Posts Tagged: ZDF


5
Jan 12

Die 150 Euro Frage

Bettina Schausten

150 Euro für eine Übernachtung bei Freunden zu zahlen, hat ZDF-Redakteurin Bettina Schausten im Interview mit Bundespräsident Wulff erklärt

Bettina Schausten erklärt, mit ihrer Antwort auf die 150-Euro-Frage “blockiert” zu haben, dass der Präsident das Gespräch auf die “privat-menschliche Ebene” herunterbrechen konnte.

Genau darum geht es tatsächlich: dem Bundespräsidenten wurde von Anfang an das Recht abgesprochen, die Hilfe langjähriger persönlicher Freunde in Anspruch zu nehmen. Um diese Haltung, die er bis heute konsequent annimmt, zu diskreditieren, wurden durch BILD, SPIEGEL und Co. Dinge verzerrt, Interviews gestückelt, Vorwürfe nachgeschoben. Sie haben damit dem Amt mehr geschadet als die Fehler, die Christian Wulff im übrigen eingeräumt hat. Er ist ein menschlicher Präsident. Aber niemand hat das Recht, an seiner Integrität zu zweifeln!


4
Jan 12

Wulff: “Ich nutze diese Gelegenheit, um zu erklären!”

Bundespräsident Wulff im Interview bei ARD und ZDF

Christian Wulff wirkt gefasst. Wer ihn kennt, spürt seine Nervosität. Auf die Frage, ob er in den letzten Tagen an Rücktritt gedacht habe, verneint er erklärend. Christian Wulff möchte die Chance bekommen, sein Amt fünf Jahre lang auszuüben und sich dann einer Bilanz zu stellen. Er sagt nach 0:59 Minuten einsichtig: “Ich weiß, dass ich nichts unrechtes getan habe, auch wenn nicht alles richtig war.” Im Verlauf des Interviews, in dem sich die Journalisten Ulrich Deppendorf (ARD) und Bettina Schausten (ZDF) sichtlich darum bemühten, den Bundespräsidenten nicht mit Samthandschuhen anzufassen, gewinnt Christian Wulff spürbar an Sicherheit und lässt seine Entschlossenheit erkennen, sein Amt nicht ohne Grund aufzugeben. Als Bettina Schausten Wulff zum Ende des Gespräches fragt, ob er also ein “Bundespräsident auf Bewährung” sei, wird diese Entschlossenheit deutlich. “Ich finde diese Begrifflichkeit völlig daneben”. Es gehe nicht um Rechtsverstöße, “sondern um die Frage von Transparenz, von Darlegung, von Erklärung. Dazu nutze ich auch diese Gelegenheit, um zu erklären, was ist und was war.” Dabei gelang es Wulff, hinreichend selbstbewusst aufzutreten und sich nicht alles bieten zu lassen, ohne jedoch Arrogant zu wirken.

Zum Vorwurf der Täuschung des Landtages von Niedersachsen erklärte Wulff:

“Im Landtag (Niedersachsen) hätte ich sagen sollen, es ist zwar nicht nach Frau Geerkens gefragt, sondern nach Herrn Geerkens seinen Firmen, seinen Unternehmungen. Da habe ich keine Beziehung. Aber ich räume hier ein, dass ich Beziehungen zu Frau Geerkens habe. Das hätte ich sagen sollen, wenn ich es heute noch mal entscheiden könnte von vornherein, dann würde ich heute in dem Moment, wo ich dieses Haus kaufe, ein Interview geben und sagen, ich habe dieses Haus gekauft mit Hilfe von Freunden, die mir für die Anfangszeit und Sanierung Geld zur Verfügung gestellt haben, ordentlich verzinst.

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21
Mai 10

Journalismus als willfähriger Handlanger?


Die “ZDF-Heute-Show” mit Olli Welke sorgt beständig für Lacher, weil sie ihre Beiträge mit meistens erfrischender Respektlosigkeit und Komik würzt. Der Beitrag über die Lobbyisten der Pharma-Industrie vom 14. Mai 2010 ruft bei mir allerdings Beklemmungen hervor. Warum? Nicht weil ich Lobbyist bin (stimmt, auch wenn dies nur bestätigt, dass der Begriff Lobbyismus ein breites Spektrum an Interpretationen ermöglicht), sondern weil er ein großes Dilemma des Journalismus in Deutschland offenbart: Es geht um Absprachen, die vor einem Dreh oder O-Ton üblich sind, und anhand derer beide Seiten (Journalist und Interviewpartner) ihre Erwartung abstecken: Der Journalist erwartet eine bestimmte Aussage, der Interviewpartner eine günstige Gelegenheit, eine gewünschte Botschaft abzusetzen. Krönung dieses System ist die “Tradition”, wonach Interviews und Stellungnahmen zur “Autorisierung” nochmals vorgelegt – und im Zweifel redigiert – werden! Darüber hatte es vor einigen Jahren Aufsehen in der Medienlandschaft gegeben, als mehrere Redaktionen nach einem Präzendenzfall der TAZ diesen jahrzehntelang geübten “Comment” aufgaben und Interviews nur noch im Wortlaut des Gesprächsablaufes abdruckten.
Nun beklage ich nicht, dass Sonneborn etwaige Absprachen gebrochen hat, worüber in einigen Foren diskutiert wird. Ganz sicher steht fest, dass der Pro-Generika Geschäftsführer Schmidt davon ausging, seine Worte zwischen den einzelnen “Takes” blieben vertraulich. Doch wie anders hätte Sonneborn zeigen können, was wirklich Praxis ist? Nur, indem er seinen Gesprächspartner in der Annahme lässt, es gelte weiterhin dieser Comment, Aussagen so lange feinzudrexeln, bis das gewünschte Ergebnis vorliegt.
Nein: Was wirklich bekümmert ist die Reaktion des ZDF-Programmchefs Thomas Bellut, der Sonneborn für sein Vorgehen rügte und damit bestätigte, was nach wie vor gängige Praxis ist: Dass wesentliche Teile der Medien (wenn diese Umschreibung für das ZDF als pars pro tot gestattet ist) akzeptieren, dass Interviewpartner vor der Kamera ganz anders reden als im “Off”. Dass dort Aussagen existieren, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt sind, und die im Zweifel ein ganz anderes Licht auf den Journalismus in Deutschland werfen: Den eines willfährigen Handlangers, solange sein eigenes Bedürfnis gestillt wird. Wie heisst es treffend bei AllesSchallundRauch: Mit dem Zweiten luegt man besser! Bellut sollte zurück treten!


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