Saubere Energie befleckt sich

Diese Meldung über die Sitzung (Plenary Sitting) des Umweltausschusses im Europäischen Parlament (EP) zeichnet doch ein großes Fragezeichen auf das Gesicht des Lesers. Worum geht es? Giftstoffe sollen aus dem Herstellungsprozess von Elektro- und Elektronikprodukten verbannt werden – soweit so gut. Dafür wurde die Richtlinie ”RoHS” (2002/95/EG) erarbeitet bzw. jetzt nachgebessert. Die Abkürzung steht für “Restriction of the use of certain Hazardous Substances in Electrical and Electronic Equipment” und verbietet bestimmte Giftstoffe bei der Herstellung von Elektro(nik)produkten – Solarmodule gehören dazu. Das klingt vernünftig, möchte sich doch niemand Stoffen aussetzen, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellen.

Jetzt geht es jedoch um eine Ausnahme und der hat der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments mehrheitlich zugestimmt: Solarmodule sollen von dieser Entgiftungskur ausgeommen werden. Es steht zu befürchten, dass das Parlament dem Ausschuss-Votum folgt – ein nicht einmal außergewöhnlicher parlamentarischer Vorgang.

Wer profitiert von einer solchen Entscheidung bzw. Ausnahme? Große Hersteller wie der US-amerikanische Weltmarktführer First Solar, der seinerzeit die insolvente Chipfabrik bei Frankfurt/Oder übernahm oder die deutsche, im „Silicium Valley“ beheimatete Q-Cells. Sie verwenden nämlich u.a. Cadmium bei der Herstellung ihrer Module. Von chinesischen Produzenten (z.B. Solarfun oder Yingli Solar) sicherlich einmal ganz zu schweigen. Angeblich ist alles gut verbaut und auch das Recyclen stelle die Unternehmen nicht vor Probleme. Dabei warnen Experten (NTSA, Non-Toxic Solar Alliance) insbesondere davor, dass z.B. bei Bränden von Solaranlagen giftige Dämpfe freigesetzt werden und Rettungskräfte sowie Eigner schwer schädigen können. Zumal es offenbar Alternativen gibt: wenn 80-90 % aller PV-Module auf Silizium-Basis hergestellt werden, warum geht das dann nicht auch bei restlichen 10-20 %?

Das Ganze mutete deshalb auch etwas sonderbar an, als dass die Branche (allen voran der Bundesverband der Solarwirtschaft – BSW) immer das „Greentech“-Image verbreitet und andere des reinen „Greenwashings“ schilt. Wenn aber die Photovoltaik nicht ihre Sinnhaftigkeit als regenerative Energiegewinnung einbüßen soll, dann müssen die Vorprodukte ebenfalls dem Prinzip der Nachhaltigkeit genügen. Dass sich die Branche mit einer solchen Entscheidung einen Bärendienst erweist liegt auf der Hand: Landauf, landab stöhnen Verbraucher über erhöhte Energiekosten, weil die Erzeugung regenerativer Energie eben teuer ist und die Solarbranche nach wie vor eine Menge verschlingt. Neue Technologien öffentlich anzuschieben, ist nicht verwerflich, das wurde seinerzeit mit der Atomindustrie auch ad extensio betrieben. Aber jetzt den Eindruck zu erwecken, das viele Geld wird u.a. ausgegeben, um anschließend unter einem Giftdach zu leben, dürfte Investoren – egal ob privat oder gewerblich – nicht gerade erfreuen. Hier kann ein Dauerhafter Schaden für die Branche entstehen, die mit dem Cadmium einen hässlichen Fleck auf die blütenweiße Sonnenseite bekommt.

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