Posts Tagged: Wulff


8
Apr 13

Stolz und Vorurteil

Foto: Screenshot Sueddeutsche.de

200 Jahre alt ist der nach Angaben der BBC zweitbeliebteste Romans der britischen Literatur. Sein Titel lautet Stolz und Vorurteil und die Autorin Jane Austen zeichnet darin ein Sittengemälde der Zeit eingangs des 19. Jahrhunderts. Mit Blick auf die Vorgänge rund um den bislang einzigen vorzeitigen und unfreiwilligen Rücktritt eines deutschen Bundespräsidenten ist dieser Titel auch heute noch aktuell, auch wenn es im Unterschied zum Austen-Buch bei diesem Skandal nur am Rande um Liebe geht. Doch es geht um eine Menge Vorurteile und leider auch zu viel Stolz, durch den dieser Fall eine beispiellose Tragik bekommen hat.

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6
Feb 13

Das Vertrauen der Bundeskanzlerin

Zwei Dinge sind im aktuellen Fall um die Dissertation von Annette Schavan zu trennen: die persönliche Tragik und die politische Bedeutung. Erste lässt nachvollziehbar werden, wie die CDU-Politikerin, die vor ihrer politischen Karriere übrigens Vorsitzende des katholischen Begabtenförderungswerkes Cusanuswerk war, um ihre Reputation kämpft: mit juristischen Mitteln und voller Entschlossenheit. Letztere, also die politische Bedeutung des Falles, macht offenkundig, wie fatal es ist, dass Annette Schavan aus dem Amt erklärt hat, um ihre Ehre kämpfen zu wollen, anstatt sofort zurück zu treten. Bliebe sie dabei, wäre dieser menschlich nachvollziehbare Kampf eine sprichwörtlich ungeheure Bürde für den nach Niedersachsen nicht eben leichteren dritten Bundestagswahlkampf von Angela Merkel um das Kanzleramt im kommenden September. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist genau dieses Vertrauen gemeint, was die Kanzlerin in ihre Forschungsministerin gesetzt hat: dass sie erkennen werde, welche Konsequenzen jetzt notwendig und unausweichlich sind.

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25
Jan 12

Sauber geht anders

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Die Art und Weise, wie Politiker ihr Amt ausüben, wird immer kritisch von der Öffentlichkeit beobachtet. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Öffentlichkeit wird durch Medien hergestellt. Damit ist gemeint, dass die Medien den Raum bieten, in dem
Politisches Handeln wiedergegeben und bewertet wird. Durch Bereitstellung von Druckzeilen oder Sendeminuten. Zuweilen hat die Bevölkerung das Gefühl, Medien nehmen diesen Herstellungsanspruch zu wörtlich und schaffen, Realitäten, die es objektiv so nicht gibt. In der Affäre um die Vorwürfe gegen Bundespräsident Christian Wulff ist dies nur ein diffuses Gefühl. Doch es ist ein starkes Gefühl.
Mit Christian Wulff ist durch die Berichterstattung auch die CDU ins Gerede gekommen. Vor allem in Wulffs Heimatland. Jetzt gibt es dort jedoch einen handfesten Beweis, wie sich Medien “ihre Wirklichkeit” schaffen.

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18
Dez 11

Schade, Günther Jauch!

Günther Jauch enttäuschte mit seiner Sendung zur Kreditaffäre

Prime Time am Sonntag Abend. Günther Jauch ist die Sendung, die nach eigenem Anspruch, “das politische Thema der Woche” besetzen will. In dieser Woche, wie konnte es anders sein, war Bundespräsident Christian Wulff das Gesprächsthema bei Jauch. Die Sendung war eine Enttäuschung auf ganzer Linie, nicht nur wegen der Frivolität des Sendungstitels, den die Redaktion wohl in Anlehnung an Jauchs RTL-Quiz “Die 500.000 Euro Frage” genannt hatte. Auch die Auswahl der Gäste war schwach, weil die Sendung nicht dem billigen Reflex zu widerstehen mochte und so neben den Unionspolitiker Peter Altmaier vier Kritiker auf das Podiums setzte: Grünen-Fraktionschefin Künast arbeitete sich am Trauma ihrer verpatzten Berlin-Wahl ab und hieb vor allem auf die Union ein (“Die CDU kann Werte nicht”), die nun statt ihrer mit Klaus Wowereit in Berlin regiert. BILD-Redakteur Nikolaus Blome befand selbstgerecht, dass “Wulff jetzt nicht mehr Herr des Verfahrens” und ein “Bundespräsident auf Abruf sei”, und blieb erschreckend blass und wortkarg, als Jauch das Springer-Blatt rüffelte für die skandalöse Ausnutzung einer Auslandsreise des Bundespräsidenten als Zeitpunkt der Veröffentlichung der Vorwürfe. Der eitle Fernsehjournalist Herles nutze dankbar die vorübergehende Rückkehr auf eine quotenträchtige Fernsehbühne und warf dem Bundespräsidenten kühn vor, er gebrauche “dumme” Sätze (“Der Islam gehört zu Deutschland”). Gemeinsam mit der früheren Bundespräsidentschaftskandidatin Hildegard Hamm-Brücher fand er die Präsidentschaft Wulffs bieder und inhaltsleer.
Auch die Jauch-Redaktion trug ihren Teil dazu bei, die Integrität des Bundespräsidenten weiter zu untergraben, indem sie aus einer Rede Wulffs vor Nobelpreisträgern zitierte und mit sehr wenigen aus dem Zusammenhang entnommenen Sätzen den Eindruck zu erwecken versuchte, der Bundespräsident übe Doppelmoral. Wer sich die Rede jedoch genauer ansieht, lernt spätestens dort einen Bundespräsidenten kennen, der sehr deutlich Position bezieht:

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