Social Web ist auch Arbeit

Die Meldung von Anfang der Woche hat uns mal wieder eines gelehrt: Von nüscht, kommt nüscht! Was war geschehen? Die TU Ilmenau hat eine Studie veröffentlicht, wonach die “Facebook-Euphorie” bei den Politikern abgeflaut sei. In der Untersuchung ist u.a. zu lesen, dass nur ca. 20 % der Politiker überhaupt auf Einträge reagieren. Gut, wenn es sich nur um Spam handelt – das ist in der Tat eine lästige Randerscheinung des welt-weiten Netzes – ist das verständlich. Nur: wer hü sagt, muss auch hott sagen. Ansonsten ist die Botschaft: Finger weg von Social Web. Wer 250 Tage und mehr am Stück nichts zu sagen hat, dem fällt auch am 251. Tag nichts Gescheites ein.
Bildausschnitt aus dem Dokumentarfilm “Die Grüne Revolution“; Kinostart am 3.2.2011

Warum der Hinweis auf die “grüne Revolution” im Iran vor zwei Jahren? Dort hat sich gezeigt, was sich jüngst auch in Ägypten gezeigt hat: Das Internet setzt Kräfte frei, die keiner vorher gekannt hat. Kein Überwachungsverein der Welt hat die Kompetenz und die Willenskraft – und die Intelligenz zum Kern vorzudringen – wie viele Tausende, Millionen von Menschen, die ihre Sicht der Dinge darstellen. Trennt man die Spreu vom Weizen, kommt am Ende etwas sehr Gehaltvolles dabei heraus. Nur eines ist wichtig: Die Ernst- und Wahrhaftigkeit. Wer vor lauter Euphorie nicht die Konsequenzen des Alltags erkennt, tut gut daran, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Zugegeben: Auch dieses Blog erfährt nicht täglich neue Beiträge, auch wenn das im Wesen des Blogs (Web-Log, also Web-Tagebuch) läge.

Das soziale Netz lebt von der (gelebten) Interaktion. Gerade das macht es ja so spannend. Und um an die eingangs erwähnte Erhebung anzuknüpfen, bleiben zwei Punkte, über die es sich lohnt, nachzudenken. Ein dritter Punkt, die Schere zwischen “Digitals” und “Non-Digitals” benötigt einen eigenen Eintrag. Zu den beiden mir wichtigen Aspekten: Erstens ist es wichtig, die neuen Möglichkeiten der Kommunikation auch in der Politik zu nutzen. Wir leben in einer Übergangszeit. Meine eigene Generation ist nicht selbstverständlich mit dem PC und schon gar nicht mit dem Internet aufgewachsen. Die folgende Generation schon. Die gehen so vertraut mit den medialen Machbarkeiten unserer Zeit um, dass sie gar nicht mehr darüber nachdenken, dass das Kommunikationsmittel sind, die anderen ganz fremd oder vielleicht sogar wieder fremd geworden sind. Hier verspielen viele Menschen in der Politik eine Chance, wenn sie den Weg des Dialogs nicht suchen oder vernachlässigen. Sicher, keiner kann in jedem Netzwerk 100% unterwegs sein. Der Tag hat nur 24 Stunden und keiner möchte Zeit “verdaddeln”. Trotzdem kann es nur einen Weg geben, dran bleiben! Das ist harte Arbeit, aber die Pflege einer jeden Beziehung ist mit Einsatz verbunden. Entweder ich will es, oder ich will es nicht – up to you!

Ein zweiter Aspekt ist die bereits erwähnt Ernsthaftigkeit. Wenn nur gefilterte Informationen oder Informationen durch die Hände Dritter kommen, verlieren diese “Spontan-Medien” ihren Reiz. Dass vielleicht die Kanzlerin nicht alles selbst twittert, ist verständlich. Aber ein Landtagsabgeordneter sollte, wenn er sich auf Twitter, Facebook & Co. einläßt schon hin und wieder authentisch und damit selbst über den Äther kommen. Apropos Kanzlerin, für ihr wöchtentliches Video-Podcast nimmt sie sich Zeit. Bilder sagen eben mehr als Tausend Worte.

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