Posts Tagged: Medien


8
Apr 13

Stolz und Vorurteil

Foto: Screenshot Sueddeutsche.de

200 Jahre alt ist der nach Angaben der BBC zweitbeliebteste Romans der britischen Literatur. Sein Titel lautet Stolz und Vorurteil und die Autorin Jane Austen zeichnet darin ein Sittengemälde der Zeit eingangs des 19. Jahrhunderts. Mit Blick auf die Vorgänge rund um den bislang einzigen vorzeitigen und unfreiwilligen Rücktritt eines deutschen Bundespräsidenten ist dieser Titel auch heute noch aktuell, auch wenn es im Unterschied zum Austen-Buch bei diesem Skandal nur am Rande um Liebe geht. Doch es geht um eine Menge Vorurteile und leider auch zu viel Stolz, durch den dieser Fall eine beispiellose Tragik bekommen hat.

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25
Mrz 13

Ein Skandal der Medien

Plötzlich machen sich Journalisten zu Anwälten für Christian Wulff. Die Justiz verlöre jedes Maß. Ihren eigenen Beitrag am Zustandekommen dieser Tragödie übersehen sie.

Plötzlich machen sich Journalisten zu Anwälten für Christian Wulff. Die Justiz verlöre jedes Maß. Ihren eigenen Beitrag am Zustandekommen dieser Tragödie übersehen sie.

Es ist traurig. Immer mehr Journalisten beklagen nun in großen Worten den Kleinmut und die Oberflächlichkeit der Justiz. Dieses Zitat des Journalisten Christoph Seils ist nur eines in einer Reihe von Beiträgen, die nun die Justiz kritisieren:

»Sie haben Wulff mit der Einleitung des Ermittlungsverfahrens im vergangenen Jahr vorverurteilt. Denn auch sie wussten um die Konsequenzen, die Wulff ziehen würde. Um so sorgfältiger hätten sie im Vorfeld ihr Tun abwägen müssen und es zeigt sich einmal mehr, dass nur in der Theorie alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.«

Ganz sicher hat auch die Justiz Fehler gemacht. Doch vorverurteilt worden ist Wulff nicht von der Justiz, sondern von der selbsternannten vierten Gewalt in diesem Land: den Medien. Sie, namentlich die BILD und der Spiegel haben ein Klima erzeugt, in dem die Justiz gar nicht anders konnte, als Ermittlungen aufzunehmen.
Die Schlagzeile hätte ich sehen wollen, wenn die Staatsanwaltschaft, ausgerechnet aus dem damals noch von Wulffs Freund David McAllister regierten Hannover, KEINE Ermittlungen gegen Christian Wulff eingeleitet hätte! Continue reading →


13
Feb 12

WMD

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Als Colin Powell am 5. Februar 2003 seine Rede im New Yorker Hauptquartier der Vereinten Nationen beendet hatte, war der Fall klar: worüber die Welt seit vielen Wochen, spekuliert hatte, stand nun fest. Der Irak war im Besitz von Massenvernichtungswaffen. Umfangreiches Material wurde den Mitgliedern des Sicherheitsrates präsentiert, welches die USA seit Monaten recherchiert hatten und das die schlimmsten Vermutungen bestätigte. WMD, Weapons of Mass Destruction, gaben den letzten Ausschlag. WMD waren der Grund, weshalb schliesslich das drastischste aller Mittel angewendet werden konnte, ohne dass die Bevölkerung – Wähler in demokratischen Ländern – protestierten: Krieg!
Auch heute geht es wieder um WMD, so scheint es. Mit großem Aufwand recherchieren seit Monaten Kohorten von Spezialisten für das “Ausgraben” geheimster Details (“investigative Journalisten”) hinter Christian Wulff her. Und Wulff ist nicht irgendwer.

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25
Jan 12

Sauber geht anders

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Die Art und Weise, wie Politiker ihr Amt ausüben, wird immer kritisch von der Öffentlichkeit beobachtet. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Öffentlichkeit wird durch Medien hergestellt. Damit ist gemeint, dass die Medien den Raum bieten, in dem
Politisches Handeln wiedergegeben und bewertet wird. Durch Bereitstellung von Druckzeilen oder Sendeminuten. Zuweilen hat die Bevölkerung das Gefühl, Medien nehmen diesen Herstellungsanspruch zu wörtlich und schaffen, Realitäten, die es objektiv so nicht gibt. In der Affäre um die Vorwürfe gegen Bundespräsident Christian Wulff ist dies nur ein diffuses Gefühl. Doch es ist ein starkes Gefühl.
Mit Christian Wulff ist durch die Berichterstattung auch die CDU ins Gerede gekommen. Vor allem in Wulffs Heimatland. Jetzt gibt es dort jedoch einen handfesten Beweis, wie sich Medien “ihre Wirklichkeit” schaffen.

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17
Jan 12

Berlin ist ein Dorf

Dynamik, Kreativität und Aktualität sind Merkmale von Gottschalk live in der ARD

Thomas Gottschalk ist in Berlin. Wie bereits vielfach berichtet, wird der Wetter, wie er sich einmal selbst in einem denkwürdigen Auftritt bei Ulrich Wickert in den Tagesthemen nannte, ab dem 23. Januar, aus der Hauptstadt seine neue Show Gottschalk live präsentieren. Die Vorbereitungen dazu laufen auf vollen Touren. Und wie man hört, verspricht das Format tatsächlich sehr interessant zu sein: Eine tagesaktuelle Sendung zur besten Sendezeit vor der Tagesschau mit allen Themen, die die Menschen und das Land bewegen. Und, im Unterschied zu vielen anderen Sendungen, echt live! Continue reading →


14
Jan 12

»Christian, wir wollen Abbitte leisten«

Die Sendung »Maybritt Illner« vom 12. Januar 2012

Politiker sind unglaubwürdig und Fußballer haben nichts in der Birne. So lauten zwei der bekanntesten Vorurteile in unserem Land. Die Medien-Affäre um Bundespräsident Christian Wulff konzentriert sich inzwischen fast ausschliesslich auf den ersten Punkt: den “Schaden”, welchen Bundespräsident Wulff anrichtet, wenn er weiter “an seinem Amt klebt” (Plasberg). Abgesehen davon, dass es nachdenklich stimmen sollte, wenn sich ein Politiker wie Christian Wulff ein nie dagewesenes Trommelfeuer der veröffentlichten Meinung auch nach vier Wochen noch zumutet, anstatt den einfachen Weg zu gehen und bei vollen Bezügen und mit lebenslangem Büro und Fahrer zu demissieren und das Leben zu genießen, lohnt es, sich einmal der Frage zuzuwenden, die offensichtlich viele Journalisten in diesen Tagen umtreibt: welche Anforderungen muss ein Bundespräsident erfüllen? Und welche Fehler darf er sich erlauben? Erst danach lässt sich absehen, wie die Haltung von Bundespräsident Wulff zu bewerten sein wird. Und erst dann kann das Land die Frage beantworten, ob der bisher jüngste Bundespräsident in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich das Format für diese höchste Amt nicht hatte und besser Landrat von Osnabrück geworden wäre, als Nachfolger von Theodor Heuss, Richard von Weizsäcker oder Johannes Rau.
Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT, die das letzte große Interview mit dem
Bundespräsidenten geführt hat, bevor die aktuelle Krise eintrat, stellt hierzu fest: Wulff ist wie wir. Er hat es darüber hinaus gewagt, das konservative Weltbild durch Bekenntnisse zur kulturellen und religiösen Vielfalt in Deutschland ins Wanken zu bringen. Anders formuliert: Wulff hatte begonnen, Spuren auf Wegen zu hinterlassen, die seine Amtsvorgänger nicht gegangen waren.
Was sonst ist Christian Wulff vorzuwerfen? Salamitaktik, also ein taktisches Verhalten zur Wahrheit, das immer nur zugibt, was nicht mehr zu dementieren ist? Ungeschicklichkeit im Umgang mit den Medien? Verschleierung und Verdunkelung? Vorteilsnahme im Amt? Die ZDF-Sendung Maybritt Illner hat zu dieser Liste potentieller Verfehlungen am Donnerstag noch eine neue Dimension hinzugefugt: es könne sogar “Korruption und Geldwäsche” sein, meinte der schillernde “Kommunikationsberater” Klaus Kocks

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11
Jan 12

Fritz Pleitgen: “Ich bin sehr unsicher, ob die Vorwürfe so stimmen!”

Ist »sehr unsicher« ob die Vorwürfe gegen Christian Wulff so stimmen, Fritz Pleitgen will nicht in den Chor einstimmen.

Fritz F. Pleitgen, ehemaliger WDR-Intendant kritisiert Bundespräsident Christian Wulff für seine Fehler in der “Mailbox-Affäre” mit der BILD-Zeitung. Aber er fragt ebenso kritisch nach dem Beitrag der Medien zu dieser Affäre. “Kein Mensch glaubt, dass Wulff Diekmann einschüchtern konnte”, sagte der erfahrene Journalist in der ARD-Sendung “Hart aber Fair” vom 9. Januar 2012. Dabei ließ er sich auch von Moderator Frank Plasberg nicht in seinem Urteil beeinflussen und war neben den eher vorhersehbar selbstgerechten und eigeninteressierten Beiträgen anderer Teilnehmer zweifellos das Higlight der Sendung. Continue reading →


5
Jan 12

Die 150 Euro Frage

Bettina Schausten

150 Euro für eine Übernachtung bei Freunden zu zahlen, hat ZDF-Redakteurin Bettina Schausten im Interview mit Bundespräsident Wulff erklärt

Bettina Schausten erklärt, mit ihrer Antwort auf die 150-Euro-Frage “blockiert” zu haben, dass der Präsident das Gespräch auf die “privat-menschliche Ebene” herunterbrechen konnte.

Genau darum geht es tatsächlich: dem Bundespräsidenten wurde von Anfang an das Recht abgesprochen, die Hilfe langjähriger persönlicher Freunde in Anspruch zu nehmen. Um diese Haltung, die er bis heute konsequent annimmt, zu diskreditieren, wurden durch BILD, SPIEGEL und Co. Dinge verzerrt, Interviews gestückelt, Vorwürfe nachgeschoben. Sie haben damit dem Amt mehr geschadet als die Fehler, die Christian Wulff im übrigen eingeräumt hat. Er ist ein menschlicher Präsident. Aber niemand hat das Recht, an seiner Integrität zu zweifeln!


3
Jan 12

Entscheidet BILD, wer Bundespräsident sein darf?

Die Debatte um Bundespräsident Christian Wulff, seinen umstrittenen Privatkredit und seine Amtsführung entzweit das Land. Allenthalben macht sich Unbehagen breit. Die einen reagieren empört auf die Enthüllungen, die einen Präsidenten zu zeigen scheinen, der seinem Amt und den Anforderungen an seine persönliche Integrität nicht gewachsen zu sein scheint. Andere, und dazu zähle ich mich auch, sind entsetzt über eine beispiellose Kampagne. Angesichts der breiten medialen Front gegen Christian Wulff scheuen sich viele, offen für den früheren Niedersächsischen Ministerpräsidenten Partei zu ergreifen. Parteinahme für Wulff gilt als schädlich für die eigene Karriere. Niemand möchte sich der Gefahr aussetzen, zum “Freundeskreis” von Wulff gezählt zu werden. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, Farbe zu bekennen und zwei Dinge zu trennen: Ja, Christian Wulff ist nicht fehlerfrei. Er steht nicht deshalb über dem Gesetz, weil er im Juni 2010 zum Nachfolger von Hort Köhler in das Amt des Bundespräsidenten gewählt wurde. Möglicherweise war er nicht einmal der bessere der beiden Kandidaten, die damals zur Wahl standen. Und wahrscheinlich wären uns die peinlichen Enthüllungen, die seit nun bald einem Monat beinahe täglich präsentiert werden, mit Joachim Gauck erspart geblieben. Das mag sein.
Und dennoch: Nicht darin liegt der Skandal, zu dem sich die anfänglich “Kreditaffäre” bezeichnete Angelegenheit inzwischen ausgewachsen hat. Der Skandal liegt in der Selbstgerechtigkeit der selbsternannten Richter über Christian Wulff. Dass dazu zuvorderst die BILD-Zeitung gehört, offenbarte als Mitglied der BILD-Chefredaktion der Journalist Nikolaus Blome am 18. Dezember in der ARD-Sendung “Günther Jauch”, als er Wulff bereits als “unhaltbar” bezeichnete. BILD regiert vielleicht nicht die Welt, aber BILD tut so, als regierte das Blatt Deutschland. Continue reading →


20
Feb 11

Disputatio Guttenbergensis

Ist Karl Theodor zu Guttenberg nur deshalb noch Minister, weil – wie die Welt schreibt – der deutschen Politik die guten Männer ausgehen und Bundeskanzlerin Merkel ihn stützen musste? Oder ist er nur deshalb noch Minister, weil drei Viertel aller Deutschen eine Entlassung für unangemessen halten? Beobachtet man die deutschen Medien, könnte man diesen Eindruck gewinnen. Und damit nicht genug: geht es nach den Medien, ist Guttenberg schon überführt. Und zwar, weil seine Dissertation fremde Textpassagen enthalte, ohne dass sie gekennzeichnet seien. Deswegen, so legen SPIEGEL, Süddeutsche und andere Medien nahe, führe zu Guttenberg den Doktortitel zu unrecht.
Aber ist das so? Ist die Doktorarbeit deswegen wertlos, selbst wenn einige oder auch zahlreiche Passagen nicht aus der Feder des Doktoranden stammen sollten? Worum geht es bei einer Dissertation? Was macht die Arbeit promotionswürdig? Continue reading →


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