Solarer Krieg

Die Hiobsbotschaften aus der Solarindustrie reißen nicht ab: Letzte Woche meldet das Berliner Vorzeige-Solarunternehmen Solon (Adlershof) Insolvenz an. Heute zieht das Erlanger Unternehmen Solar Millennium offiziell nach. Nach “Wir entwickeln die Zukunft” (Slogan von Solar Millennium) sieht das nicht aus. In den USA haben erst vor kurzem mehere Hersteller einen Insolvenzantrag stellen müssen (u.a. SES, Solyndra, Evergreen Solar und Spectrawatt). Auch die deutschen Unternehmen Conergy, Q-Cells und Phoenix Solar schwächeln. Was ist da los? Hieß es nicht kürzlich noch, dass die Solar-Branche eine der Wachstumsindustrien schlechthin sei? Nach der sogenannten Energiewende wollten plötzlich alle wieder Sonne ernten und es herrschte Goldgräberstimmung. Die ist so schnell verflogen wie Siliziumsand in der Steppe. Keine Frage, der internationale Handelskrieg macht westlichen Unternehmen schwer zu schaffen. Handelskrieg ist gewiss ein hartes Wort, aber es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, wenn man derzeit die Nachrichten in diesem Zusammenhang insbesondere aus China verfolgt. Nur, hat man sich nicht gerade auch in Deutschland zu lange auf der nicht enden wollenden Erfolgskurve dieser jungen Industrie ausgeruht? Haben die massiven Subventionen nicht eher zum Müßiggang verleitet denn zur Suche nach langfristigen Überlebensstrategien dieser Firmen beigetragen? Was jetzt offensichtlich stattfindet, ist ein Sog nach unten. Das unsgesunde, rasante Wachstum von Unternehmen wie Q-Cells z.B. hat gezeigt, dass die Bäume eben nicht in den Himmel wachsen.

Damit eines klar ist: Innovationen zu fördern und zu stützen ist mitunter lebensnotwendig für aufwendige Technologien. Sonst haben die in direkter Konkurrenz zu althergebrachten Industrien keine Chance. Öl brennt eben leichter als sich Strom aus dem Sonnenschein gewinnen läßt. Andererseits dürfte man auch in Frage stellen, ob die Befürworter der Solar-Subventionen richtig liegen, wenn sie einwenden, man habe zu früh auf die Netzparität (verkürzt: Solarstrom und “Steckdosenstrom” sind gleich teuer) von Solarenergie gesetzt und die Krise durch die Absenkung der Einspeisevergütung über das EEG (Erneuerbare Energiengesetz) vorschnell herbeigeführt. Außerdem hätten sich die Herstellungskosten durch die Verteuerung der Rohstoffe vervielfacht. Letzteres ist ein Fakt.

Dennoch, den Wettlauf der Subventionierung mit einem Land wie China können wir niemals gewinnen, das ist ebenfalls eine Binsenweisheit. Da wir nach Adam Riese jeden (Subventions-)Euro nur einmal ausgeben können, ist mit den zahlreichen Insolvenzen (heißt leidglich zahlungsunfähig nicht “vernichtet”) leider auch viel investiertes Kapial in der Sonne geschmolzen. Spätestens an dieser Stelle sollte die Frage erlaubt sein, ob solare Subventionen nicht besser in die Errichtung bzw. den Ausbau intelligenter Netze (“Smart Grid”) angelegt sind. So lange die bestehende Netzinfrastruktur nur Einwegkommunikation kennt, also hin zur Steckdose, aber nicht wieder zurück, so lange wird auch die Effizienz in diesem Bereich fehlen. Das “schlaue” Netz würde es auch leichter ermöglichen, Energie zu speichern – bei so launischer Produktion wie in Deutschland durch Wind und Sonne unerläßlich. Vielleicht ist es möglich, an dieser Stelle seinen Frieden mit China zu suchen und in Deutschland/Europa zunächst einmal die notwendige Infrastruktur aufzubauen. Ohne vernünftige Straßen wären auch Autos völlig sinnlos – SUVs eingeschlossen! Von diesem Beispiel könnte man sich in der Energiepolitik doch einmal abschauen, wie man es machen muss.

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