Ursula von der Leyen und die FAZ

Eine spanndende Beziehung ist heute um ein bemerkenswertes Stück reicher geworden: Bundesministerin von der Leyen ist von der FAZ interviewt worden. Nach fünf Wochen! Jede andere Redaktion von vergleichbarem Anspruch hat schneller reagiert und die Ministerin, die vor allem die SPD, aber auch Teile ihrer eigenen Partei, in Unruhe versetzt, direkt befragt und den Wortlaut abgedruckt. Doch kaum eine Redaktion wie die FAZ ist auch so offenkundig gespalten gewesen.
In zahlreichen Beiträgen zumeist männlicher, etablierter Autoren, sind ihre Positionen nicht nur kritisch hinterfragt worden. Das wäre ok. Kolumnisten und Leitartikler wie Hans D. Barbier und Georg Paul Hefty haben die Vorschläge der Ministerin sogar grob verzerrt wiedergegeben und damit das Geschäft der Kritiker Leyens direkt betrieben. Auf www.fette-henne.info habe ich darüber mehrfach gepostet.
Andererseits hat die FAZ wichtige inhaltliche Schützenhilfe für die Familienministerin geleistet, etwa durch das Interview mit der Kölner Entwicklungsforscherin Ahnert, die klargestellt hat, dass Krippenbetreuung Unter-Dreijährigen keinesfalls schadet. Und sie hat darüber hinaus – wenn auch im Feuilleton etwas versteckt – selbst junge Autorinnen auf das Thema angesetzt, die sich vehement gegen die Polemik zu Lasten von der Leyen’s geäussert haben.
Während sich also in den meisten Redaktionen eine Linie (pro oder contra) klar durchsetzt und entweder das eine oder andere Extrem publiziert wird, trägt die FAZ den Zwiespalt offen zutage und vertritt deutliche pointierte Positionen auf beiden Seiten. Nicht nur publizistisch ein spannenden Projekt!

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