Posts Tagged: Christian Wulff


25
Mrz 13

Ein Skandal der Medien

Plötzlich machen sich Journalisten zu Anwälten für Christian Wulff. Die Justiz verlöre jedes Maß. Ihren eigenen Beitrag am Zustandekommen dieser Tragödie übersehen sie.

Plötzlich machen sich Journalisten zu Anwälten für Christian Wulff. Die Justiz verlöre jedes Maß. Ihren eigenen Beitrag am Zustandekommen dieser Tragödie übersehen sie.

Es ist traurig. Immer mehr Journalisten beklagen nun in großen Worten den Kleinmut und die Oberflächlichkeit der Justiz. Dieses Zitat des Journalisten Christoph Seils ist nur eines in einer Reihe von Beiträgen, die nun die Justiz kritisieren:

»Sie haben Wulff mit der Einleitung des Ermittlungsverfahrens im vergangenen Jahr vorverurteilt. Denn auch sie wussten um die Konsequenzen, die Wulff ziehen würde. Um so sorgfältiger hätten sie im Vorfeld ihr Tun abwägen müssen und es zeigt sich einmal mehr, dass nur in der Theorie alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.«

Ganz sicher hat auch die Justiz Fehler gemacht. Doch vorverurteilt worden ist Wulff nicht von der Justiz, sondern von der selbsternannten vierten Gewalt in diesem Land: den Medien. Sie, namentlich die BILD und der Spiegel haben ein Klima erzeugt, in dem die Justiz gar nicht anders konnte, als Ermittlungen aufzunehmen.
Die Schlagzeile hätte ich sehen wollen, wenn die Staatsanwaltschaft, ausgerechnet aus dem damals noch von Wulffs Freund David McAllister regierten Hannover, KEINE Ermittlungen gegen Christian Wulff eingeleitet hätte! Continue reading →


14
Jan 13

Erst bejubelt, dann zerstört

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Es ist abstossend. Die niedersächsische Justiz findet keine Beweise, die die Vorwürfe gegen Christian Wulff belegen. Aber sie hat nicht den Mut, dies selbst zu erklären, sondern überlässt es den Jägern, den Ton zu setzen. “Wulff bleibt Anklage erspart.” Hallo? Entweder es gibt Beweise, die “gerichtsfest” sind. Dann wird er angeklagt und der Rücktritt wäre gerechtfertigt. Oder es gibt eben keine Beweise. Dann wäre Wulff in den Medien “vorverurteilt” und letztlich zum Rücktritt gezwungen worden. Letzteres scheint nun in der Staatsanwaltschaft Hannover zu dämmern. Dann sollte sie es jedoch auch so sagen. Continue reading →


8
Mrz 12

Ein Zapfenstreich in Ehren

“Ultimately, our humanity depends on everyone‘s humanity. (…) Each of us is more than the worst thing we‘ve ever done. (…) If somebody tells a lie, they are not just a liar. If somebody takes something that doesn‘t belong to them they are not just a thief. Even if you kill someone, you are not just a killer. And because of that, there is this basic human dignity that must be respected…”

Bryan Stevenson ist Anwalt. Er ist mehr als ein Anwalt: Er ist Vorstandsvorsitzender der Equal Justice Initiative („Initiative für gleiches Recht“) und ein Aktivist für Menschenrechte in den USA. Das Zitat entstammt einer Rede, die Bryan Stevenson vor wenigen Tagen in Kalifornien auf der Konferenz TED 2012 gehalten hat, und er bezog sich damit auf die Ungerechtigkeit im Umgang mit Gesetzesverstößen. Es ist ein Zitat, das auch auf den Umgang mit Christian Wulff angewendet werden kann.

Wulff, der heute mit einem Großen Zapfenstreich von der Bundeswehr aus dem Amt des Bundespräsidenten verabschiedet wird. Ein Amt, das Wulff als vorläufige Krönung seiner Karriere am 30. Juni 2010 von der Bundesversammlung übertragen bekam und das er nach nicht einmal zwei Jahren am 17. Februar 2012 auf massiven öffentlichen Druck aufgegeben hat, ohne dass der würdelose Umgang mit einem der einstmals beliebtesten Politiker und jüngsten Bundespräsidenten im wiedervereinigten Deutschland ein Ende gefunden hätte.
Zu Christian Wulff ist an dieser Stelle vieles bereits geschrieben worden. Viele Leser und Weggefährten haben mich gefragt, warum ich in der Debatte, die seit dem 13. Dezember um ihn und seinen Umgang mit „dem Amt“ entbrannte, so „kritiklos“ und „fanatisch“ für ihn Partei ergriffen habe. Viele Leser dieses Beitrages werden sich möglicherweise fragen, warum ich erneut zur Feder greife (die tatsächlich Tasten sind). Gar Wulff, der zweifellos schwere Fehler gemacht hat, mit Opfern rassisistisch motivierter Ungleichbehandlung vergleiche, für die sich Bryan Stevenson so engagiert einsetzt.
Die Antwort ist einfach: Weil es mir darum geht, dass unsere Gesellschaft sich ihrer eigenen Verantwortung erinnert, bevor sie andere ermahnt oder gar zur Rechenschaft zieht. Und auch, dass sie die hohen Maßstäbe, die sie bei der Beurteilung von Amts- und Mandatsträgern anlegen will, zunächst von sich selbst erwarten sollte. Denn daran mangelt es im Umgang mit Christian Wulff erheblich und selbst dann, wenn alle bis dato unbewiesenen Vorwürfe tatsächlich zutreffen sollten!
Gerade weil ich selbst meine eigene Meinung zu keinem Zeitpunkt an und vor Christian Wulff ausgerichtet habe (auch nicht, als er mich zwischen 1997 und 1998 im zweiten seiner Landtagswahlkämpfe angestellt und bezahlt hat), erhebe ich den Anspruch, unbefangener als manch anderer auf das zu blicken, was Wulff vorgehalten wird. Und darauf, wie es geschieht.
Tatsächlich ist es gerade nicht so, dass kritiklos oder fanatisch Wulff rechtfertigt, wer seine Kritiker kritisiert. Niemals zuvor ist ein amtierender Bundespräsident auf Auslandsreise kompromittiert worden – und mit ihm das Land, was er repräsentiert. Salamitaktik, die ihm vorgeworfen worden ist, haben tatsächlich seine Kritiker in Redaktionen angewendet und damit ein bekanntes Drehbuch für politische Skandale minutiös befolgt. Und nicht nur das: alte Nachrichten neu aufgekocht – so wurde die Debatte genährt, als sich die Aufregung in der Bevölkerung zu legen schien. Auch vor Unwahrheiten und Falschdarstellungen schreckten die Medien nicht zurück. So wurden dem Unternehmer Groenewold Vertuschungsabsichten nicht nur unterstellt, sondern auch Versuche angedichtet, belastende Belege in seinen Besitz zu bringen, die sich durch einfache, handwerklich-selbstverständliche Cross-Recherche hätten vermeiden lassen.
Bis heute sind keine Vorwürfe bewiesen. Tatsächlich gibt es sogar Ermittlungsergebnisse, die die Schilderung von Christian Wulff stützen.
Wenig beachtet ist auch die Tragweite der Vorwürfe gegen Christian Wulff. Selbst wenn sie zutreffen sollten, ist alles doch bisher sehr harmlos: Keine Ausnutzung von Amtsgeheimnissen oder dienstlich erworbenen Kontakten. Und Berichte über Interessenskollisionen wie von früheren Spitzenpolitikern gibt es im Fall Wulff auch nicht. Dennoch wird mit erbarmungsloser Härte auf den ehemaligen Bundespräsidenten eingeschlagen. Warum?
Weshalb haben wir nicht die Gleichmut, den staatlichen Institutionen zu vertrauen? Angefangen bei der Bundesversammlung, die – wenn auch knapp – eine demokratisch legitimierte Entscheidung zur Bestimmung des deutschen Staatsoberhauptes getroffen hat, über die Justiz bis hin zur Legislative, die in Vertretung des Souveräns über die würdevolle und angemessene Vertretung der Bevölkerung wacht und gegebenenfalls mit Untersuchungsausschüssen eigene Ermittlungen bei schwer wiegenden Verfehlungen anstellen kann. Doch was hat Christian Wulff schwer wiegendes getan, dass so eine so beispiellose Kampagne losgetreten wird?
Die Beschädigung des Amtes durch Wulff wurde beklagt. Worin sollte diese Beschädigung bestehen, wenn nicht auch in der beispiellosen Kritik an seiner Person. Die Leistung des Bundespräsidenten Wulff sei mager gewesen, heisst es. Tatsächlich? Wie kein Bundespräsident vor ihm hat sich Christian Wulff um die Integration der Zuwanderer, insbesondere türkischer Abstammung in Deutschland eingesetzt. Gerade die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Rechtsterrorismus in Deutschland hat das bewiesen, als – von den Medien kaum berichtet – sich der Vertreter der Opfer, Ismail Yozgat, ausdrücklich bei Wulff bedankte.

Wulffs Satz vom 3. Oktober 2010 wird lange nachwirken: “Der Islam gehört auch zu Deutschland“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Millionen Fußballfans in diesem Sommer Erfolge bejubeln, die eine deutsche Mannschaft mit maßgeblicher Unterstützung muslimischer Spieler erzielt.
Gerechtigkeit, jener Wert, den Bryan Stevenson von der amerikanischen Gesellschaft im Umgang mit schwarzen Straftätern und Verdächtigen einklagt, verlangt es, dass jeder Mensch bis zum Beweis des Gegenteils als unschuldig anzusehen ist. Die Urteile über Christian Wulff sind millionenfach gedruckt, online und über den Äther verbreitet worden, sowohl politisch als auch juristisch. Die politische Existenz von Christian Wulff ist zerstört. Seine persönliche wird weiter angegriffen, auch indem man ihm das Recht auf einen Zapfenstreich abzusprechen versucht.

Vergessen wir als Gesellschaft nicht die Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten und die Deutschland lebenswert machen. Christlich-abendländische Werte wie Mitmenschlichkeit und Nachsichtigkeit. Selbst gegenüber jenen, die Fehler machen. Fehler sind menschlich. Der Umgang mit Christian Wulff hat diesen Geist vermissen lassen.
Finden wir den Mut, uns frei zu machen von dem Zwang, über andere zu urteilen. Überlassen wir das den Gerichten. Medien sollen informieren. Urteilen und verfolgen sollen sie nicht. “Jeder von uns ist mehr als die schlimmste seiner Verfehlungen,” formuliert Bryan Stevenson. Auch Christian Wulff. Selbst dann, wenn alle Vorwürfe gegen ihn zutreffen sollten, hat Christian Wulff sich Verdienste um unser Land erworben. Vergessen wir das nicht!

Ich gönne ihm den Zapfenstreich in Ehren!


9
Feb 12

Medien und Politik

Art. 5 des Grundgesetzes regelt die Presse- und Meinungsfreiheit. Absatz zwei ihre Grenzen. Das wird oft vergessen.

Art. 5 des Grundgesetzes regelt die Presse- und Meinungsfreiheit. Absatz zwei ihre Grenzen. Das wird oft vergessen.

Parteien sind frei. Und: die Presse wirkt an der Politischen Willensbildung mit.
Moment mal, ist da nicht etwas durcheinander geraten im Verhältnis von Presse und Politik? Artikel 21 des Grundgesetzes regelt die Mitwirkung der Parteien an der Willensbildung. Medien sollen frei berichten dürfen, was in Artikel 5 des Grundgesetzes geregelt ist. Wohlgemerkt berichten. Erfinden ist nicht von der Pressefreiheit gedeckt, ebensowenig wie die Beeinträchtigung der Persönlichkeitsrechte. Letzteres soll übrigens weniger die Eingriffe in das Privatleben von Prominenten verhindern, die sich zuvor selbst privat für Medienberichte geöffnet haben. Vielmehr geht es dem Grundgesetz bei der dortselbst festgelegten Einschränkung der Pressefeiheit ausdrücklich um den Schutz der Ehre. Nicht erst in den letzten neun Wochen der Berichterstattung über Bundespräsident Christian Wulff ist die Eigenverantwortung der Medien an erschreckend vielen Stellen scheinbar völlig abhanden gekommen. Dort jedoch in eklatanter Offenheit, wie eine Übersicht der Vorwürfe und Sachverhalte vom heutigen Tag zeigt. Continue reading →


28
Jan 12

Selbstgerechter Zynismus

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Der Sprengsatz verspricht Brisanz. Ein politisches Blog erklärt uns die Welt. Heute erfahren wir, dass wir mit Wulff werden leben müssen. Im Text schildert der frühere Springer-Topjournalist und Naked Gun Geheimwaffe von Edmund Stoiber, Michael Spreng, wie tragisch das Beharren von Christian Wulff im Amt des Bundespräsidenten ist.
Das wirkliche Drama in dieser Sache verbirgt sich hinter dem selbstgerechten Zynismus der “professionellen Journalisten”. Nicht nur Kai Jong Dick Man (Helmut Schümann vom Tagesspiegel gebührt die Ehre für diese Analogie), auch “Ehemalige” wie Michael Spreng wollen nicht erkennen, dass nicht der Journalismus entscheidet, was Recht und Unrecht ist. Auch nicht, was moralisch oder unmoralisch ist. Wo sind die Schlagzeilen zu Helmut Dietl “Wulff ist die Bande, Merkel ist das Ziel“? Wo ist die Sorgfalt in der Recherche? Hintergründe werden nur dann beleuchtet, wenn es dem angestrebten Ziel dient, die “Unmöglichkeit des Wulffschen Beharrens” zu unterstreichen. Wo ist die Recherche in die andere Richtung? Qui bono?
Jetzt ist es die Nord/LB, die als Beweis herhalten muss für die “Lügen der Landesregierung Niedersachsens unter Wulff”. Sie sei “vom Land beherrscht“, daher sei die Nichterwähnung des Nord/LB-Engagements beim Nord-Süd-Dialog eine Täuschung des Parlaments im Sinne der Anfrage des Abgeordneten Bartling (SPD).
Wenn wir soweit bereits sind, dann wird es viel zu untersuchen geben über Verquickungen der Wirtschaft mit der SPD und den von ihr geführten Landes- und früheren Bundesregierungen. Was Schmidt und der Nord-Süd-Dialog für Wulff, Oettinger und die von ihnen geführten Regierungen war, ist und war der VORWÄRTS über die SPD-Holding DDVG für Schröder, Gabriel und Co.
Hallo, geht’s noch?


17
Jan 12

Berlin ist ein Dorf

Dynamik, Kreativität und Aktualität sind Merkmale von Gottschalk live in der ARD

Thomas Gottschalk ist in Berlin. Wie bereits vielfach berichtet, wird der Wetter, wie er sich einmal selbst in einem denkwürdigen Auftritt bei Ulrich Wickert in den Tagesthemen nannte, ab dem 23. Januar, aus der Hauptstadt seine neue Show Gottschalk live präsentieren. Die Vorbereitungen dazu laufen auf vollen Touren. Und wie man hört, verspricht das Format tatsächlich sehr interessant zu sein: Eine tagesaktuelle Sendung zur besten Sendezeit vor der Tagesschau mit allen Themen, die die Menschen und das Land bewegen. Und, im Unterschied zu vielen anderen Sendungen, echt live! Continue reading →


14
Jan 12

»Christian, wir wollen Abbitte leisten«

Die Sendung »Maybritt Illner« vom 12. Januar 2012

Politiker sind unglaubwürdig und Fußballer haben nichts in der Birne. So lauten zwei der bekanntesten Vorurteile in unserem Land. Die Medien-Affäre um Bundespräsident Christian Wulff konzentriert sich inzwischen fast ausschliesslich auf den ersten Punkt: den “Schaden”, welchen Bundespräsident Wulff anrichtet, wenn er weiter “an seinem Amt klebt” (Plasberg). Abgesehen davon, dass es nachdenklich stimmen sollte, wenn sich ein Politiker wie Christian Wulff ein nie dagewesenes Trommelfeuer der veröffentlichten Meinung auch nach vier Wochen noch zumutet, anstatt den einfachen Weg zu gehen und bei vollen Bezügen und mit lebenslangem Büro und Fahrer zu demissieren und das Leben zu genießen, lohnt es, sich einmal der Frage zuzuwenden, die offensichtlich viele Journalisten in diesen Tagen umtreibt: welche Anforderungen muss ein Bundespräsident erfüllen? Und welche Fehler darf er sich erlauben? Erst danach lässt sich absehen, wie die Haltung von Bundespräsident Wulff zu bewerten sein wird. Und erst dann kann das Land die Frage beantworten, ob der bisher jüngste Bundespräsident in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich das Format für diese höchste Amt nicht hatte und besser Landrat von Osnabrück geworden wäre, als Nachfolger von Theodor Heuss, Richard von Weizsäcker oder Johannes Rau.
Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT, die das letzte große Interview mit dem
Bundespräsidenten geführt hat, bevor die aktuelle Krise eintrat, stellt hierzu fest: Wulff ist wie wir. Er hat es darüber hinaus gewagt, das konservative Weltbild durch Bekenntnisse zur kulturellen und religiösen Vielfalt in Deutschland ins Wanken zu bringen. Anders formuliert: Wulff hatte begonnen, Spuren auf Wegen zu hinterlassen, die seine Amtsvorgänger nicht gegangen waren.
Was sonst ist Christian Wulff vorzuwerfen? Salamitaktik, also ein taktisches Verhalten zur Wahrheit, das immer nur zugibt, was nicht mehr zu dementieren ist? Ungeschicklichkeit im Umgang mit den Medien? Verschleierung und Verdunkelung? Vorteilsnahme im Amt? Die ZDF-Sendung Maybritt Illner hat zu dieser Liste potentieller Verfehlungen am Donnerstag noch eine neue Dimension hinzugefugt: es könne sogar “Korruption und Geldwäsche” sein, meinte der schillernde “Kommunikationsberater” Klaus Kocks

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10
Jan 12

Verschwörungstheorien

Die Facebook-Seite "Mahnung an die Presse" thematisiert den skandalösen Umgang einiger Medien mit dem Amt des Bundespräsidenten

Ein geschätzter Kollege hat mich via Facebook auf meinen gestrigen Post angesprochen. Er schreibt:

Lieber Uwe Alschner, ich kann Deine Verschwörungstheorie nicht vollständig teilen, mir scheint ziemlich offensichtlich, dass es beides ist: erstens ein Fehlverhalten des Bundespräsidenten, das wir so noch nicht kannten, und zweitens eine Medieninszenierung, die so zwar schon oft gesehen haben, in deren Falle aber bisher noch kein Bundespräsident gegangen war. CW hat sich erst falsch und dann auch noch sehr ungeschickt verhalten. Aus meiner Sicht kein Grund für einen Rücktritt – aber enttäuscht bin ich schon.

Ich habe ihm dazu dieses entgegnet:

Lieber H., gar kein Dissens! Fehler, schwere Fehler hat er auch schon eingeräumt. Dennoch ist die Frage der Verschwörung/abgesprochene Kampagne heute auch noch mal (im Print heute, online bereits gestern) von Malte Lehming im Tagesspiegel dokumentiert worden. Passt alles – und ist auch alles bekannt gewesen. Niemand hat gefragt. Warum nicht?
Was du zum “in die Falle tappen” schreibst, ist zweischneidig. Es hat noch keinen Bundespräsident gegeben, der sich auf Auslandsreise einer solchen Herausforderung gegenüber sah (ist auch in der Checkliste: Auslandsreise!). Also muss man ihm zugute halten, dass er sah, wie einmalig mit ihm umgesprungen wurde. Und einen “einmaligen” Anruf zur Klarstellung der Konsequenzen bei KD und MD getätigt hat. Dass beide – und wie beide – diesen Umstand mit instrumentalisierten, ist der wirkliche Skandal! Vieles von dem, was Wulff nun vorgehalten wird, hat es früher auch gegeben. Sogar Kanzler, also Exekutivorgane (!), haben bei Intendanten, Herausgebern und Chefredakteuren interveniert (siehe dazu auch Gauland gestern im TSP), ohne dass sich irgendjemand traute, das zu nutzen. Bei Wulff wird es nun anders gemacht. Weil das Amt schwach ist (wenn er schwach wäre, hätte er das Amt bereits aufgegeben) und keine andere “Macht” hat als das Wort. Man muss es ihm also nur oft genug im Munde umdrehen, um ihn schlecht aussehen zu lassen!
Alles hat nur ein Ziel: Die Kanzlerin zu schwächen. Wulff hätte beidrehen und sich in Stellung bringen lassen können so wie gewünscht – und das Ziel wäre erreicht ohne den Bundespräsidenten offen anzugreifen. Oder er hätte nicht beidrehen können, dann wäre passiert, was nun passiert – und das Ziel ist erreicht, indem man den Bundespräsidenten (ihren Kandidaten) als Depp hinstellt.

Das nennt man “Win-Win”!


9
Jan 12

Sie treiben es doll …

ARD-Talkmaster Günther Jauch hat selbst als Top-Journalist keine Hemmungen gehabt, Kollegen strafrechtlich zu belangen. Glaubwürdiger wird seine Kritik an Bundespräsident Wulff dadurch nicht.

Bundespräsident Wulff steht weiter in der Kritik. Gestern Abend haben ihm in der ARD-Sendung Günther Jauch die … ich suche nach dem passenden Adjektiv … bemerkenswerten … Journalisten Nikolaus Blome und Georg Mascolo mit sehr kritischem Ton vorgehalten, wie schlecht er seinem selbst gewählten Transparenz-Anspruch gerecht werde. Sogar ein Profi-Journalist wie Günther Jauch war beeindruckt und huldigte ihnen mit … bemerkenswerten … Suggestiv-Fragen. Blome und Mascolo mussten sich in keiner Weise rechtfertigen. Etwa für das nach wie vor einmalige Verhalten, einen amtierenden Bundespräsidenten auf Auslandsreise mit der Publikation einer innenpolitischen Nachricht zu überraschen. Sie hatten Gelegenheit, staatstragend zu erklären, dass auch sie sich “einen guten Bundespräsidenten” wünschten, es aber als ihre Aufgabe verstehen, im Interesse der Öffentlichkeit aufzuklären, wo der Politiker Christian Wulff hinter seinem Anspruch zurück bleibt. Und wie er damit dem Anspruch der Öffentlichkeit an einen guten Bundespräsidenten nicht genügt. Persönlich hätten sie ansonsten gar nichts gegen die Person Christian Wulff. Abgesehen davon, dass hinter dieser behaupteten Neutralität erhebliche Fragezeichen bestehen, wie fettehenne.info hier aufgezeigt hat, bekommt das Bild der Saubermänner in puncto Transparenz mittlerweile erhebliche Risse. Auch weil sich Gerüchte halten, dass es um diese Diskrepanz im eigenen Anspruch der Aufklärer und ihre Methoden in jenen Teilen der Mailbox-Nachricht für Kai Diekmann gehen soll, die bisher nicht veröffentlicht worden sind. Doch der Reihe nach:

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8
Jan 12

Im Aufzug

Weise Worte im Juni 2011 - Journalisten mögen keine Enttäuschungen

Die Menschen im Land können es kaum noch hören. Wulff und die BILD. Als ob es keine drängenderen Probleme gebe, fragen sich Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher beim Gespräch über den Gartenzaun. Nun ist dies kein Blog für Lieschen oder Otto. Die fette-henne.info ist ein Blog über Hintergründiges in der Politik. Die Gefahr, unsere Stamm-Klientel zu nerven, besteht also nicht. Und selbst wenn: inzwischen gibt es in diesem Land tatsächlich nichts Wichtigeres. Denn es geht um das Selbstverständnis der Presse. Oder um den Aufzug.
Gerade in diesen Tagen wird immer wieder das Zitat von Mathias Döpfner, dem nun “plötzlich” auch “bedrohten” Chef des Springer-Verlags, bemüht: wer mit BILD im Aufzug hoch fährt, fährt auch mit BILD wieder hinab. Continue reading →


7
Jan 12

Salami a la BILD: Wulff bat um Aufschub!

Bildschirmfoto 2012-01-07 um 16.53.49

Versteckt im Kleingedruckten bestätigt BILD: Wulff bat um »Aufschub«

Also doch: Christian Wulff bat im Anruf bei BILD-Chefredakteur Kai Diekmann um “Aufschub”. Dies bestätigt BILD selbst in ihrem “Recherche-Protokoll“. Ohne dass davon jemand Kenntnis genommen hätte. Weder hat BILD sich dazu weiter eingelassen, was dieser Sinneswandel zu bedeuten habe, noch hat irgend eine andere Redaktion bis dato diese nicht ganz unerhebliche Kleinigkeit vermeldet. Das ist dreist und nicht gerade geeignet, den sonstigen Vorwürfen gegen den Bundespräsidenten Glaubwürdigkeit zu verleihen. Um es mit Hans Leyendecker zu sagen: ein doch wohl eher taktisches Verhalten zur Wahrheit.
Wie es gerade passt, wird Wulff mal vorgeworfen, er solle sich persönlich äußern, sich erklären. Tut er dies, wird ihm spöttisch von Chefredakteuren vorgehalten, er melde sich “ständig in eigener Sache”. Politische Gegner nutzen die Aufregung für ihre Zwecke und werfen Wulff “Salamitaktik” vor.

Salame, das ist eine italienische Dauerwurst in verschiedenen Qualitätsstufen, die hierzulande, wenn sie echt sein soll, eher teuer ist. Weil importiert. Die billige Variante ist derbe westfälische Plockwurst.
Kai Diekmann wuchs in Bielefeld auf. Bielefeld liegt in Westfalen.

Die Vorwürfe gegen Wulff sind billig!


6
Jan 12

Was dann?

BILD-Chefredakteur Kai Diekmann dementiert wenig überzeugend einen »Machtkampf«

Sehr geehrter Herr Diekmann,

In der heutigen Ausgabe der BILD schreiben Sie, es gehe “wahrhaft völlig in die Irre”, wer “die Probleme des Bundespräsidenten” zu einem Machtkampf zwischen ihm und BILD “aufpumpt”.
Lassen Sie sich dazu gesagt sein: das sehen die Menschen in Deutschland ganz anders, was zuletzt gestern Abend der ARD-Deutschlandtrend bestätigt hat: Zwar kommt auch Christian Wulff im Urteil der Bürger nicht mit einem Freispruch weg. Dafür gibt es erstens keinen Anlass und zweitens gute Gründe, wofür sich der Bundespräsident in einer bislang einmaligen Geste persönlich entschuldigt hat. Wichtiger aber als dieses Detail ist die Tatsache, dass die Menschen spüren, wie vordergründig die Kritik der Medien und insbesonderer Ihrer Redaktion an der Person und Amtsführung des Bundespräsidenten ist: fast zwei Drittel der Deutschen sind der Überzeugung, die Medien, wollten “Wulff fertig machen”. Das sollten sie bedenken!
Was denn dann, wenn kein Machtkampf, soll das sein, was Sie gegenwärtig um die Person Wulff veranstalten? Warum titelt Ihr Blatt heute suggestiv “Befreiungsschlag oder Schlag ins Wasser?” als ob es nur diese Zwei Alternativen gebe? Was, wenn das Interview kein Befreiungsschlag sein sollte, sondern nur ein aufrichtiger “Versuch einer Erklärung”, wie der Bundespräsident im Gespräch selbst bemerkt hat? Sie treiben Christian Wulff vor sich her, nicht erst seit der infamen Instrumentalisierung eines ansonsten sicher nicht klugen Anrufes von Herrn Wulff auf Ihrer Mailbox. Warum mussten Sie den Bundespräsidenten in einer Angelegenheit, die weder seine Amtsführung an sich betraf, noch unmittelbar zeitkritisch gewesen ist, auf einer Auslandsreise mit ein angekündigten Veröffentlichung über sein Privatleben unter Druck setzen? Haben Sie kein Verständnis dafür, dass in einer solchen Situation auch ein Bundespräsident emotional reagieren kann? Sie – und übrigens ich auch – wissen aus eigener beruflicher Erfahrung, dass Herr Wulff beileibe nicht der einzige und sicher auch nicht der mächtigste Politiker wäre, der sich gelegentlich im Ton vegriffen hätte. Hängen Sie die Causa Wulff deswegen so hoch, weil Herr Wulff sie nicht zu seinem Biografen ausgewählt hat?
Spüren sie nicht, wie dünn das Eis ist, auf das Sie das Land führen? Jawohl, das Land, das sich eine solche Krise in Zeiten großer weltweiter Verunsicherung nicht erlauben sollte. Wo es, wie viele Menschen finden, wahrlich wichtigere Dinge gibt, um die sich Medien kümmern sollten.

Ich bitte Sie dringend: Werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht und sagen Sie, was wirklich hinter dieser Affäre steht, oder halten Sie inne und lassen das Land zur Ruhe kommen. Wir werden es Ihnen danken!

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Alschner

P.S.: Um Ihnen die Recherche zu erleichtern: Ja, ich habe für Herrn Wulff persönlich gearbeitet und bin auch Mitglied der CDU. Nein, niemand hat mich zu dieser Initiative ermuntert. Auch kein innerer JU-Korpsgeist. Ich handle als einfacher Bürger und aus Verantwortung für das Land, indem meine Kinder aufwachsen sollen. Es ist ein Land, indem nicht Chefredakteure entscheiden, wer Bundespräsident ist oder werden soll. Ich habe mich persönlich im Juni des vorvergangenen Jahres für Herrn Gauck ausgesprochen. Mit der bisherigen Amtsführung von Bundespräsident Wulff bin ich sehr zufrieden. Nicht mit der Behandlung der Sache durch die BILD und andere Redaktionen!


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