WMD

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Als Colin Powell am 5. Februar 2003 seine Rede im New Yorker Hauptquartier der Vereinten Nationen beendet hatte, war der Fall klar: worüber die Welt seit vielen Wochen, spekuliert hatte, stand nun fest. Der Irak war im Besitz von Massenvernichtungswaffen. Umfangreiches Material wurde den Mitgliedern des Sicherheitsrates präsentiert, welches die USA seit Monaten recherchiert hatten und das die schlimmsten Vermutungen bestätigte. WMD, Weapons of Mass Destruction, gaben den letzten Ausschlag. WMD waren der Grund, weshalb schliesslich das drastischste aller Mittel angewendet werden konnte, ohne dass die Bevölkerung – Wähler in demokratischen Ländern – protestierten: Krieg!
Auch heute geht es wieder um WMD, so scheint es. Mit großem Aufwand recherchieren seit Monaten Kohorten von Spezialisten für das “Ausgraben” geheimster Details (“investigative Journalisten”) hinter Christian Wulff her. Und Wulff ist nicht irgendwer.

Christian Wulff ist der zehnte Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Er ist seit dem 30. Juni 2010 die moralische Instanz in Deutschland. So scheint es jedenfalls, ganz so als ob es keinen Papst, keinen Präses der EKD, keine Präsidenten von Bundestag oder Bundesverfassungsgericht oder andere Institutionen gäbe, die den Menschen Orientierung und Werte vermitteln könnten. Der Bundespräsident muss absolut integer sein und kein Fleck darf seine Weste beschmutzen. Ist das doch der fall, wird die demokratische Kultur und Glaubwürdigkeit unseres Landes sofort mit einer Kraft bedroht, die hundert mal destruktiver ist als jede WMD.
Deswegen hat sich der stv. Chefredakteur der BILD-Zeitung, im Auftrag seines Größten Feldherrn allerzeiten Oberbefehlshabers und assistiert von hoch dekorierten Offizieren aus den Kasinos von SPIEGEL, FOCUS und SZ auf den beschwerlichen Weg gemacht, die Öffentlichkeit im WELT-Sichereitsrat vor UN- un-Generalsekretär Günther Jauch davon zu überzeugen, welche Gefahr von Bundespräsident Christian Wulff für die demokratische Kultur des gelobten geliebten Landes ausgeht.
Hallo? Nicht erst seit diesem sehr bemerkenswerten Zwischenruf von Ex-ZEIT-Chefredakteur Robert Leicht ist klar, dass die Sachlage tatsächlich anders aussieht: Es findet eine Jagd statt, die nicht nur erbärmlich und unehrlich ist, sondern auch höchst gefährlich. Denn die WMD richten sich nicht aus dem Bellevue auf die politische Kultur, sondern aus den Redaktionen des Boulevards. Und nicht nur auf die Kultur, sondern auf die demokratischen Grundwerte. Wer kontrolliert die Presse, wenn sie so unfähig ist, sich selbst zu kontrollieren? Kein Zweifel besteht, dass eine Marktordnung strenge Kontrolleure bedarf, um die Bildung von Kartellen und damit die Freiheit des Verbrauchers zu sichern. Gleiches gilt auch für die Meinungsfreiheit. Sie muss geschützt werden. Nicht vor Bundespräsidenten, die auf Mailboxen sprechen, sondern vor Meinungskartellen und ihren publizistischen WMD!

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