SPD geht nicht in Rente

Morgen (22.5.) wählt also das schöne Bundesland Bremen. Außerhalb Deutschlands läßt sich das zwar nur schwer erklären, dass diese Freie und Hansestadt mit gut 320 Quadratkilometern Fläche und nicht einmal 550Tausend Einwohnern (Stand 2010) ein eigenes Bundesland ist. Aber gut, das Föderlismusfass an dieser Stelle aufzumachen, führt einfach zu weit. Am Ende wäre auch die Frage, wer es haben will. Niedersachsen hätte gewissermaßen natürliche Anrechte, aber was soll das Flächenland mit so einer armen Stadt-Kirchenmaus?

Eine Überraschung dürfte die Wahl morgen nicht wirklich bereithalten: Die Schockwellen für den Bundesrat kamen vor einigen Wochen aus Baden-Württemberg. Die amtierende rot-grüne Koalition, die die Landesregierung trägt, ist von den Mehrheitsverhältnissen komfortabler als eine “Große” Koalition (von diesem Begriff muss man sowieso bald Abschied nehmen, wenn CDU und SPD als Volksparteien immer weiter schrumpfen). Über schwarz-gelb mußte man in Bremen noch nie nachdenken und rot-rot-grün wird mehrheitstechnisch nicht benötigt; ebenso wenig wie Jamaika bzw. die “Schwampel”.

Eines erstaunt aber nun doch: Seit 65 Jahren ist Bremen (und Bremerhaven) in SPD-Hand – mit wechselnden Partnern zwar, aber immerhin. Normalerweise geht man in dem Alter in Rente – oder ist schon da. Nicht so die Bremer SPD. Es müsste in der Tat mit mit dem Teufel zugehen, wenn der amtierende Bürgermeister Böhrnsen morgen Abend nicht weiterregieren könnte und die Grünen das Zepter – halt, in Bremen muss man eher vom “Schlüssel” sprechen – übernehmen würden. Diese monoparteiische Ausrichtung von Stadt und Hafen ist ein Phänomen und könnte doch für eine kleine Überraschung sorgen.

Zum einen könnten die traditionellen SPD-Wähler langsam wirklich sagen: “Was sollen wir denn noch wählen gehen, wir gewinnen eh.” Zum anderen könnte eine junge Truppe um die Ecke kommen, die in der letzten Woche enorm an Zulauf bekommen hat: Röslers verjüngte FDP. Seit einer Wahlperiode sind die Liberalen wieder in der Bürgerschaft. Davor waren sie 12 Jahre in der politischen Bremer Diaspora. Kein Wunder, dass der Bremer FDP-Chef Möllenstädt bei einer Wahlkampfveranstaltung mit dem neuen Bundesvorsitzenden folgendes hervorhebt: Es sei eben egal, ob die CDU bei 20 oder 21 Prozent liege. Nicht egal hingegen sei, ob die FDP 4 oder 5 Prozent bekomme. Kommen sie über die fünf Prozent, könnten sie es schaffen, in Zukunft durchaus eine gewichtigere Rolle zu spielen. Diese Hürde scheinen die Linken genommen zu haben, die im Vorfeld bei rund 6 Prozent liegen.

Am Ende wird man Bremen wohl nur als SPD-Rentenverlängerungs-Bundesland in Erinnerung behalten. Aber mit 69 ist man ja auch noch jung genug heutzutage, um in den wohlverdienten Ruhestand zu wechseln. Warten wir zunächst den morgigen Sonntag einmal ab.

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