“Wenn es nach mir geht…” – Bisky und die Signale an die SPD

In der Politik genügen oft wenige Worte, um große Wirkung zu entfalten. Gestern noch war die SPD scheinbar aussichtslos abgeschlagen und mit sich selbst beschäftigt, da sorgte ein scheinbar belanglosen Satz eines Nicht-Sozialdemokraten dafür, dass neue Hoffnungen spriessen werden.

“Wenn es nach mir geht, gibt es solche Opfer nicht”.

Diese Worte hat freilich nicht Angela Merkel geäußert, die auf dem Grundsatzprogramm-Kongreß der CDU in Hanau eher die Leiden der Sozialdemokraten verstärkt haben dürfte durch ihre Betonung der sozialen Kompetenz der CDU. Im Gegenteil: Die Kanzlerin dürfte angesichts dieser Worte eines für seine Bedächtigkeit bekannten Oppositionspolitikers ebenso hellhörig geworden sein wie der Adressat dieser “Schutzadresse” selbst, Oskar Lafontaine!
Es war niemand geringeres als Lafontaines Co-Vorsitzender im Amt des Chefs der neuen Linkspartei, Lothar Bisky, der vor allem der SPD-Linken Hoffnung gemacht hat. Der gegenüber n-tv geäußerte Satz sollte nur scheinbar Lafontaine schützen – er hat ihn damit erst richtig zur Disposition gestellt. Grundsätzlich ist denkbar, so lautet der Umkehrschluss aus Biskys Worten, dass Lafontaine von der Linkspartei gestürzt werden könnte, um mit der SPD koalitionsfähig für eine Zusammenarbeit von Rot-Rot-Grün zu sein!
“Wenn es nach mir geht, gibt es solche Opfer nicht”, hat Bisky betont. Niemand weiss besser als Lafontaine selbst, dass ein kategorischer Ausschluss einer solchen Option anders lautet. Bisky ist ein mit allen dialektischen Wassern gewaschener Sozialist. In dem dazugehörigen Politikverständnis spielen einzelne “Kader” und ihre Wünsche keine Rolle. Das hat die ehemalige SED mit dem Sturz ihrer bis dahin unantastbaren Führungsleute Honecker, Mielke und Co. im Herbst 1989 eiskalt demonstriert. Was zählt, ist einzig die Machtoption. Wer da stört, wird abserviert.
Auch in der Linkspartei ist niemand sakrosankt, was Bisky in einem weiteren mehrdeutigen Satz sogar direkt anfügt:

“Wer mit uns etwas zusammen machen will, der muss auch die Menschen akzeptieren, die bei uns das Vertrauen haben.”

Den Zusatz “Und dazu zählt auch Lafontaine” hat Bisky zwar pflichtschuldig mitgeliefert. Allerdings darf man getrost davon ausgehen, dass er bewußt im Präsens formuliert und das kleine Wörtchen “noch” im Geiste mitgedacht und nur deswegen nicht ausgesprochen hat, weil zunächst die Diskussion in der SPD in die entsprechende Richtung gehen muss.

Dass die Linke jedenfalls eine entsprechende Chance verstreichen lassen würde, ohne Lafontaine in eine deutsche Bundesregierung einzutreten, glaubt niemand. Nicht Angela Merkel. Und erst recht nicht Oskar Lafontaine!

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