Wählerwahl

Ein bisschen machen es die Wähler so spannend, wie bei der Damenwahl: Es wird geschaut, noch ein letztes Mal taxiert und dann kommt die vorsichtige Annäherung – oder auch nicht. Eine Legislaturperiode der Dauerkompromisse in den (noch) dominierenden politischen Lagern macht es den Wählern auch wirklich nicht leicht. Insbesondere Stammwähler der einstmals großen Volksparteien verschwinden – teilweise ist das auch einfach der Biologie geschuldet. Es mutet paradox an, dass die „große Mehrheit“, die zu Beginn der Großen Koalition als „große Chance für Deutschland“ gepriesen wurde, für die Volksparteien CDU und SPD im Verlauf der Wahlperiode genau das Gegenteil bewirkt hat: Ihre Selbstverzwergung (Karl-Rudolf Korte) nahm kontinuierlich zu. Proportional dazu wurden die Kleinen immer größer – zwar nicht gleichmäßig und allein auf Kosten der Großen, weil auch viele Wähler „verloren“ gegangen sind, aber immerhin. Ergo: Große Koalitionen befeuern die Zersplitterung der Parteienlandschaft. Daraus folgt wiederum, dass die Wähler keine Regierungsparteien mehr wählen, sondern Koalitionen. Die letzte „Ein-Parteien-Bastion“ ist mit Thüringen am 30.8.2009 unwiederbringlich gefallen. Das es so kommen musste, darauf deutete bereits die bayerische Landtagswahl 2008 hin. Auf Bundesebene vermag man sich ja kaum noch zu erinnern, wie es war ohne Koalitionspartner. Die Volksparteien sind also mittlerweile ebenso zwangsläufig auf Braut- bzw. Bräutigamsschau angewiesen wie die Kleinen, die immer mitregieren wollen. Da schickt es sich, etwas selbstbewusster die Sache anzugehen. Schüchterne Damenwahlen lassen sich die Wähler nicht mehr gefallen, sonst heißt es ledig bleiben oder anders ausgedrückt: ab in die Opposition.

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