

Den preissenkenden Effekt der zusätzlichen (Öko)Strommenge im Netz (je größer das Angebot, desto niedriger der Preis) berücksichtigt das RWI erst gar nicht. Diesen von den 64 Mrd. an Förderung abgezogen und auf 30 Jahre verteilt, beläuft sich die Förderung auf unter 2 Mrd. €/Jahr. Die Atomindustrie hat in den 60iger und 70iger Jahren ein Vielfaches an Subventionen verschlungen. Nur deshalb kann der Strom auch heute so günstig angeboten werden: Weil frühere Subventionskosten nicht mehr im Strompreis abgebildet werden!

Es ist gut, dass solche offenbar pseudowissenschaftlichen Versuche, mit vermeintlich wissenschaftlicher Expertise die Unwissenheit der Bürger bzw. Verbraucher auszunutzen, aufgedeckt und richtig gestellt werden.

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