Sie sind ein Mörder und ich auch.

Wir fühlen uns unschuldig? Fragen uns, wen wir umgebracht haben sollen? Allein diese Frage beweist unsere Schuld schon, denn sein Fehlen fällt uns nicht auf. Wir sind noch nicht einmal Einzeltäter. Gemeinsam mit unseren Komplizen schlagen wir Tag für Tag zu. Doch Mord ist uns nicht genug. Wir verbrennen Millionen Steuergelder, wir produzieren Atomkraft und stiften Irre zu wirren Taten an.

Wer wir sind? – Wir sind süchtig nach spektakulären Informationen.

Wen wir auf dem Gewissen haben? – Den Qualitätsjournalismus!

So lautet die These von Professor Dr. Stephan Russ-Mohl, Kommunikationswissenschaftler seines Zeichens. Wir streben jeden Tag nach Informationen um unseren Wissensdurst zu stillen. Nur müssen wir zu Zeiten des Internets keine Printmedien mehr konsumieren um unsere Informationssucht zu stillen. Wir verschaffen uns den Kick online, und zwar umsonst. Dabei beachten wir nicht, was das für Folgen nach sich zieht. Den Tageszeitungen brechen die Auflagen weg, Werbekunden schalten Ihre Anzeigen lieber online, Redaktionen werden bis zur Unkenntlichkeit eingestampft und mit ihnen die Möglichkeiten des Hinterfragens und der Recherchearbeit. Der Journalismus verliert seine wichtigsten Fähigkeiten und damit seine Profession. Er ist nicht länger die Macht in der Demokratie, die Entscheidungen hinterfragt, Diskurse lenkt oder gar ins Leben ruft. Ihm fehlen ganz einfach die Ressourcen um seine Qualität zu konservieren. Daran tragen wir die Schuld. Es tut uns Leid FAZ, pardon Spiegel!

Der Qualitätsverlust des Journalismus wirkt sich jedoch nicht nur auf die vielen arbeitslosen Redakteure aus. Eine Berichterstattung, die weniger an den journalistischen Grundwerten orientiert ist, als an Verkaufszahlen, betrifft uns alle. Russ-Mohl nennt als Beispiel die spanischen Gurken, seiner Zeit fälschlicherweise unter EHEC-Verdacht gestellt und später als ganze Ernte vernichtet. Die Ausgleichszahlungen kosteten die Steuerzahler 200 Millionen Euro. Die Presse lancierte im Frühjahr die Atomkraft, bis die Laufzeitverlängerung in Gesetze gegossen wurde. Nach Fukushima wurde zurückgerudert und ein ganz anderer Weg eingeschlagen. Es leben regenerative Energien. Attentäter wurden in der Vergangenheit derartig mit medialer Aufmerksamkeit überschüttet, bis der Anreiz für einen geistig umnachteten Norweger groß genug war, seine Gedanken real werden zu lassen. Die Folgen sind allseits bekannt.

Es zeigt sich also, dass ein verantwortungsvoller Qualitätsjournalismus in Deutschland enorm wichtig ist um Fehler der Gesellschaft aufzudecken und öffentlich anzuprangern. Ihn wieder zum Leben zu erwecken dürfte sich allerdings als schwierig erweisen. Kostenpflichtiges Internet wäre sicher eine Lösung, um den Medien wieder die Ressourcen in die Hand zu geben, um ihrer Profession gerecht zu werden. Viel wichtiger ist es jedoch, dass wir Mediennutzer wieder zwischen Panikschreibe und gutem Journalismus zu unterscheiden lernen. Dafür müssen sich allerdings die Medien selbst hinterfragen und uns durch Ihre Berichterstattung sensibilisieren.

Wir müssen uns unseren Mord eingestehen und wenigstens den Kindern des Opfers, die wohl noch existieren, eine Chance geben. Lesen wir Zeitungen und glauben nicht alles, was darin steht. Zumindest fürs erste.

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