Wulff: “Ich nutze diese Gelegenheit, um zu erklären!”

Bundespräsident Wulff im Interview bei ARD und ZDF

Christian Wulff wirkt gefasst. Wer ihn kennt, spürt seine Nervosität. Auf die Frage, ob er in den letzten Tagen an Rücktritt gedacht habe, verneint er erklärend. Christian Wulff möchte die Chance bekommen, sein Amt fünf Jahre lang auszuüben und sich dann einer Bilanz zu stellen. Er sagt nach 0:59 Minuten einsichtig: “Ich weiß, dass ich nichts unrechtes getan habe, auch wenn nicht alles richtig war.” Im Verlauf des Interviews, in dem sich die Journalisten Ulrich Deppendorf (ARD) und Bettina Schausten (ZDF) sichtlich darum bemühten, den Bundespräsidenten nicht mit Samthandschuhen anzufassen, gewinnt Christian Wulff spürbar an Sicherheit und lässt seine Entschlossenheit erkennen, sein Amt nicht ohne Grund aufzugeben. Als Bettina Schausten Wulff zum Ende des Gespräches fragt, ob er also ein “Bundespräsident auf Bewährung” sei, wird diese Entschlossenheit deutlich. “Ich finde diese Begrifflichkeit völlig daneben”. Es gehe nicht um Rechtsverstöße, “sondern um die Frage von Transparenz, von Darlegung, von Erklärung. Dazu nutze ich auch diese Gelegenheit, um zu erklären, was ist und was war.” Dabei gelang es Wulff, hinreichend selbstbewusst aufzutreten und sich nicht alles bieten zu lassen, ohne jedoch Arrogant zu wirken.

Zum Vorwurf der Täuschung des Landtages von Niedersachsen erklärte Wulff:

“Im Landtag (Niedersachsen) hätte ich sagen sollen, es ist zwar nicht nach Frau Geerkens gefragt, sondern nach Herrn Geerkens seinen Firmen, seinen Unternehmungen. Da habe ich keine Beziehung. Aber ich räume hier ein, dass ich Beziehungen zu Frau Geerkens habe. Das hätte ich sagen sollen, wenn ich es heute noch mal entscheiden könnte von vornherein, dann würde ich heute in dem Moment, wo ich dieses Haus kaufe, ein Interview geben und sagen, ich habe dieses Haus gekauft mit Hilfe von Freunden, die mir für die Anfangszeit und Sanierung Geld zur Verfügung gestellt haben, ordentlich verzinst.

Hinsichtlich des Anrufs bei BILD-Chefredakteur Diekmann gibt Wulff unumwunden zu, einen “schweren Fehler” gemacht zu haben (1:45), der nicht mit seinem Amtsverständnis als Bundespräsident vereinbar sei. Wulff verzichtet dabei auf die Klage, dass die Mailbox-Nachricht überhaupt verwendet wurde, obwohl BILD-Chef Diekmann die Angelegenheit für “erledigt” erklärt haben wollte. Allerdings ruft der Bundespräsident die besonderen Umstände in Erinnerung, unter denen dieser Anruf erfolgte: Auf einer Auslandsreise und vor dem Hintergrund von Berichten aus dem Heimatdorf, dass Journalisten wegen “Korruption” recherchiert hätten. Dennoch ist Wulff einsichtig: “Ich habe offenkundig mich in dem Moment eher als Opfer gesehen, (denn) als denjenigen, der eine Bringschuld hat gegenüber der Öffentlichkeit, Transparenz herzustellen.”(2:20) Diese Transparenz will Wulff, wie er zum Schluss des Interviews sagte, zukünftig deutlicher herstellen und dazu auch sein Verhältnis zu den Medien “neu ordnen.”

Sein Privatbereich ist Christian Wulff sehr wichtig. Angesichts der “Fantasien”, die über seine Frau Bettina verbreitet würden, ist es nachvollziehbar, dass Wulff unter solchen Umständen alarmiert reagiert, wenn er auf Auslandsreise von solchen privaten Veröffentlichungen erfährt.

Vielleicht muss man die Situation auch menschlich verstehen. Wenn man im Ausland ist, in vier Ländern in fünf Tagen, zehn Termine am Tag hat und erfährt, dass Dinge während dieser Zeit in Deutschland veröffentlicht werden sollen, wo man mit Unwahrheit in Verbindung, wo man also Vertrauensverlust erleidet, dann muss man sich auch vor seine Familie stellen.”

Inhaltlich legt Wulff weiterhin großen Wert auf die Feststellung, dass seine Auskunft zur privaten Natur seiner Beziehung zum Ehepaar Geerkens und auch zu anderen Freunden.

“Das ist genau der Unterschied. Wenn es dienstliche Kontakte gibt, wenn es in Bezug auf das Amt geleistet wird, dann kommt es überhaupt nicht infrage. So ist genau die Regelung. Aber dies wird nicht in Bezug auf das Amt gemacht, denn ich bin in Norderney schon gewesen oder in Spanien, als ich noch gar nicht im Amt war. Ich kenne Herrn Geerkens, seit ich vierzehn, fünfzehn, sechzehn bin. Den kannte mein Vater, der war mit dem eng befreundet. Und wenn man den seitdem kennt und ihn besucht hat und er uns besucht hat und man sich ein Leben lang begleitet, dann ist das nicht auf das Amt bezogen. Sondern dann ist das eine private Beziehung, die auch Politikern möglich sein muss.”(16:30)

Menschlich glaubwürdig wirkte Wulff, als ihm seine “hochstehende” Kritik an Johannes Rau aus dem Jahr 2000 von Bettina Schausten vorgehalten wurde. “Heute kann ich Johannes Rau besser verstehen,” räumte Wulff ein, dass bei einem kritischen Fingerzeig immer drei Finger auf den Kritiker selbst zeigen. Er bezeichnete es vor diesem Hintegrund als Herausforderung, auch zukünftig Glaubwürdigkeit zugesprochen zu bekommen. Wulff:

“Aber man muss eben auch wissen, dass man nicht gleich bei der ersten Herausforderung wegläuft, sondern dass man sich der Aufgabe stellt. (…) Und deswegen muss man offenkundig auch durch solche Bewährungsproben hindurch.”

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