Von Bond zu Bonds oder zu Hause bei den Bonds

Wer kennt ihn nicht, den legendären Satz: “Mein Name ist Bond, James Bond.” Dieser Tage ist mit Blick auf Europa nur noch von den (Euro)Bonds die Rede – James hat nicht geheiratet, falls das jemand denken sollte. Gemeint sind vielmehr jene europäischen Staatsanleihen, mit Hilfe derer die kriselnden Euroländer vor der erdrückenden Zinslast und den Spekulanten gerettet werden sollen. Zurzeit (Dienstagabend, 16.8.) besprechen sich die deutsche Kanzlerin und der französische Präsident in Paris zu diesem Thema. Allerdings nicht offiziell, denn offiziell steht dieser Punkt angeblich nicht auf der Tagesordnung. Dennoch redet die europäische Finanzwelt seit Tagen über nichts anderes mehr. Was soll also der deutsche bzw. beinahe auch schon europäische Steuerzahler davon halten? Die Meinungen gehen einmal wieder weit auseinander: Wer gegen die Staatsanleihen ist, die den Euro retten sollen, ist ein unverbesserlicher Euroskeptiker und damit Tunichtgut. Wer dafür ist, läuft Gefahr, dass Deutschland am Ende in einen uneinsehbaren Strudel gerissen wird. Das kennt auch der Wandersmann besonders gut: Am Horizont die Kuppe überwinden, und dann führt der Weg sachte zurück ins Tal – aber nur, wenn man den Weg kennt! Wer den Weg nicht kennt, findet sich unversehens vor einem Abgrund und hat ohne Seilschaft keine Chance. Dann heißt`s umkehren. Die deutsche Regierung könnte bei der Frage Bonds oder nicht Bonds gefährlich ins Schlingern kommen. Von der FDP heißt es konsequent, dass man für eine „Transferunion“ bzw. eine Vergemeinschaftung der Schulden nicht zur Verfügung stehe; nichts anderes würden Eurobonds bedeuten. Die Idee des deutschen Länderfinanzausgleichs kommt dem Bond-Gedanken ziemlich nahe. Die Frage lautet nur, ob es den schwächeren Ländern wirklich hilft? Ein regelmäßig eintreffender Geldsegen verführt auch zum süßen Nichtstun… Einige Bundestagsabgeordnete drohen sogar offen mit Verweigerung – beim derzeitigen Stand der FDP ein Vabanque-Spiel, da die FDP bei Neuwahlen wohl nicht in den Bundestag zurück käme! Die CSU als zweite kleinere Regierungspartei sträubt sich ebenfalls. Und in der CDU würde man vielleicht die Bonds-Kröte schlucken, wenn Deutschland die Kriterien bestimmt. Das hatten wir allerdings bei der Euro-Einführung schon mal. Der damalige Finanzminister Theo Waigel hat die Stabilitätskriterien mit Klauen und Zehen durchgesetzt – es hat nicht viel geholfen. Ein CDU-MdB wird in den Medien zitiert: “Seit einem Jahr löschen wir immer neue Feuer, indem wir immer etwas mehr Wasser draufschütten.” Eurobonds – auch wenn sie die deutsche Handschrift tragen sollten – führen zwangsläufig hin zu einer stärkeren Integration bei der Finanz- und Haushaltspolitik. An diesen Königsrechten der Nationen zu rütteln ist heikel. Dazu fehlt der europäischen Idee derzeit die Zugkraft. Die Mission ist also brandgefährlich. Mißlingt die „Eurorettung“, könnte das den anti-eropäischen Kräften überall in Europa weiteren Auftrieb geben. Dann könnte Europa tatsächlich noch ein Fall für Mr. 007 werden. Zumal um 18:25 Uhr die Eilmeldung über die Ticker läuft, dass die europäischen Bonds (Merkel und Sarkozy) eine Wirtschaftsregierung für Europa vorschlagen. Den Reaktionen auf diesen Testballon sieht der Autor mit Spannung entgegen.

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